Gasthof „Zum Adeligen Holze“ schließt seine Pforten / „Mehr Zeit für die Familie“ / „Lachendes und weinendes Auge“

Über 90-jährige Familientradition endet

Petra Peuleke und Vater Manfred Bischoff haben die Bier-Zapfhähne im Gasthof „Zum Adeligen Holze“ nach oben gedreht. Das Traditionslokal hat seine Pforten geschlossen.

Thedinghausen - (sp) · Über 90 Jahre, seit 1919, war die Gaststätte „Zum Adeligen Holze“ eng mit Thedinghausen verbunden und auch weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Jetzt hat das Lokal, Restaurant, Café und Ausflugsziel seine Pforten geschlossen.

„Mir fällt die Schließung schwer“, erzählt Wirtin Petra Peuleke (geb. Bischoff), die das „Adelige Holz“ seit 16 Jahren führt. Unterstützung erhielt sie dabei von Ehemann Oliver und Vater Manfred.

„Meine Familie kommt einfach zu kurz. Ich habe noch einen Teilzeitjob – und dazu der Gaststättenbetrieb. Mein Mann, der beruflich voll eingespannt ist, und meine Kinder, die Jüngste ist gerade zwei, litten letztlich unter dieser Doppelbelastung. Und darum ist jetzt Schluss“, erklärt die 41-Jährige mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Das Gebäude ist ein ehemaliges Herrenhaus. Seit dem Bau 1912 ist es im Privatbesitz der Familie Peuleke/Bischoff/Bielefeld. Es wird jetzt umgebaut. „Wir wollen hier wohnen bleiben.“ Petra Peuleke schaut ihren Vater Manfred an. Beide denken gern zurück: „Wir haben hier Gäste, die kommen schon seit Jahrzehnten regelmäßig.“

▪ Stammgäste

▪ über Jahrzehnte

Und all die Zeit war der Gasthof „Zum Adeligen Holze“ für viele Thedinghauser Vereine, Institutionen und Privatleute eine feste Anlaufstelle. Familienfeste aller Art, Schützenfeste (früher stand auf dem Gelände der Schießstand), Gartenpartys diverse Aktivitäten mit dem benachbarten Reitverein, Treibjagden, Treffpunkt für Himmelfahrt- und Pfingstradler und vieles mehr. Das ist nun alles Vergangenheit.

Eröffnet wurde der Gasthof seinerzeit 1919 von Heinrich Bielefeld, dem Urgroßvater von Petra Peuleke. Bald reichten die vorhandenen Gasträume nicht mehr aus, und der an das Haus grenzende Stall wurde 1925 zum Saal umgebaut. Das Geschäft florierte.

Der heutige Bier- und Kaffeegarten wurde 1919 von einem Bremer Landschaftsgärtner und Heinrich Bielefelds Ehefrau Doris entworfen und gestaltet. Der kleine Teich wurde schon 1914 angelegt. Das Garten-Ensemble wurde im Ursprung bis heute erhalten. Der alte Baumbestand stammt aus den ersten Anpflanzungen rund um das Haus.

Im zweiten Weltkrieg wurde der Gasthof zunächst zum Lager-Depot der deutschen Kriegsmarine, nach dem Krieg wurde es zum Quartier der englischen Besatzungssoldaten. Die Familie wurde seinerzeit weitgehend ausquartiert, das Mobilar wurde fast völlig zerstört.

Aufwärts ging es wieder, als Junior Friedel (Friedrich) aus dem Krieg zurückkehrte und mit Ehefrau Greta endgültig das Ruder übernahm. Ältere Thedinghauser erinnern sich noch an Friedel. Er hatte eine Art von Fröhlichkeit, die die Gäste förmlich anzog. Der Gasthof blühte auf.

Tochter Irma übernahm 1970 zusammen mit Ehemann Manfred den Betrieb. Sie, die viel zu früh verstarb, war eine gestandene Gastwirtin und eine ausgezeichnete Köchin. 1970 wurde ebenfalls die bislang noch parallel betriebene Landwirtschaft eingestellt.

Petra Peuleke ist die letzte im Bunde, die das traditionsreiche Familienunternehmen 1995 von ihren Eltern übernahm. Im Jahr 2000 wurde das „Adelige Holz“ noch einmal modernisiert. Auch in den letzten Jahren herrschte meist stets reger Betrieb.

Damit ist jetzt Schluss und Thedinghausen ist auf jeden Fall um eine kleine, aber feine, urige und lieb gewonnene Institution ärmer.

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