Lokaljournalist Dombek verabschiedet / 70 Jahre für die Zeitung aktiv

„Tschüss Lothar, bis bald“

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Dank für Engagement (vorne v.l.): Chefredakteur Hans Willms, Lothar Dombek und Redaktionsleiter Volkmar Koy im Kreise von weiteren Kollegen. ·

Verden - Von Markus WienkenVERDEN · Mit Superlativen wird heutzutage ja nicht gegeizt, doch das dürfte, ohne Übertreibung, einmalig in der Presselandschaft sein. 70 Jahre arbeitete Lothar Dombek für unsere Lokalzeitung, gestern nahm er seinen offiziellen Abschied. „Tschüss Lothar, Dir alles Gute und lass Dich wieder bei uns blicken“, hieß es.

In lockerer Runde und gut gelaunt nahm der Senior der Redaktion Abschied. Wo andere schon längst den Ruhestand genießen, da hat der Kollege bis zuletzt, mittlerweile im Alter von 86 Jahren gezeigt, was alles möglich ist. Das Rezept dafür gab er gerne Preis: „Früh aufstehen und dann kalt duschen.“

Chefredakteur Hans Willms sprach angesichts des Alters des scheidenden Kollegen bewundernd aus, was wohl viele dachten: „Das ist schon ein Ding.“ Willms lobte zudem Engagement und ausdauernde Schaffenskraft des Lokaljournalisten. „Einfach vorbildlich.“

Redaktionsleiter Volkmar Koy ließ den Einsatz des langjährigen Weggefährten noch einmal Revue passieren. Knapp 16 Jahre alt, stieß Dombek im Jahre 1941 als freier Mitarbeiter zum damaligen Verdener Anzeigenblatt. Die „Kräutersammlung der Schuljugend“ lautete der Titel seines ersten Beitrages. „Es dauerte allerdings nicht lange, bis der Kollege seine Ader fürs Hippologische entdeckte“, so Koy.

Das Kriegsende erlebte Dombek in Gefangenschaft, doch nach seiner Rückkehr stieg er schnell wieder in die journalistische Arbeit ein. Nebenberuflich, versteht sich, denn Geld war damit noch nicht zu verdienen. Den Lebensunterhalt für Frau und Kinder bestritt er als Angestellter bei der Stadt Verden.

Doch die Pferde haben den Sportsmann sein Leben lang fasziniert. Ob Auktionen, Hengst- und Stutenschauen, Spring- und Dressur-Championate oder Weltmeisterschaft, er war im weiten Rund von Halle oder Stadion zuverlässig vertreten. „Lothar, da hast du Pferdegeschichte geschrieben“, bescheinigte ihm Redaktionsleiter Koy.

Nicht nur beim Hannoveraner Verband, auch in den Reihen der Kollegen war und ist Dombeks Pferdeverstand unumstritten. Nur einmal gab‘s Ärger. „Warum nicht von Weltmeyer“, so hatte Kollege Dombek den Nachwuchs eines berühmten Pferdes in seinem Manuskript vorgestellt. Ohne Sachkenntnis und Rücksprache strich ihm der Redakteur den Namen zusammen und machte daraus „Weltmeyer“. Am nächsten Tag kein Gruß und dafür ordentlich Schimpfe. Aber dann war wieder alles gut. Schwamm drüber. Da war er nie nachtragend.

Stand der Pferdesport zwar an erster Stelle, war der engagierte Zeitungsmann weiteren Themen gegenüber aufgeschlossen. Dazu gehörte zweifellos der Boxsport. „Unvergessen die Begegnung und das Interview mit Schwergewichts-Weltmeister Max Schmeling“, erinnert er sich. In der „Rubrik Menschen aus unserer Mitte“ beschrieb er zudem über Jahrzehnte Persönlichkeiten, aber auch Leute, die nicht im Mittelpunkt der Gesellschaft standen. „Das war mir ein besonderes Anliegen“, betonte der 86-Jährige. Spannend liest sich die Liste weiterer Reportagen, die ihn ins Krisengebiet Sarajewo, auf U-Boot-Tauchfahrt oder für eine Nacht auf die Hamburger Davidswache führten.

Stets aufgeschlossen stand der Kollege technischen Neuerungen gegenüber. Ob digitale Fotografie, Computer oder Internet, der Senior ließ so lange nicht locker, bis er die Technik drauf hatte. Alle Achtung dafür und Dank für viele, manchmal aufregende Diskussionen und Gespräche. „Mach‘s gut Lothar, wir sehen uns.“

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