RWE-Dea plant neue Lagerstättenwasserleitung / Verpressung schon seit 1998

„Trinkwasserschutz muss Vorrang genießen“

Verden - Von Lars KattnerFür Beunruhigung im Verdener Rathaus sorgt derzeit ein Antrag der RWE-Dea beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover. Das Unternehmen plant danach den Neubau einer Lagerstättenwasserleitung von den Gasbohrpunkten in Schülingen und Walle zum Verpressungspunkt in Scharnhorst. Das Vorhaben wirft allerdings jede Menge Fragen auf.

Zwar wird bereits seit 1998 Lagerstättenwasser in Scharnhorst verpresst, doch Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann gab gestern bei einem Pressegespräch zu: „Vielmehr wissen wir als Stadt nicht.“ Deswegen müsse die Devise lauten: „Der vorsorgende Trinkwasserschutz muss Vorrang genießen.“ Hintergrund ist der Schadensfall am Bohrpunkt Völkersen-Nord Z1 im August, als mit Benzol verseuchtes Lagerstättenwasser ausgetreten war.

Denn die Leitung, um die es im vorliegenden Fall geht, verläuft in weiten Teilen innerhalb der Wasserschutzzone III des Wasserwerks Panzenberg, teilweise sogar am Rande der besonders schützenswerten Zonen I und II. Gleiches gilt für die Verpressungsstelle, wo das Wasser in Tiefen um die 1100 Meter gepumpt wird.

Damit soll in Zukunft nach dem Willen der Stadt Schluss sein, da in unmittelbarer Nähe Trinkwasser aus insgesamt sieben Brunnen mit einer Tiefe jenseits der 200-Meter-Marke entnommen wird. So sieht es ein Beschlussentwurf vor, der dem Verdener Stadtrat am kommenden Dienstag vorgelegt werden soll. Darin heißt es unter anderem: „Die RWE Dea wird aufgefordert, die Verpressung von Lagerstätten- und Fracking-Abwasser aus der Gasförderung im Wasserschutzgebiet Panzenberg aufzugeben.“ Und weiter: „Das Land Niedersachsen und das LBEG werden aufgefordert, den vorrangigen und vorsorgenden Schutz des Trinkwasservorkommens am Panzenberg durchzusetzen und die Genehmigung für die Verpressung von Lagerstätten- und Fracking-Abwasser aufzuheben.“

So soll nicht nur einem möglichen Neubau ein Riegel vorgeschoben, sondern auch die laufende Verpressung in Scharnhorst komplett stillgelegt werden. „Wir können nicht runter gucken und deswegen nur schwer beurteilen, was da eigentlich passiert“, konkretisierte der Bürgermeister seine Bedenken. „Um alle Risiken auszuschließen, müssen sämtliche Vorgänge aufgegeben werden.“

Zudem äußerte Brockmann den Verdacht, dass über die bestehende Leitung auch die Frac-Flüssigkeit von insgesamt 16 so genannten Frac-Behandlungen auf dem Gasförderfeld Völkersen seit 2001 abgeführt und verpresst wurde. Diese Schlussfolgerung hätte sich aus internen Recherchen ergeben. Derek Mösche, Pressesprecher der RWE-Dea, konnte gestern auf Nachfrage dieser Zeitung die Anzahl der Frac-Behandlungen nicht bestätigen, versicherte aber: „Die Frac-Flüssigkeit wird ordnungsgemäß entsorgt.“

Zwar würde der Austausch der Leitung mit einem Investitionsvolumen von rund zwei Millionen Euro die Sicherheit deutlich erhöhen, aber Brockmann gibt zu bedenken: „Mit diesem Geld würde etwas Falsches verfestigt.“ Skeptisch zeigte sich gestern auf Nachfrage auch Dr. Marcel Meggeneder, Geschäftsführer des Trinkwasserverbands Verden: „Der Unfall hat gezeigt, dass die Gefahr nicht nur von unten, sondern auch von oben kommen kann. Deswegen haben wir ein Gutachten in Auftrag gegeben, welche Gefahren für unsere Brunnen bestehen.“ So solle unter anderem geprüft werden, ob es genügend Grundwassermessstellen gibt, da sich die Technik in den vergangenen Jahren verbessert hätte. „Natürlich würden wir das Schutzgebiet gerne frei halten, denn eine potenzielle Gefahr besteht immer. Aber letztlich ist es eine Sache der Wasserbehörde.“ Genau wie dem Trinkwasserverband sind auch der Stadt Verden bei der Frage der Genehmigung die Hände gebunden. Eine Beteiligung ist nur durch Stellungnahmen vorgesehen.

Brockmann betonte, dass er von einem seriösen Unternehmen erwarte, dass es sich mit den Fakten auseinandersetze und andere Standorte prüfe. Dazu Mösche: „Zurzeit gibt es hierzu keine Überlegungen.“

Heute, um 19 Uhr, im Gasthaus zur Post in Völkersen, gibt es übrigens eine Infoveranstaltung für alle Bürger. Thema wird der Austritt benzolhaltigen Wassers bei der Erdgasförderung in Völkersen sein.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Urlaub zwischen Pyramiden und Palmen auf Yucatán

Urlaub zwischen Pyramiden und Palmen auf Yucatán

Nach Gnabry-Schreck: Perfekter Bayern-Start gegen Atlético

Nach Gnabry-Schreck: Perfekter Bayern-Start gegen Atlético

Lukaku verhindert Gladbacher Traumstart in die Königsklasse

Lukaku verhindert Gladbacher Traumstart in die Königsklasse

Die düstere Geschichte der NS-Ordensburg Vogelsang

Die düstere Geschichte der NS-Ordensburg Vogelsang

Meistgelesene Artikel

Corona-Risikogebiet Landkreis Verden: Kreisverwaltung verschärft Regeln am Freitag

Corona-Risikogebiet Landkreis Verden: Kreisverwaltung verschärft Regeln am Freitag

Corona-Risikogebiet Landkreis Verden: Kreisverwaltung verschärft Regeln am Freitag
Landkreis Verden jetzt Risikogebiet: 7-Tagesinzidenz liegt bei 66,4

Landkreis Verden jetzt Risikogebiet: 7-Tagesinzidenz liegt bei 66,4

Landkreis Verden jetzt Risikogebiet: 7-Tagesinzidenz liegt bei 66,4
Corona-Risikogebiet Verden: Kehren die Hamsterkäufe zurück?

Corona-Risikogebiet Verden: Kehren die Hamsterkäufe zurück?

Corona-Risikogebiet Verden: Kehren die Hamsterkäufe zurück?

Risikogebiet Verden: Allgemeinverfügung soll soziale Kontakte beschränken

Risikogebiet Verden: Allgemeinverfügung soll soziale Kontakte beschränken

Kommentare