Im April 1945 endeten junge Leben in Eckstever / Vortrag bewegte / Zeitzeuge im Publikum

Todesurteil auf Acker vollstreckt

Joachim Woock, Geschichtsforscher aus Verden, referierte im Ottersberger Rektorhaus über die Erschießung zweier Fahnenflüchtiger in Eckstever in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945.

Ottersberg - (kr) · Zwei junge fahnenflüchtige Soldaten wurden noch in den letzten Kriegstagen 1945 auf einem Acker in Ottersberg-Eckstever von der „Einheit Rickmers“ erschossen. Englische Truppen hatten damals bereits die Grenzen des Landkreises Verden erreicht.

Der 17-jährige Heinz Kehne aus der Nähe von Detmold und der 18-jährige Alfred Schmidt aus Sachsendorf-Grimma bei Leipzig waren von ihrer Truppe versprengt worden. Sie hatten sich in der Hoffnung, weiteren Kriegsgräueln entkommen zu können, Zivilkleidung beschafft. Leider wurden sie vom diensthabenden Offizier eines Verwundetentransports als Soldaten erkannt, gemeldet und von einer Einheit bei Sottrum in Gewahrsam genommen.

▪ Einwohner hatten

▪ drinnen zu bleiben

In Bötersen machte ein improvisiertes Kriegsgericht kurzen Prozess und fällte das Todesurteil, das am 26. April 1945 vollstreckt wurde.

Friedrich Bartels von der Ottersberger Geschichtswerkstatt hatte den Verdener Geschichtsforscher Joachim Woock am Donnerstag zum Vortrag über diese Tragödie ins Ottersberger Rektorhaus Am Brink eingeladen. Bis auf den letzten Platz war der Veranstaltungsraum besetzt.

Unter den Besuchern befand sich auch Landwirt Claus Clausen, ein Zeuge des Geschehens von 1945 und damals gerade acht Jahre alt. Die Delinquenten wurden in der Nacht vor der Hinrichtung in einen Schuppen gesperrt, der heute noch steht.

Clasen erinnerte sich auch noch genau daran, dass die Einwohner Eckstevers vom Militär verdonnert worden waren, zum Zeitpunkt der Erschießung gegen 18 Uhr die Häuser nicht zu verlassen. „Es war eine Gewehrsalve zu hören und wenig später ein einzelner Schuss, was auf einen so genannten Fangschuss schließen ließ“, berichtete Joachim Woock aus seinen Recherchen. Die Toten wurden auf dem Acker vor einem kleinen Eichenwald vergraben.

Die Kunde von der Erschießung gelangte nach Ottersberg. Sozialdemokrat August Siegesmund, der wegen seiner politischen Überzeugung während des Krieges und noch danach vielen Repressalien ausgesetzt war, hörte davon. Er hatte persönlichen Bezug zu Eckstever, weil er eine Parzelle vor dem Dorf bewirtschaftete.

Siegesmund sah es als seine Aufgabe an, die Erschossenen wieder auszugraben und sie auf dem Otterstedter Friedhof ordnungsgemäß zu bestatten. „Ich kann mich erinnern, dass unser Fremdarbeiter Roman Skroch dabei half“, ergänzte Zeitzeuge Claus Clausen.

August Siegesmund war es auch, der die Familien der Toten in Kenntnis setzte. Seitens der Verantwortlichen oder gar der Gemeinde und Kirche erfolgte keine Benachrichtigung. Deserteure galten als Verfemte, denen jede Ehre verweigert wurde.

Während Heinz Kehne später auf Betreiben seiner Familie umgebettet wurde und bei Detmold seine letzte Ruhe fand, blieb Alfred Schmidt in Otterstedt begraben. Ein Stein erinnert an ihn. Allerdings weist die Inschrift ihn als gefallenen Soldaten aus.

Woock belegte die Vorgänge mit Fotos, Briefen und anderen Dokumenten. Betroffenheit blieb im Publikum zurück nach dieser Reise zu einem dunklen Punkt der Ottersberger Geschichte.

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