Bundestagsabgeordneter Mattfeldt zeigt Besuchergruppen das politische Berlin

Tiefe Eindrücke in Stätten der Demokratie und Diktatur

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Der Langwedeler Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt (Mitte) mit heimischen Besuchern vor dem Bundeskanzleramt.

Achim - Von Manfred BrodtACHIM/VERDEN/BERLIN · Vier Besuchergruppen mit 200 Bürgern aus den Landkreisen Verden und Osterholz erleben jährlich auf Einladung des heimischen Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt (CDU) und des Bundespresseamtes das politische Berlin. Insgesamt kommen jährlich 2000 Personen aus Mattfeldts Wahlkreis in Gruppen der Vereine, Schulen oder privat zu ihm nach Berlin. Kaum ein Abgeordneter pflegt diese Kontakte so wie er.

Nun konnte er, der als Bürgermeister vom Langwedeler Rathaus direkt in den Deutschen Bundestag gesprungen war, wieder einer heimischen Besuchergruppe den Bundestag und die Arbeit der Abgeordneten vorführen. Er hatte das nicht den Besucherreferenten überlassen und führte so die Gruppe auch in Stätten des Reichstages, in die Besucher sonst nicht kommen: den Sitzungssaal der Ausschüsse, die manchmal tagelang tagen, aber trotz Öffentlichkeit kaum von Bürgern und Journalisten registriert werden, den Sitzungssaal der CDU-Bundestagsfraktion und neben den obligatorischen Plenarsaal und Kuppel auch den „Keller“. In ihm befindet sich auch das Exponat eines französischen Künstlers mit kleinen Fächern für jeden Abgeordneten seit der Weimarer Republik. Und so erstaunt, dass auch Adolf Hitler hier ein Fach hat, weil er 1933 Abgeordneter des Reichstags war, um ihn dann zu entmachten.

Im Bundeskanzleramt kam die hier stets scharf bewachte Besuchergruppe von vornherein nicht in mehrere Etagen, hatte aber das Glück, dass vor ihren Augen nach einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Fiskalpakt die Partei- oder Fraktionsvorsitzenden Gabriel, Steinmeier, Özdemir, Trittin, Kauder, Brüderle und andere politische Schwergewichte zum Medienpulk vor dem Tor des Bundeskanzleramtes flanierten, um sich interviewen zu lassen.

Interessant, dass sechs Gärtner und Auszubildende für den großen Park des Bundeskanzleramtes zuständig sind, den nur die Bundeskanzlerin bei Hubschrauberflügen benutzt.

Die Besuchergruppe weilte auch in der niedersächsischen, schleswig-holsteinischen Landesvertretung, in der niedersächsische Abgeordnete sich montags bei gutem Essen und Trinken treffen, um Initiativen für das Bundesland zu verabreden.

Nicht nur Stätten der Demokratie, auch die der Diktatur stehen auf dem Programm solcher Bildungsreisen. So ruft das Holocaust-Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus mit seinen mehr als 2700 Stelen bei jedem andere dunkle Assoziationen hervor.

Todesstreifen und

zentraler Stasi-Knast

Eindeutiger sind da schon die Gefühle bei den mit Graffities versehenen Überbleibseln der Berliner Mauer und bei der Todesstreifen-Gedenkstätte mit Mauern, Gräben, Stacheldraht, aufspießendem Stalin-Rasen, Selbstschussanlage und Wachtürmen, die hier mitten in Berlin auch den Zugang zum Friedhof blockierten.

Geradezu beklemmende Gefühle kommen beim Besuch des ehemaligen sowjetischen Speziallagers und zentralen Untersuchungsgefängnisses des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen auf, wo Tausende politisch Verfolgte und Flüchtlinge in menschenunwürdigen Kellerzellen eingepfercht waren, zunächst mit Schlägen und anderen Quälereien, später mit Schlafentzug, ständigem künstlichem Licht statt Tageslicht, Erpressung mit dem drohenden Schicksal von Verwandten, anderem Psychoterror und raffiniertesten, nicht enden wollenden Verhören zu Geständnissen und belastenden Aussagen über weitere Personen getrieben wurden. Vom Lager und Knast führte der Weg zunächst in andere sowjetische Lager unter anderem auch das frühere KZ-Sachsenhausen und in späteren Jahren nach Verurteilung in DDR-Scheinprozessen in andere Gefängnisse.

Tausende Häftlinge ließen hier im Laufe der Jahre auch ihr Leben.

Von dem zentralen Gefängnis der „Staatssicherheit“ mit ihren landesweit 91 000 hauptamtlichen und 189 000 inoffiziellen Mitarbeitern im hermetisch abgeriegelten Berliner Sperrbezirk soll die DDR-Bevölkerung so gut wie nichts gewusst haben, heißt es.

Noch heute berichten ehemalige politische Häftlinge Besuchergruppen vom Terror im Namen des damaligen Ostblock-Sozialismus.

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