Historische Entscheidung nach 300 Jahren Zugehörigkeit / Sondersitzung in der Enklave, Fackelzug und Großer Zapfenstreich

Thedinghausen verlässt den Kreis Braunschweig

Landkreis - Von Manfred BrodtAus 18 kleineren Gemeinden im Raum Thedinghausen entstanden nach deren Vereinbarung im April 1972 fünf größere:

Thedinghausen, Emtinghausen, Morsum, Blender und Riede. Sie alle zogen unter das Dach der neuen Samtgemeinde Thedinghausen.

An der Gebietsreform im Raum Thedinghausen waren die drei Kreise Braunschweig, Verden und Grafschaft Hoya beteiligt.

Historisch war diese Gemeindereform, weil nach fast 300 Jahren die Existenz Thedinghausens als Braunschweiger Enklave endete.

Als 1675 Thedinghausen im Krieg gegen Schweden von Bischof Bernhard von Münster erobert und fünf Jahre besetzt gehalten worden war, fiel es 1679 im Frieden von Celle endgültig an das mit den Münsteranern verbündete Herzogtum Braunschweig. Seitdem gehörte Thedinghausen mit dem heutigen Kernort und 61 Quadratkilometern nahezu 300 Jahre zu Braunschweig, was bis 1972 niemand anzutasten gewagt hatte. Schließlich hatte Braunschweig seine Landeskinder vor den Toren Bremens zuletzt auch recht gut behandelt.

Effektiv war es dennoch nicht, zu einer 180 Kilometer entfernten Regierungs-und Kreisstadt zu gehören. Thedinghausen hatte sich ein Verwaltungswirrwarr geboten:

Das zuständige Amtsgericht mit Grundbuchamt war in Achim, die Bau- und Jagdbehörde saß beim Landkreis Verden, Steuererklärungen nahm das Finanzamt des Kreises Grafschaft Hoya in Syke entgegen, die Bauern der Braunschweiger Enklave waren wiederum Mitglieder des Hoyaer Landvolksverbandes. Der Landkreis Braunschweig schließlich war für die Zulassung von Kraftfahrzeugen, die Realschule, das Thedinghäuser Krankenhaus und so manche andere Verwaltungsangelegenheit zuständig.

Das änderte sich mit Wirkung vom 1. Juli 1972. Am 30. Juni noch hatte sich der Landkreis Braunschweig mit einer Sondersitzung seines Kreistags im Thedinghäuser Braunschweiger Hof von seinen Braunschweigern im Amtsbezirk Thedinghausen verabschiedet. Auch der Kreistag und die Verwaltungsspitze des Kreises Verden waren zu der Sondersitzung eingeladen.

Nach einem Festmarsch unter Beteiligung aller Gemeinden und Vereine des Amtsbezirks wurde dann zur Schützenfest-Zeit im Festzelt auf dem Schützenplatz offiziell Abschied von Braunschweig genommen. Mit einem abschließenden abendlichen Fackelzug und Großen Zapfenstreich unter Mitwirkung der Musikzüge aus Braunschweig und Thedinghausen wurde es dann zum Ende dieser 300-jährigen Ära ganz feierlich.

In der nächsten Folge:

Fischerhude bleibt Fischerhude.

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