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Zwischenbilanz Thedinghauser „Theatersommer vorm Schloss“

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Von: Philipp Köster

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Noch viele Plätze frei: Premiere von „Urmel aus dem Eis“ beim Schloss Erbhof am 13. Juli.
Noch viele Plätze frei: Premiere von „Urmel aus dem Eis“ beim Schloss Erbhof am 13. Juli. © Köster

Thedinghausen – „Nicht deprimiert, etwas enttäuscht.“ So beschreibt Heinz-Hermann Kuhlmann seine Gefühlslage, wenn er sich die Zuschauerbilanz zur Halbzeit des „Theatersommers vorm Schloss“ anschaut. Lediglich zu etwa 50 Prozent ist die Tribüne mit 724 Plätzen bei den Stücken „Sommer, Sand und Sylt“ sowie „Urmel aus dem Eis“ ausgelastet. Kuhlmann, der Geschäftsführer des veranstaltenden Weyher Theaters, hatte mit seinem Team um Intendant Kay Kruppa auf zu 80 Prozent besetzte Reihen gehofft, um im Ansatz wirtschaftlich abschließen zu können.

„Der Aufwand, den wir treiben, wird leider nicht gewürdigt“, stellt Kuhlmann angesichts der blanken Zahlen fest.

Schon bei der Premiere von „Urmel“ am 13. Juli überraschten die lichten, maximal zu einem Sechstel gefüllten Reihen. Dass die Resonanz auf das „Weihnachtsmärchen im Sommer“, das das Weyher Theater noch einmal spielt, weil die Aufführungen 2021 in die Corona-Hochphase fielen, geringer sein würde – damit hatten die Verantwortlichen aber gerechnet. Doch für die musikalische Komödie „Sommer, Sand und Sylt“ würde sich Kuhlmann deutlich mehr Gäste wünschen, zumal die Reaktionen sehr positiv seien: „Alle, die da waren, sind begeistert. Die flippen förmlich aus.“

Der Geschäftsführer, der das heute größte niedersächsische Privattheater vor mehr als 20 Jahren mit aus der Taufe hob, hat mehrere Gründe für den nicht optimalen Zuschauerzuspruch ausgemacht: „Das Geld wird bei den Leuten knapper, und sie haben Angst, sich anzustecken.“ Kuhlmann empfiehlt daher, eine Maske bei der Freiluftveranstaltung zu tragen, falls es die Befürchtung gebe, sich Covid 19 zu holen. „Bei Iron Maiden stehen doch auch 35 000 Menschen dicht an dicht“, verweist Kuhlmann auf das Konzert der Heavy-Metal-Gruppe auf der Bremer Bürgerweide am Mittwoch sowie auf sportliche Großveranstaltungen. „Wir müssen mit dem Virus leben lernen.“ Sonst schwant ihm für Kultur und Kunst Böses. „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten“, zitiert Kuhlmann einen Sinnspruch aus dem Umfeld des Satirikers und Schriftstellers Karl Kraus.

Apropos Freiluftveranstaltung, apropos Sonne: „Manche rufen uns an, und fragen, ob die Aufführungen überdacht sind.“ Sind sie nicht. „Es ist bekannt, worauf man sich bei Open Air einlässt.“ Womit Kuhlmann beim Wetter ist, dem dritten vermuteten Grund: „Dem einen ist es zu heiß, dem anderen zu kalt. Den dritten stört der Regen. Der Deutsche braucht genau 24 Grad Celsius“, sagt Kuhlmann ironisch.

Am vergangenen Mittwoch war es aber wirklich allen zu heiß, da blieb das Urmel in seinem Urzeit-Ei, das mit einem Eisberg angespült wird. Die Kartenkäuferinnen und -käufer seien durch das Theater verständigt worden, dass die Aufführung ausfallen müsse. Diese Entscheidung sei auf Verständnis gestoßen, auch die Gemeinde habe sich lobend geäußert.

Einen Tag später, am Donnerstag, als es Gewitterwarnungen gab, habe die Leitung gewartet und dann doch gespielt – ohne Pause. Und das Wetter habe gehalten.

Auch auf einen plötzlichen Besucheransturm ist das Team des Theaters vorbereitet: „Am vergangenen Sonntag standen die Leute bis weit über die Straße.“ Kuhlmann hat die Hoffnung also noch nicht aufgegeben, dass die verbleibenden Veranstaltungen besser besucht werden. Die Wettervorhersage für dieses Wochenende und die nächsten Tage sind ideal, wenn man die 24 Grad, die der Deutsche liebt, zum Maßstab nimmt.

Von Philipp Köster

Karten

Karten gibt es beim Weyher Theater (04203 / 43 900 oder www.weyhertheater.de), aber auch an der Abendkasse, die immer eine Stunde vor der Aufführung beim Schloss öffnet. „Sommer, Sand und Sylt“ wird bis zum 31. Juli freitags und samstags um 19.30 Uhr sowie sonntags um 15 Uhr gespielt, „Urmel aus dem Eis“ bis zum 28. Juli mittwochs und donnerstags um 16 Uhr.

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