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Zu salzig: Trinkwasserförderung in Gemeinde Blender wohl unwahrscheinlich

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Von: Christian Walter

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Im Sommer hat der Trinkwasserverband mit den Probebohrungen begonnen. Archivfoto: Hans-Hermann Westermann
Im Sommer hat der Trinkwasserverband mit den Probebohrungen begonnen. Archivfoto: Hans-Hermann Westermann © -

Die Probebohrungen des Trinkwasserverbandes Verden (TVV) im Gemeindegebiet Blender waren in der vergangenen Woche Thema im Gemeinderat. TVV-Verbandsvorsteher Harald Hesse und Geschäftsführer Stefan Hamann waren im öffentlichen Teil der Sitzung in Intschede zu Gast und informierten Rat und Bürger über die Hintergründe.

„Wir sind immer wieder in der Bredouille, dass uns gesagt wird: Ihr fördert zu viel Wasser in den Wasserwerken Panzenberg in Verden und Langenberg in Kirchlinteln“, so Verbandsvorsteher Harald Hesse. Der TVV überlege deshalb immer wieder, welche alternativen Möglichkeiten der Förderung es gebe, „um da den Druck etwas aufzunehmen“ und die beiden Werke zu entlasten. Die Gemeinde Blender bezieht ihr Trinkwasser aus dem Werk Langenberg. Eine Möglichkeit sei die Reduktion des Wasserverbrauchs in Privathaushalten und Firmen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bevölkerung im Landkreis und neuer Firmenansiedlungen sei man „gut beraten, dass wir den Verbrauch dämpfen“, betonte der TVV-Vorsteher und ehemalige Samtgemeindebürgermeister.

Die zweite Möglichkeit sei, im Landkreis zu schauen, wo es weitere Wasservorkommen gebe, und das passiere derzeit im sogenannten Vorranggebiet, das sich grob von Bruchhausen-Vilsen bis nach Blender erstrecke, „vorwiegend der Bereich Holtum-Marsch“, so Hesse. Die Bohrungen fänden auf gemeindeeigenen Grundstücken statt und hätten bislang keine Anhaltspunkte dafür geliefert, dass es dort Wasservorkommen mit ausreichender Qualität für Trinkwasser gebe. Ein entsprechendes Zwischenergebnis liege mittlerweile vor, vor allem der Salzgehalt des Wassers sei demnach laut Geschäftsführer Stefan Hamann zu hoch für eine Trinkwasser-Aufbereitung. Es könne aber sein, „dass wir noch eine oder zwei weitere Bohrungen durchführen werden“, so Harald Hesse. Dabei gehe es laut Hamann auch darum, zu prüfen, in welchen Tiefen die Grenze zwischen Süß- und Salzwasser verlaufe.

Im Moment sieht es nicht so aus, dass das Wasser die Qualität hätte, es werden aber noch Analysen durchgeführt.

Harald Hesse, Verbandsvorsteher Trinkwasserverband Verden

Sollte es „wider Erwarten“ dort Trinkwasser geben, dann werde eine jährliche Fördermenge von ein bis eineinhalb Millionen Kubikmetern angestrebt. Damit würde die Versorgung vor Ort erfolgen, also vor allem für Blender und Morsum – das Wasser wäre nicht für eine Lieferung in weiter entfernte Kommunen, etwa Bremen, bestimmt und würde vor allem der Entlastung der anderen Wasserwerke dienen. Aber: „Im Moment sieht es nicht so aus, dass das Wasser die Qualität hätte, es werden aber noch Analysen durchgeführt“, so Hesse.

Ratsherr Dirk von Salzen (CDU) fragte die TVV-Vertreter, wie viel Wasser aus dem Landkreis Verden insgesamt nach Bremen abgeführt werde. Dies seien laut Hesse 8,75 Millionen von insgesamt 17,825 Millionen geförderten Kubikmetern pro Jahr. Davon verblieben nach Abzug von Betriebsverlusten und der Abgabe nach Bremen noch rund sieben Millionen Kubikmeter im Landkreis Verden. Landwirt von Salzen sorge sich zudem um die Zukunft der konventionellen Landwirtschaft mit dem notwendigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngung, sollte es zu einer Trinkwasserförderung im Gemeindegebiet und der damit laut TVV automatisch verbundenen Ausweisung eines Wasserschutzgebietes kommen. Man könne die Landwirte verstehen, antwortete Hesse, eine Wasserschutzzone komme aber auch nur dann, wenn auch Trinkwasser gefördert werde. Das sei mit Blick auf die Wasserqualität aus den Probebohrungen aber eher unwahrscheinlich.

Auch wenn die Qualität es nach derzeitigem Stand nicht hergebe, sei in der Gemeinde Blender für eine Förderung theoretisch genügend Grundwasser vorhanden, beantwortete Geschäftsführer Stefan Hamann die Frage von Mario Hoffmann (CDU) nach einem Defizitbereich, wie es ihn etwa im Raum Dörverden gebe. Zum Zeithorizont, ab wann es zu einer Förderung kommen könnte, nach dem Sarah Baalk (CDU) fragte, machte Stefan Hamann keine Angaben und verwies auf die laufenden Laboranalysen. Generell machte Hamann deutlich, dass sich der TVV dezentraler aufstellen wolle. Ein Wasserwerk in der Gemeinde Blender würde in diesem Zusammenhang nur ein vergleichsweise kleines sein.

Aus der Einwohnerschaft kamen schließlich noch grundsätzliche Anregungen, etwa vor dem Hintergrund immer trockenerer Sommer eine Verrieselung von geklärtem Wasser vor Ort statt einer Einleitung in Flüsse und Meere. Die Bäume sähen schon jetzt nicht gut aus, eine zusätzliche Grundwasserförderung würde diesen Trockenstress nur verschärfen. Hesse verwies diesbezüglich auf die historisch gewachsenen technischen Strukturen der Wasserwerke und Kläranlagen sowie auf rechtliche Vorgaben und Verträge. Eine groß angelegte Umstellung der Wasserversorgung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Das wird eine Weile dauern, bis man praktische Schlüsse gezogen hat. Wir wissen um die Probleme, ganz sicher.“

Von Christian Walter

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