Zeugen der Nazi-Zeit in Gudewill-Aula

Als Rassenkunde begann und sein Idol verschwand

Warnten auch vor Neonazis: Jens Rösemann und Detlef Dahlke von der 1998 gegründeten Bremer „Zeitzeugen“-Gruppe. Lehrerin und Fachbereichsleiterin Daniela Piplat hatte die beiden zum Gedenktag an der Gudewill-Schule eingeladen.
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Warnten auch vor Neonazis: Jens Rösemann und Detlef Dahlke von der 1998 gegründeten Bremer „Zeitzeugen“-Gruppe. Lehrerin und Fachbereichsleiterin Daniela Piplat hatte die beiden zum Gedenktag an der Gudewill-Schule eingeladen.

Thedinghausen - Thedinghausen war eine ziemliche Hochburg der Nazis. Das machte der mittlerweile pensionierte Lehrer Klaus Domröse anhand von Bildern über große Aufmärsche im Ort auch schon vor Hitlers Machtergreifung deutlich. Gestern gab es wieder den von Domröse vor 13 Jahren mit initiierten alljährlichen Schul-Gedenktag an die Schrecken der braunen Diktatur.

Alljährlich berichten dabei Zeitzeugen, die jene zwölf Jahre von 1933 bis 1945 miterlebt haben. Solche direkten Zeugen gibt es naturgemäß immer weniger, doch mit dem 1926 geborenen Detlef Dahlke und dem 1930 geborenen Jens Rösemann waren gestern Vormittag zwei am Podium auf der Aula-Bühne zu Gast.

Daniela Piplat, Fachbereichsleiterin für Geschichtlich-Soziale Weltkunde (GSW) an der Gudewillschule, hatte nicht nur diese Veranstaltung zur Ergänzung des Geschichtsunterrichts für die neunten Klassen vorbereitet. Sie holte die beiden Gäste auch mit dem Auto vom Achimer Bahnhof ab.

Detlef Dahlke bekam damals in Bremen-Gröpelingen den SA-Terror gegen Andersdenkende früh mit, obwohl in diesem Stadtteil die Nazis ziemlich verhasst waren und wenig Anhänger hatten. Dahlke erlebte auch, wie nicht linientreue Lehrer „aussortiert“ wurden und schließlich sogar ein neuer Schulleiter in SA-Uniform unterrichtete. Das Fach Rassenkunde wurde eingeführt, in dem auch Köpfe zu vermessen waren und es um angeblich höher- und minderwertige Menschen ging.

„Wer Adolf Hitler wählt, der wählt den Krieg“, sei aber schon vor Beginn der braunen Ära auf Plakaten in Gröpelingen zu lesen gewesen.

Jens Rösemanns Vater war als Dorfschullehrer zwar in der Partei, doch kaum aktiv, zumal auf dem Lande die große Politik ziemlich weit entfernt wirkte. Der Junge spürte aber bald, „dass etwas nicht stimmte mit den Nazis“.

Ein beliebter Mitschüler etwa, den er wegen dessen Leistungen im Sport und in anderen Fächern wie ein Idol bewunderte, „verschwand“ von heute auf morgen – wohl wegen seiner jüdischen Herkunft.

Später gaben ihm völlig ausgehungerte russische Kriegsgefangene zu denken, die Kohlstrünke aus Aschetonnen fischten und aßen.

Detlef Dahlke zog 1944 mit 17 Jahren noch als Soldat in den Krieg. Er wurde an der „Westfront“ verwundet und zuletzt noch kurz zur Verteidigung der „Festung Bremen“ abgeordnet. Zum Glück war es schnell vorbei mit dem Kämpfen, und die englischen Truppen rückten gar nicht mehr über die Lesum weiter.

Beide Zeitzeugen mahnten aufgrund ihrer Erfahrungen, auch heute wachsam zu sein gegenüber Rechtsradikalen, die gerade unter Schülern Anhänger ködern möchten, mit „interessanten Ferienlagern“ locken und mit Geschichtsverfälschungen arbeiten.

Zusammen mit den Lehrkräften Silvia Rieser, Ina Stössel und Andreas Haulick hatten die Neuntklässler im Unterricht auch Fragen erarbeitet, auf deren Grundlge es im zweiten Teil der Veranstaltung noch zu einem regen Austausch mit den Gästen kam.

la

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