Graben ziemlich radikal gemäht

Bürgerin empört: Muss dieser Kahlschlag sein?

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Isabella Keil steht vor einer verschonten blühenden Stelle und meint: „So schön sah es noch vor einigen Tagen überall aus.“

Wulmstorf - „Muss denn dieser Kahlschlag sein?“, fragt sich Isabella Keil Die Wulmstorferin ist bei einem ihrer Spaziergänge am Mittelgraben und anderen Gräben vorbeigekommen und war entsetzt: Hier sei mit der „Sense“ ganze Arbeit geleistet worden.

Isabella Keil: „Die dicht bewachsenen Gräben mitten in der Blütezeit waren ein Paradies für Getier aller Art, darunter auch seltene Insekten und Amphibien – und nebenbei eine Augenweide. Ich verstehe nicht, warum gerade in einer großen Trockenperiode vom Mittelweserverband solche Arbeiten durchgeführt werden. An anderer Stelle schafft der Mittelweserverband neue Biotope, und hier werden sie auf etlichen Kilometern Länge vernichtet. Die bewachsenen Gräben rund um Wulmstorf waren für mich das schönste Fleckchen Erde weit und breit. Das jetzt stellenweise ein paar Meter Grabenbewuchs stehen geblieben sind, ist nur ein schwacher Trost.“

Die 65-Jährige zählt auf: „Ob Rohrkolben, Blutweiderich, Mädesüß, gelbe Iris, Binsen und viele wichtige und seltene Pflanzen mehr – alles weg. Dabei sind diese Gewächse ein wichtiger Nahrungs-, Brut- und Rückzugsraum für viele Lebewesen – beispielsweise für Fluginsekten wie Schmetterlinge oder Libellen.“

Naturfreundin Isabella Keil: „Mit dieser biologischen Barbarei hätte man doch bis zum Herbst warten können.“

Peter Neumann, Geschäftsführer des Mittelweserverbandes, stellt sich der Kritik: „Wie haben extra, obwohl wir das nicht müssten, die Brut- und Setzzeit, die vom 1. April bis Mitte Juli läuft, so weit wie möglich beachtet. Aber wir sind hier jetzt in der Pflicht. Die Gewässerunterhaltung ist eine öffentlich-rechtliche Aufgabe. Eine gewisse Vorflut muss sichergestellt sein. Die Gräben müssen freigehalten werden, denn sie sind ja letztlich angelegt worden, um einen geordneten Wasserabfluss zu gewährleisten. Dies in Wulmstorf umso mehr, weil hier der Krautanteil in den Gräben besonders hoch war und die Gräben, über die auch die Ortsentwässerung läuft, nur ein sehr geringes Gefälle haben.“

Neumann weiter: „Alle Arbeitspläne haben wir mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden abgestimmt, die keine Einwände hatte. Besonders geschützte Arten, wie zum Beispiel Röhrichtvorkommen, und Stellen, die eine besondere Vielfalt aufweisen, werden bei den Mäharbeiten sowieso ausgespart.“

Neumann verweist auf ein denkbares Szenario: „Was würden die Leute schreien, wenn es ein paar Tage wie aus Eimern schüttet, die Gräben kein Wasser ableiten könnten und im Ort die Gullydeckel hochkommen.“

Und zudem, so Neumann, gebe es auch ganz praktische Gründe für die jetzige Mähaktion. „Wir haben 800 Kilometer Gräben zu betreuen und letztlich freizuhalten. Das können wir nicht an einem Tag schaffen. Viele Gräben werden übrigens nur halbseitig mit halber Sohle gemäht – eben aus Naturschutzgründen. Zumal sind wir bei den Arbeiten vielfach auch auf trockenes Wetter angewiesen, denn über nasse Äcker kommen wir mit unseren Maschinen nicht überall an die Gräben heran.“

Nichtsdestotrotz kann Peter Neumann den Unmut der Wulmstorfer Bürgerin grundsätzlich verstehen und meint: „Ich werde mich mit ihr in Verbindung setzen und ihr unsere Aufgabenstellung erläutern.“

- sp

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