Herkunft unbekannt

Rätsel um „Start und Ziel“: Tausende Krabben auf Wanderschaft

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Inmitten plattgefahrener Artgenossen versuchen hier zwei Wollhandkrabben über die Straße zu gelangen.

Wenn man im Bereich des Deichscharts in Werder auf der Abzweigung in Richtung Klärwerk in Eißel die Augen schließt, dauert es nicht lange, bis man ein kurzes Knacken vernimmt.

Thedinghausen - Dann ist wieder einmal eine der unzähligen Wollhandkrabben, die in diesem Bereich seit über einer Woche die Straße überqueren wollen, von einem Auto überfahren worden. Da es sich hier um eine schädliche und invasive Art handelt, hält sich die Trauer um die bis zu 25 Zentimeter großen Tierchen und deren schnellen Tod bei vielen, die mit der Thematik befasst sind, in Grenzen. Nur offen sagen möchte das niemand, weil ein Aufschrei der Tierschützer befürchtet wird.

Unübersehbar ist, dass mittlerweile wohl eine vierstellige Zahl der plattgefahrenen Wollhandkrabben die Fahrbahn –  auch der Landesstraße und des Fahrradweges – „ziert“. Mittwoch wurde deswegen dort auf der L156 vorübergehend eine Reduzierung auf Tempo 50 eingeführt, am Abzweig zum Klärweg wurde für beide Richtungen ein Warnschild „Verschmutzte Fahrbahn“ aufgestellt – denn zumindest für Zweiradfahrer können die lebenden oder toten „Brocken“ auf der Fahrbahn durchaus eine Gefahr darstellen.

Mehr als 10.000 Krabben unterwegs

Die meisten Krabben kommen jedoch durch. Das dürften mittlerweile weit über 10.000 sein. Wie berichtet wurde die Wollhandkrabbe, zu Beginn des letzten Jahrhunderts aus China eingeschleppt. Sie lebt als erwachsenes Tier im Süßwasser, benötigt zur Entwicklung aber salziges und brackiges Wasser. Wo Hindernisse wie Staustufen den erwachsen werdenden Tieren den Weg versperren, wird ein Umweg über Land gemacht – auch über Hindernisse.

Die Straßenbehörde warnt.

Soviel Grundsätzliches: Die Frage, woher die Tiere in dieser Region speziell kommen und wohin sie dann hier wollen, konnte noch niemand schlüssig beantworten – weder beim Landkreis, noch bei der Gemeinde, dem Mittelweserverband oder dem Fischereiverein.

Denkbar wäre, dass sie aus der Weser kommen. Aber im Abschnitt Thedinghausen gibt es gar keine Staustufe - die nächste in Intschede ist etliche Kilometer entfernt. Außerdem krabbeln die Krabben ins Hinterland, also von der Weser weg. Auch sind am Weserufer nirgendwo Ein- oder Ausstiegsstellen zu entdecken.

Krabben-„Invasoren“ von unbekannter Herkunft

Bliebe noch die Eyter mit ihren Nebengewässern. Hier gibt es das Sperrwerk in Eißel, das als Barriere wahrgenommen werden könnte. Aber warum machen die pelzigen Krabbler dann einen Umweg von rund einem Kilometer bis zum Deichschart? Außerdem gibt es am Schöpfwerk eine Sohlgleite, die von den „Invasoren“, die sogar steile Mauern hinaufklettern können, eigentlich bequem benutzt werden könnte. Also wieder nichts.

Bliebe noch die große Krinke-Kieskuhle in Werder. Seitens der Geschäftsleitung heißt es hierzu: Bei uns ist noch nie eine Wollhandkrabbe gesichtet worden. Weder im Wasser, noch jetzt an Land.

Das große Rätseln über die genauen und ein bisschen geheimnisvollen Wege der Wollhandkrabben geht also weiter. Denn Tatsache ist: Es gibt sie, und zwar aktuell auch in Thedinghausen – und das in großen Massen. Spätestens Anfang November dürfte das Spektakel vorbei sein. Das hat die Natur so eingerichtet.

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