Film aus den 50ern mithilfe alter Technik auf die Leinwand gebracht

Thedinghausen: Wo die Projektoren leise rattern

Die Plätze bei den Filmvorführungen waren begehrt. Thomas Riemer und Gerd Schröder (v.li.) begrüßten die Besucher am Freitagabend mit einleitenden Worten.
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Die Plätze bei den Filmvorführungen waren begehrt. Thomas Riemer und Gerd Schröder (v.li.) begrüßten die Besucher am Freitagabend mit einleitenden Worten.

Thedinghausen – Sie hatte schon etwas sehr Nostalgisches, die Filmvorführung im Renaissance-Saal im Thedinghauser Erbhof. Während vorne auf der großen Leinwand der Film „Ihr Leibregiment“ aus dem Jahre 1955 flimmerte, fühlte sich der Besucher zurückversetzt in das Kinoerlebnis der 50er und 60er Jahre. Im Hintergrund ratterten leise die beiden Projektoren. Die passende Musik kam vom Tonband. Drei Mal war die Vorführung am vergangenen Wochenende quasi ausverkauft. Am Freitag gehörten sogar noch einige Zeitzeugen und Komparsen aus der Drehzeit des Films wie Hilmar Claus (Horstedt) oder Günter Schumacher (Thedinghausen) zu den Kinogästen.

Zurückversetzt fühlte sich auch die Thedinghauserin Renate Beyer, die zwar nicht beim Film dabei war, sich aber gut an die Ära der 50er zurückerinnert, als sie ein junges Mädchen war. „Es ist doch schön, wenn hier in der Region kulturelle Veranstaltungen angeboten werden, die viel vielfältiger sind, als viele meinen“, sagte Beyer voller Vorfreude auf den Film. Gespannt war sie auch auf die Szenen, die auf dem Erbhofgelände gedreht worden waren.

In seiner Begrüßung musste Erbhof-Förderverein-Vorsitzender Gerd Schröder das Publikum dafür aber auf das letzte Filmdrittel vertrösten. Und da kam er dann, der Erbhof als Filmkulisse. So viel hat sich gar nicht verändert, schien es. Das Schlossdach hat heute schwarze Schieferschindeln und im Bereich der jetzigen Hofeinfahrt war im Film noch eine alte Garage zu erkennen. Und sonst: So wie man das historische Bauwerk kennt.

Hoch zu Ross waren die vielen Laiendarsteller aus der Region zu sehen, die dem Streifen ein adeliges Ambiente verliehen. Der Verdener Schleppjagdverein und die Niedersachsenmeute mit entsprechenden Hundekoppeln aus dem Raum Verden-Hoya gehörten dazu. Den kräftigen Regen in einer Filmszene erzeugte damals die Thedinghauser Feuerwehr.

Diese Dreharbeiten wurden von zahlreichen Schaulustigen verfolgt, darunter viele Kinder und Jugendliche. Das weiß Gerd Schröder von vielen Augenzeugenberichten, und immer wieder trifft er Menschen, die von damals erzählen.

Laut Schröder wurde „Ihr Leibregiment“ 1955 nur einem Grund in der Region gedreht: weil es hier genügend Reiter und Pferde für diesen Filmklassiker, bestückt mit Schauspielern wie Gerhard Riedmann, Günter Pfitzmann, Harald Juhnke und Edith Hancke, gab.

Einige der Schauspieler waren damals noch gar nicht so bekannt, wurden aber sehr prominent. Etliche sind inzwischen verstorben, Hauptdarstellerin Ingrid Andree lebt indes noch.

Um diesen Film überhaupt zeigen zu können bedarf es einer alten Technik. Digitalisiert werden darf der Film durch ungeklärte Urheberrechte nicht. Also wurde das romantische Lustspiel mittels einer 35-Millimeter-Filmprojektortechnik von Carl Zeiss Jena von 1950 gezeigt.

Gezeigt werden konnte der alte Streifen nur mit alten Projektoren aus den 50 Jahren.

Gerd Schröder berichtete, wie die Thedinghauser bei ihren Recherchen zum Film schließlich in Rotenburg/Wümme landeten. Dort gibt es ein monatliches Stadtkino – und Thomas Riemer. In Rotenburg ist man im Besitz zweier alter Projektoren, die man auch braucht. Inklusive Ufa-Wochenschau besteht „Ihr Leibregiment“ aus sechs großen Filmrollen. War eine Rolle zu Ende, schaltete Thomas Riemer den zweiten Projektor ein. Der Kinogast merkte es gar nicht. Reibungslos liefen die mobilen Projektoren, die aus dem Bestand der Nationalen Volksarmee (NVA) stammen, die noch bis 1989 in der DDR Filme zu den Leuten brachte.

„Eine Technik, die so robust ist, dass sie auch nach Jahrzehnten reibungslos funktioniert“, sagt Thomas Riemer. Recht hatte er.

Die Projektoren schnurrten wie Katzen. Das Publikum war in den Film versunken – und Gerd Schröder und sein Team vom Erbhof-Förderkreis waren hoch erfreut über drei gelungene Kinoerlebnisse.

Von Heiner Albrecht

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