Ein neuer Müller für Emhusen

Wilfried Peters beendet Ausbildung nach zwei Jahren

Leichtfüßig bewegt sich Wilfried Peters auf den Balken des Galerieholländers in Emtinghausen. Schon als er Kind war, spielten Mühlen in seinem Leben eine Rolle.
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Leichtfüßig bewegt sich Wilfried Peters auf den Balken des Galerieholländers in Emtinghausen. Schon als er Kind war, spielten Mühlen in seinem Leben eine Rolle.

Emtinghausen – Sein Großvater war Müller, er selbst ist nur 100 Meter von einer Mühle entfernt aufgewachsen und die Maschinenbau-Ausbildung hat er bei einem Mühlenbauer gemacht: „Die Anlagen waren da“, sagt Wilfried Peters. Die imposanten Bauwerke ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben des Emtinghausers – ein mittendrin unterbrochener zwar, aber immerhin.

Denn seit Kurzem hat der 63-Jährige seine Ausbildung zum sogenannten freiwilligen Müller beendet. Damit unterstützt er fortan den Dorfverein Emtinghausen-Bahlum, dem der Galerieholländer an der Syker Straße gehört und bei dem Peters bereits seit einigen Jahren Mitglied ist.

Zwei Jahre lang – ohne Corona wären es 13 bis 14 Monate gewesen – hat sich der technische Angestellte die Samstage mit Besuchen verschiedener Ausbildungsmühlen um die Ohren geschlagen, mit Wetterkunde, verschiedenen Getreidesorten und damit, wie er kleine Reparaturen an Windmühlen erledigt und Fehler frühzeitig erkennt. „Das Ziel der Ausbildung ist die sichere Bedienung einer Wind- oder Wassermühle“, erzählt Wilfried Peters. „Wenn ein Gewitter oder ein Sturm aufzieht, muss man rechtzeitig die Bremse ziehen“, verdeutlicht er. Neun Azubis seien sie gewesen und drei Ausbilder, erinnert sich Peters weiter. „Das waren Leute, die das wollten.“ Auch er hatte Spaß an der Sache.

Die Kenntnisse, die sich Wilfried Peters in der Ausbildung bei der Vereinigung zur Erhaltung von Wind- und Wassermühlen in Niedersachsen-Bremen angeeignet hat, sollen sicherstellen, dass der Galerieholländer betriebsbereit und eben erhalten bleibt. „Damit wir genau das machen können, was wir seit Jahren machen: unsere Mühle nutzen“, sagt Peters.

Und wie sie genutzt wird. Wer möchte, kann sich in dem Technikdenkmal trauen lassen, Feste feiern, Schulungen durchführen, Kinofilme schauen, Reisevorträgen und Konzerten lauschen. Dafür steht auch der Anbau zur Verfügung. Außerdem bietet der Dorfverein Führungen durch das 1873 entstandene Bauwerk an. „Vor Corona war das Ganze gut angenommen“, erinnert sich Peters.

Wer sich bis nach ganz oben vorarbeitet, begegnet diesen imposanten Balken und Zahnrädern.

Bei Führungen – und am Pfingstmontag, dem bundesweiten Mühlentag – zeigen er und der Emtinghauser Müllermeister Dierk Ebel den Besuchern, wie Mehl früher entstanden ist. Wie die Windrose die Kappe der Mühle mit ihren prächtigen Flügel in den Wind drehen kann, sich die Königswelle und mehrere große Zahnräder im Mühlen-Inneren in Gang setzen und wo theoretisch dann das Getreide zu Mehl wird. Theoretisch, denn die Mahltechnik funktioniert zwar, aber zum Schutz etwa vor Ungeziefer und wegen heutiger Hygienevorgaben für Lebensmittel mahlen die Emtinghauser nicht wirklich Mehl.

Aber sie könnten es wieder. Zumindest einer der Mahlgänge ist ansteuerbar. Und dass das so ist, dafür hat der Dorfverein Emtinghausen-Bahlum gesorgt.

Vor Ort erzählt Peters, dass Dietrich Hustedt die Mühle 1930 bis 1960 betrieben habe, bevor er einen Handel mit elektrischen Mühlen an anderer Stelle aufbaute.

Technik läuft jetzt wieder „schmerzfrei“

Der spätere Käufer habe den Galerieholländer entkernt, weil er ihn anders nutzte. Als er 1993 starb, verkam das Bauwerk, das 1960 zum letzten Mal renoviert worden war. „Danach hat sich keiner mehr gekümmert“, so Peters. Bis sich der Dorfverein 2005 gründete.

Zunächst stand die von außen sichtbare Veränderung der Emtinghauser Windmühle an. Die Renovierung habe rund 400 000 Euro verschlungen, gibt Peters an. Dann habe Dierk Ebel, Sohn von Müller Hustedt, einen Galerieholländer in Bensen (Affinghausen) aufgetrieben. Außen war er verfallen, die Mahltechnik aber war noch gut. Und so zog diese – für 90 000 Euro – nach Emtinghausen um. Im Jahr 2010, pünktlich zur 750-Jahrfeier der Gemeinde, war der Galerieholländer fertig für seine heutige Bestimmung. Und seit diesem Jahr läuft die Mahltechnik Wilfried Peters zufolge dank einer Überholung und der richtigen Einstellung auch „schmerzfrei“. Quasi zum passenden Zeitpunkt für den frisch gebackenen Müller.

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