Gewässerschützer des Fischereivereins mit positiver Eyter-Bilanz / Besatzmaßnahmen

Wieder Heimat für Bitterling und Steinbeißer

So ruhig und idyllisch präsentiert sich die Eyter nur von oben betrachtet. Angler und Gewässerschützer vom Fischereiverein Thedinghausen blicken regelmäßig unter die Wasseroberfläche und sehen dabei einen Lebensraum im Wandel mit viel Potenzial.
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So ruhig und idyllisch präsentiert sich die Eyter nur von oben betrachtet. Angler und Gewässerschützer vom Fischereiverein Thedinghausen blicken regelmäßig unter die Wasseroberfläche und sehen dabei einen Lebensraum im Wandel mit viel Potenzial.

Thedinghausen – Ein ökologisch ausgewogenes und stabiles System mit einer Vielfalt heimischer Wasserlebewesen und sauberen Uferzonen ist den Mitgliedern vom Fischereiverein (FV) Thedinghausen ein besonderes Anliegen – denn ein guter Zustand der Gewässer bildet die Voraussetzung für Erholung und Freude beim Angeln.

Um dieses Ziel zu erreichen, verbringen die Gewässerschützer vom FV Thedinghausen viel Zeit am Wasser, ohne zu angeln: Sie planen und realisieren Fischbesatz, kontrollieren die Wasserqualität sowie den Fischbestand. Sie säubern Gewässer und Uferstreifen, basteln Bruthilfen für Fische und seltene Vögel und bringen diese an geeigneten Stellen am und im Wasser aus. Sie schaffen Schutzzonen innerhalb ihrer Pachtstrecken, damit sich der natürliche Fischbestand ungestört entwickeln kann und sie initiieren darüber hinaus Renaturierungsmaßnahmen.

Als Kontroll- und Referenzmechanismen dienen vor allem Fanglisten und Beobachtungen der Vereinsmitglieder. Einen wichtigen, zusätzlichen Blick unter die Wasseroberfläche ermöglicht aber vor allem ein regelmäßiges Monitoring durch das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Zur Bestandskontrolle und Bewertung der Fischfauna führen eigens beauftragte Fachunternehmen im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie alle drei Jahre sogenannte Elektrofischen durch.

Bei dieser Fischfang-Methode wird mithilfe eines Elektrofanggerätes ein Gleichstrom oder Impulsstrom durch das Wasser geleitet. Bei sachgemäßer Anwendung schwimmen die Fische zur Anode, wo sie kurzzeitig betäubt und eingesammelt werden können. Es ermöglicht den Fachleuten, Fischbestände schnell und schonend zu erfassen.

In unserer Region geschah das zuletzt im vergangenen September. Die Ergebnisse liegen jetzt vor und liefern wichtige Informationen über den Gewässerzustand.

Frühere Auswertungen haben zum Beispiel gezeigt, dass sich Bitterlinge in der Eyter wohlfühlen müssten und wurden daraufhin besetzt. Diese Fischart ist fischereilich überhaupt nicht interessant, deutet aber als Indikator auf eine gute Wasserqualität. Die nur wenige Zentimeter kleinen, karpfenartigen Fische leben in Symbiose mit Teichmuscheln. Mit einer langen Legeröhre platziert das Weibchen die Eier in die geöffnete Muschel, wo sie, befruchtet durch das Männchen, geschützt heranreifen. „Wir sind nun sehr gespannt, wie sich die Population in der Eyter entwickelt“, erklärt Dr. Joachim Heine, zweiter Vorsitzender im Fischereiverein.

Das Elektrofischen im Herbst habe zudem offengelegt, dass Steinbeißer (eine Schmerlenart) im Oberlauf der Eyter massenhaft vorkommen und Hechte sich in unerwarteter Größenordnung eigenständig im Eyter-System reproduzieren. Zur Freude der Naturschützer besiedeln auch Neunaugen den Eyter-Lauf seit Kurzem wieder.

Für Ernüchterung hingegen sorgt die geringe Anzahl aufgespürter Aale. „Der Besatz zeigt hier nicht den erhofften Erfolg“, bedauert Heine. „Die Aale fühlen sich in der Eyter offenbar nicht so wohl.“

Wenig Anlass zur Freude bereiten neue invasive Arten, die jetzt ebenfalls gefunden wurden. Neben der bereits bekannten Wollhandkrabbe aus China wurden nun amerikanische Kamberkrebse sowie südostasiatische Körbchenmuscheln nachgewiesen, die nicht in unsere Gewässer hineingehören.

Positiv sei jedoch, dass „Einwanderer“ wie die Schwarzmund- oder Marmorgrundeln aus der Schwarzmeer-Region die Eyter noch nicht bevölkern. Ganz im Gegensatz zu Weser und Aller, wo sie sich bereits seit mehreren Jahren massenhaft ausbreiten. „Die Fischfauna hat sich über die Jahre deutlich verändert“, beobachtet Joachim Heine. „Hier wird auch der Klimawandel deutlich, der eine Erhöhung der durchschnittlichen Wassertemperatur um ein bis zwei Grad Celsius bewirkt hat.“ Die Folge: Inzwischen fühlen sich Welse auch in der Eyter zu Hause, und Karpfen pflanzen sich in einigen Thedinghauser Kuhlen neuerdings natürlich fort.

Für den Erhalt einer intakten Fauna setzt der Fischereiverein ein Drittel der Besatzaufwendungen für bedrohte Arten ein. Neben Aal auch für Kleinfischarten wie Gründling, Bitterling oder Karausche, die in den kleinen Verlandungsgewässern (wie dem Sandacker in Morsum) zum klassischen Fischartenspektrum zählen und sich dort prächtig entwickeln. Insgesamt blicken die Gewässerschützer auf eine sehr erfolgreiche Arbeit. „Die Renaturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre waren ein wichtiger Schritt zu einer ursprünglichen Gewässerstruktur“, bilanziert Joachim Heine, „das zeigt die beachtliche Artenvielfalt.“

Von Ingo Schmidt

Zahlreiche kleinere und größere Biotope säumen die Eyter – wie hier im Bereich Emtinghausen. Auch sie haben Anteil daran, dass sich viele Fischarten in dem kleinen Weser-Zufluss wieder wohlfühlen.
Der Bitterling fühlt sich in der Eyter wieder wohl.
Steinbeißer kommen im Oberlauf massenhaft vor.
Die Karausche entwickelt sich prächtig.
Hechte reproduzieren sich eigenständig in der Eyter.

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