Kreisfrauenrat in Thedinghausen

Zu wenig Hebammen und zu viel Schwangerschafts-Ängste

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Vor Beginn der Sitzung drinnen im Erbhof-Renaissance-Saal machte Gästeführerin Margret Reinecke die Besucherinnen vom Kreisfrauenrat beim Rundgang mit dem historischen Gebäude, dem Ambiente und der Geschichte vertraut.

Thedinghausen - Eklatanter Mangel an Hebammen und damit verbunden unzureichende Vorbereitung von schwangeren Frauen auf die Geburt. Darüber hinaus auch mangelnde Nachsorge zur Kräftigung: Mit dieser aktuellen dramatischen Lage befasste sich schwerpunktmäßig der Kreisfrauenrat auf seiner Sitzung im Erbhof-Saal in Thedinghausen.

Es waren zur Freude der Frauenrats-Vorsitzenden Karin Labinsky-Meyer aus Oyten sehr viele Hebammen aus allen Teilen des Landkreises und auch aus Bremer Kliniken zu dem Treffen gekommen. Außerdem begrüßte sie Vertreter der Eltern-Organisation „Motherhood“.

Eher Angst vor der Geburt als frohe Erwartung eines solchen Ereignisses herrsche heutzutage vor, wurde beklagt. Das liegt laut Labinsky-Meyer daran, dass Schwangerschaft in gynäkologischen Abteilungen und vor allem auch in sozialen Medien häufig mehr als Krankheit und nicht als natürlicher Prozess betrachtet werde.

Natürliche Geburten seien heute außer in Ottersberg fast nirgendwo im Landkreis Verden mehr möglich. Eine Hebamme aus Thedinghausen, die selber Mutter von sechs Kindern ist, regte daher an, in dieser Samtgemeinde wieder ein Geburtshaus zu eröffnen.

Als Referentinnen berichteten Anke Siebert, FamilienHebamme für Ottersberg und Oyten, Sabine Krauss-Lembcke aus der Hebammenpraxis Verden und Veronika Bujny, Vorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen, in Thedinghausen zum kritischen Stand der Dinge.

Ausbildung nur in Osnabrück

Die Hebammen-Ausbildung werde sträflich vernachlässigt, beklagten sie. In Niedersachsen gebe es nur die Ausbildungsstätte Osnabrück, wo nur rund 15 Hebammen jährlich den Beruf erlernen. Und etwa ein Viertel aller jetzt noch tätigen niedersächsischen Hebammen gehen bis 2020 in den Ruhestand. Land und Gemeinden stünden in der Pflicht, endlich etwas gegen die Unterversorgung zu tun, wurde gefordert.

Es müsse zudem mehr in wissenschaftliche Geburtshilfe-Forschung investiert und sehr viel Aufklärung über natürliche Wege geleistet werden. 90 Prozent der Schwangeren wünschten sich heute die Geburt in der Klinik. Kreißsäle seien jedoch oft überbelegt, so dass wehenhemmende Mittel verstärkt zum Einsatz kommen. Wenn die Frauen dann nach wenigen Tagen wieder entlassen würden, fehle oft eine Fachkraft zur Nachsorge. Es soll sich nun eine Untergruppe des Kreisfrauenrates dem weiteren Vorgehen zur Hebammen-Problematik widmen.

Enttäuscht zeigten sich die Versammelten über den gesunkenen Frauenanteil in Land- und Bundestag nach den jüngsten Wahlen. Auch um Fraueninteressen betreffende „Wahlprüfsteine“ für Politiker ging es noch.

Die Thedinghauser Gleichstellungsbeauftragte Bianca Lankenau und Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse hatten die Begrüßung des Kreisfrauenrats übernommen. Karin Labinsky-Meyer wies dann zu Beginn der Sitzung auf das besondere Datum 9. November eingegangen. 1938 stand dieser Tag im Zeichen der Reichspogromnacht der Nazis.

Auch in Achim und Verden wurden jüdische Geschäfte sowie Synagogen verwüstet, und der Hass entlud sich auch gegen jüdische Mitbürger. Zum Gedenken an jene Ereignisse vor 79 Jahren verlas die Kreisfrauenratsvorsitzende das Gedicht „Damit kein Licht uns liebe“ von Rose Ausländer. 

la

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