Projekttage zu Sucht und Suchtprävention an der Gudewill-Schule

„Weiterleben oder goldener Schuss“

Wolfgang Sosnowski zeigt als Toximan, in welche kriminellen Abgründe ihn die Drogensucht vor drei Jahrzehnten führte. Foto: Köster

Thedinghausen - Von Philipp Köster. Wolfgang Sosnowski hatte vor rund drei Jahrzehnten gleich zwei Schutzengel. Denn der Franke überlebte damals einen Verkehrsunfall, den er aus medizinischer Sicht eigentlich nicht hätte überleben können. „Der BMW meines Freundes Gandhi war auf die Größe eines Fiat Punto geschrumpft“, erzählt der einzige Überlebende von vier am Unfall Beteiligten den Jugendlichen der Gudewill-Oberschule Thedinghausen. Freund Gandhi selbst hatte kein Gesicht mehr. „Es war besser, dass er starb, das sagte auch seine Mutter.“

Wolfgang Sosnowski berichtet den Schülern von diesem Ereignis aus seiner eigenen Jugendzeit, weil der Fahrer und Unfallverursacher und er selbst komplett „zu“ waren. Drogen hatten dazu geführt, dass er sich damals ins Auto gesetzt hat. Am Steuer sein Freund, wie er selbst Dealer und Konsument. Doch dieser folgenschwere Unfall, der ein junges Ehepaar ebenfalls das Leben kostete, er war noch nicht das Signal für Sosnowski aufzuhören. Das kam erst später.

Heute ist der in Winterthur in der Schweiz lebende Sosnowski clean, seit 28 Jahren. Er reist für den Verein „SuGe“ (das steht für Sucht- und Gewaltprävention) durch die Lande und spielt das Theaterstück Toximan. Ein Drama über die Biografie eines von vielen Substanzen abhängigen Jugendlichen. Es ist seine Geschichte.

„Mit 16 Jahren habe ich LSD genommen“, berichtet er den Schülern nach dem Stück in der Fragestunde. Er hörte Stimmen, hatte Verfolgungswahn. Es folgten alle möglichen Substanzen: Cannabis, Kokain und Heroin. Den harten Stoff besorgte ihm Gandhi.

Sosnowski spielt als Toximan, was bei einem Trip passiert. „Ich fühlte mich wie eine Wolke in Watte gehüllt. Ich wollte nur noch das.“

Die Schüler lachen zuweilen, auch, als der Krankenpfleger, Gärtner und Therapeut mit weißem Puder eine Kokain-Session in Amsterdam spielt – für dessen Genuss sich sein anderer Freund Detlef auf dem Homosexuellen-Strich prostituieren muss. Doch die jungen Leute schweigen auch ergriffen, als Sosnowski den tödlichen Unfall seines Freundes Gandhi und seinen eigenen finalen Absturz darstellt, der ihn in die Psychiatrie führt. „Damals gab es nur zwei Möglichkeiten: weiterleben oder mir den goldenen Schuss zu setzen.“

Er entschied sich für das Leben. Und dafür, Jugendliche zu warnen. Doch Sosnowski ist nicht so naiv, zu glauben, die jungen Leute würden nicht mit Drogen in Kontakt kommen. Er warnt zwar auch prinzipiell vor dem Konsum und spricht von Alkohol als dem schlimmsten Zeug. Aber realistischerweise betrachtet, gibt er dem Publikum auf den Weg, Berauschte nicht Auto fahren zu lassen. Wenn sie es nicht verhindern können, soll den Fahrer wenigstens keiner begleiten. Und er warnt vor gestrecktem Stoff. Er weiß von sogenannten High Legals, Kräutermischungen und Partypillen, die die Konsumenten ebenso in Psychosen versetzen können wie mit Rattengift, Pferdemist und selbst Batteriesäure versetztes Cannabis.

Sosnowskis autobiografisches Theaterstück ist nichts für Zartbesaitete. Die Derbheit der Sprache passt zur existenziellen Bedrohung, die vom Drogenkonsum ausgeht. Die Gefahren dieser Suchtmittel können nicht drastisch genug beschrieben oder gespielt werden. Vielleicht wird er auf diese Weise zu einem Schutzengel für Thedinghauser Schüler.

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