Rieder Rat erteilt Nachfolge-Bauprojekt für Gasthaus Scholvin-Ortmann sein Einvernehmen

Wehmütig einstimmig

Das Gasthaus Scholvin-Ortmann weicht nach erteilter Baugenehmigung fünf Mehrparteienhäusern. Die Nachfrage sei schon jetzt riesig, hieß es.
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Das Gasthaus Scholvin-Ortmann weicht nach erteilter Baugenehmigung fünf Mehrparteienhäusern. Die Nachfrage sei schon jetzt riesig, hieß es.

Riede – Die Gaststätte Scholvin-Ortmann ist Geschichte, die Familie hat das Grundstück verkauft, auf dem Areal sollen nach dem Abriss des Lokals und der Nebengebäude Mehrparteienhäuser entstehen – so weit, so berichtet.

Nun ging es am Donnerstagabend um das Einvernehmen der Gemeinde mit dem Bauvorhaben gemäß Paragraf 36 des Baugesetzbuches. Ein solches Einvernehmen ist bei kleineren Projekten ein Verwaltungsakt im Rathaus, zumal ohnehin der Landkreis Genehmigungsbehörde ist. Angesichts der Bedeutung des Areals im Ortskern wollte sich Gemeindedirektor Harald Hesse aber das Okay des Rates holen und legte einen entsprechenden Beschlussvorschlag vor.

Ende Oktober hatten Vertreter der Verwaltung und einige Ratsmitglieder, „die Zeit hatten“ (Hesse), mit der Investorin und Bauherrin für den neuen „Wohnpark Riede“, der Firma EuS-Bau aus Morsum gesprochen und Wünsche vorgebracht. Diese Wünsche stießen in allen Fällen auf Wohlwollen, so der Bericht der am Gespräch Beteiligten in der Ratssitzung.

Von den ursprünglich sechs geplanten Mehrparteienhäusern sind im jüngsten Entwurf von Anfang November noch fünf übrig geblieben. Zudem soll zur Landesstraße Raum für Geschäfte und Praxen geschaffen werden. Eine Tiefgarage neben oberirdischem Parkraum bietet vielen Fahrzeugen Platz. Und die Höhe der Gebäude soll – angelehnt an die im Bau befindliche Seniorenresidenz – gestaffelt werden. Vor allem zum Randermannsweg hin sind die Häuser nun etwas niedriger vorgesehen.

Bürgermeister Jürgen Winkelmann sprach sich dafür aus, „Zugriff“ auf eine Fläche in der Geschäftszeile zur Landesstraße hin zu bekommen, und zwar als ein Ort für Feiern, Beerdigungen oder auch Sitzungen, vielleicht mit Gastronomie, zum Beispiel in Form eines Cafés, eines Restaurants oder dergleichen.

Ebenso wie Winkelmann waren auch die anderen Ratsleute grundsätzlich zufrieden mit dem Entwurf. Andreas Weber-Sordon (Grüne) war erfreut über die geplante regionaltypische Backstein-Optik der Fassade anstelle einer „exotischen Bauweise“.

Harald Lochte (SPD) sprach dank der Ladenzeile mit angedachter Physiotherapie von einer Reihe von möglichen Impulsen für das Dorf. Die Tiefgarage sei ein Meilenstein für eine bessere Parksituation im Innenbereich, sodass oberirdisch auf etwa 1 000 Quadratmetern auch das notwendige Grün für den „Park“ im „Wohnpark Riede“ angelegt werden könne. Und die meist älteren Bewohner könnten „ihre Bierkästen gleich mit dem Fahrstuhl in die Wohnung schaffen“.

War der Rat zwar gewillt, sein Einvernehmen mit dem Bauvorhaben zu erteilen, was er am Ende auch einstimmig tat, so verhehlten einige doch nicht ihr Bedauern, dass die Traditionsgaststätte unwiderruflich verschwindet. Lochte: „Es tut mit leid, dass es Scholvin-Ortmann nicht mehr gibt. Ich hatte gehofft, wir würden mit der Seniorenresidenz neue Impulse schaffen.“

Dass das Altenheim unmittelbar nebenan nach Auskünften der Gastwirtsfamilie vom Frühjahr eher ein Impuls zum Aufhören war, war hingegen Anja Clausjohannes (CDU) bewusst: Sie sei „entsetzt“. Mit der Zustimmung zur Seniorenresidenz habe der Rat eine „Billardkugel“ angestoßen, „und jetzt sind wir nicht mehr Herr der Situation“. Das Dorfbild werde gravierend verändert. Trotzdem müsse sie dafür stimmen, auch wenn die Aufgabe Scholvins eine „Verkettung unglücklicher Umstände“ gewesen sei.

Ähnlich hin- und hergerissen Parteikollege Joachim Otten: Er wisse nicht, wie er damit umgehen solle. Mit dem Verkauf des Anwesens sei nicht zu rechnen gewesen. „Wir wurden vor vollendete Tatsache gestellt.“ Hinsichtlich des Wohnprojekts seien Gewerbe und die Tiefgarage wichtige Wünsche gewesen.

Bürgermeister Winkelmann betonte, der Investor sei „groß unterwegs“, er gehe davon aus, dass die Wünsche berücksichtigt würden. Er warnte davor, das Einvernehmen nicht zu erteilen, der Investor sei darauf nicht angewiesen. Eine Ablehnung durch den Rat würde allenfalls eine Verschiebung bedeuten.

Lochte entgegnete den Christdemokraten, wenn in Nachbarschaft zu Scholvin-Ortmann nicht die Seniorenresidenz entstünde, dann ein „ganzer Stadtteil“.

Sebastian Eggers (CDU) berichtete von einem aktuellen Gespräch vom Tage mit der Familie: Scholvin hätte auch ohne Corona aufgehört. „Das Areal darf nicht verwahrlosen. Wir müssen das Beste draus machen.“ Die Bauten dürften aber nicht „Klein-Tenever“ gleichen. Winkelmann hielt diesen Vergleich für unangebracht. Und wenn die Familie ohnehin aufgehört hätte, „können sie mir ja nicht mehr die Schuld dafür geben“, konnte er sich eine Spitze nicht verkneifen.

Dieter Huster (SPD) mahnte abschließend, nicht auf stur zu stellen, der Investor würde alle baurechtlichen „Hebel in Bewegung setzen und uns dann nicht mehr fragen“.

Von Philipp Köster

Die Frontansicht zur Landesstraße: Auf Wunsch der Gemeinde sollen im Erdgeschoss Flächen für Geschäfte, Praxen und Gastronomie entstehen. Grafiken: Ingenieurbüro Thalmann / 

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