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Von Stadtmöbeln und Pop-up-Stores

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Von: Philipp Köster

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Kurzfristige Maßnahmen sollen das bestehende Zentrum entlang der Braunschweiger und Syker Straße aufpäppeln.
Kurzfristige Maßnahmen sollen das bestehende Zentrum entlang der Braunschweiger und Syker Straße aufpäppelnKöster © Köster

Thedinghausen – Gibt es in nicht naher Zukunft ein neues Zentrum in Thedinghausen? Was passiert mit der jetzigen Geschäftsstraße? Wie mehrfach berichtet, stellen Politik und Verwaltung Überlegungen zur Ortskernentwicklung an. Mittel- bis langfristig könnte demnach auf der großen Freifläche westlich der Syker Straße eine Art Marktplatz entstehen. „Eine vitale Mitte wie in Kirchweyhe.

Ich habe mir das da mal angesehen“, sagte Klaus Mensing am Dienstagabend bei einer Infoveranstaltung für Politik und Presse zum Thema Ortskernentwicklung im Renaissancesaal. Der Hamburger Mensing ist als Planer Experte für Innenstadtgestaltung. In Verden hat er sehr erfolgreich die dortige Probierstadt etabliert, wodurch es zur Minimierung von Leerständen im Einzelhandel gekommen ist.

Nur wenige Teilnehmende aus der Kommunalpolitik waren der Einladung von Wirtschaftsförderin Christiane Riewe gefolgt, um sich auf den neuesten Stand bringen zu lassen und über konkrete kurzfristige Maßnahmen zu beraten. Weil es Fristen einzuhalten gibt, betreffen diese rasch auf den Weg zu bringenden Maßnahmen den bestehenden Ortskern entlang der Braunschweiger und Syker Straße sowie im Umfeld.

Gleichwohl ging es bei der Problemstellung zu Anfang auch um das Verhältnis von Bestand zu möglichem neuen Zentrum. Mensing warnte: „Wenn alle rübergehen, kriegen wir hier ein Problem.“ Für eine solche Verlagerung sprach sich aber Ralph Landwehr (CDU) aus, der nicht viel davon hält, die Braunschweiger und Syker Straße zu entwickeln, in Anbetracht der Tatsache, dass es in etwa zehn Jahren keine Nachfolger mehr für die jetzigen Geschäfte geben würde.

Nicht viel los im Renaissancesaal für solch ein bedeutendes Thema.
Nicht viel los im Renaissancesaal für solch ein bedeutendes Thema. © Köster

Heinz von Hollen (fraktionslos) sprach sich aber für Unterstützung des Bestands aus. Eile sei geboten.

Ähnlich Samtgemeindebürgermeister Anke Fahrenholz: Sie habe auch zunächst gedacht, es werde zu einer Verlagerung kommen. Doch ein Workshop im Herbst mit den Geschäftsleuten „hat mich zurückgeholt. Das können wir nicht machen. Es sind ja Geschäftsleute da“. Jetzt gehe es darum die Mitte zu stärken, irgendwann werde es dann womöglich eine Einheit (mit dem neuen Gebiet) geben.

Wirtschaftsförderin Riewe gab diesbezüglich zu bedenken, dass ein erst mal verloren gegangener Einzelhandel nicht mehr wieder angesiedelt werden könnte. Auch Mensing warb dafür, „beide Gebiete zusammenzudenken“. Nun gehe es darum, zu überlegen, was mit dem Bestand gemacht werde.

Und dafür drängt die Zeit. Bis Ende März dieses Jahres muss eine erste Antragsphase bei der landeseigenen NBank als Fördermittelgeber von EU-Mitteln aus dem Programm „Perspektive Innenstadt“ eingegangen sein. Immerhin 345 000 Euro kann die Samtgemeinde (nicht die Gemeinde) Thedinghausen abrufen, vielleicht sogar noch mehr.

Riewe stellte der kleinen Schar Zuhörenden einige mögliche kurzfristige Maßnahmen und Verbesserungen vor, die den Bereich Kultur, Freizeit und Tourismus betreffen. So sollen für rund 6 200 Euro vier bis sechs Leihfahrräder angeschafft werden, eines davon mit Mitnahmemöglichkeit für gehandicapte Menschen; ferner ein E-Bike-Ladestellen-Schrank (21 600 Euro). Auch an Stadtmöbel mit Blumenkübeln denkt die Wirtschaftsförderin (15  000 Euro). Ihr Vorschlag, die auf dem Busplatz aufzustellen, stieß aber auf wenig Gegenliebe. „Dort gibt es zu viele Autos und da mag man sich nicht aufhalten“, sagte Christiane Siemer (Grüne Liste). Sie forderte vor allem mehr Grün. Thomas Metz (CDU) brachte ins Spiel, diese geschwungenen Holzstühle lieber bei den bestehenden Spuren (Löwenspur und dergleichen) und wie etwa in Bremen bewegliche Pflanzkübel aufzustellen.

Weitere Maßnahmen: ein Waldsofa (2 300 Euro), eine Herz-Bank für Vermählte und Verliebte (3 650 Euro) sowie – in Zusammenarbeit mit der Mittelweser-Touristik – zwei digitale Infotafeln beim Rathaus und beim Erbhof (20 700 Euro). Gäste sollen dort Infos über Einzelhandel, Gastronomie und Sehenswürdigkeiten bekommen. Eine „Future-History-App“ (Zukunft-Geschichte-Anwendung) für 750 Euro soll Touristen sowie Schülerinnen und Schülern Wissenswertes über die Thedinghauser Vergangenheit vermitteln.

Dieses Paket muss jetzt recht rasch auf den Weg gebracht werden. Ein Beschluss ist dafür nicht notwendig. In einem zweiten Verfahrensschritt könnte es dann an das Thema Leerstände beziehungsweise abgängige Immobilien gehen. Die Rückmeldung aus dem Einzelhandel dazu war laut Christiane Riewe bisher recht mau. Um nicht zu sagen: Es gab keine. Immerhin steht sie mit dem Vorsitzenden der Selbstständigengemeinschaft (GdS), Wolfgang Golasowski, im Austausch, der rund 40 000 Euro für die GdS haben und zum Beispiel für neue Buden und einen Heißwasserspüler für Nikolausmarkt und ein Winterdorf sowie Marketingmaßnahmen einsetzen möchte. 12 500 Euro sind für einen Heimatgutschein veranschlagt, der in jedem Geschäft einzulösen ist.

29 000 Euro wäre die Fördersumme für Pop-Up-Stores und Gründerläden, also potenzielle Einzelhändler, die sich mit ihrer Geschäftsidee zunächst einmal versuchen wollen, (siehe Probierstadt Verden).

Für diese zweite Antragsphase hat Riewe etwas Luft. Sie hofft noch auf Rückmeldung aus der Geschäftswelt und auf das Wirken von Golasowski, der die GdS mehr den Bürgern öffnen wolle. Allerdings wollte Heinz von Hollen nicht so viel darauf geben. Ein langjähriges Vorstandsmitglied habe ihm verraten: „Die GdS ist tot.“

40 000 Euro von der Fördersumme für einen neuen Rathausfassadenanstrich auszugeben, befanden die Teilnehmenden nicht für richtig. „Das kommt schlecht an bei mir“, sagte etwa Ralph Landwehr.

Und Christiane Siemer betonte: „Das müssen wir selbst bezahlen können.“ Von Hollen brachte vor, lieber beim Haus auf der Wurth etwas zu machen.

Für die beiden ersten Antragsphasen sind nun 172 000 Euro eingepreist, rechnete die Wirtschaftsförderin vor. Bis Ende 2023 muss das Geld für die Maßnahmen im Bestand ausgegeben sein. Für die Entwicklung eines möglichen neuen Zentrums südlich des Bahnhofs und westlich der Syker Straße stehen 10 bis 20 Jahre im Raum.

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