Thedinghauser Bauausschuss sieht sich Alten Kirchweg zwischen Dibbersen und Eißel an

„Viele kleine Probleme“

Bauamtsleiter Frank Bielefeld zeigt Anwohnern und Ausschussmitgliedern, wo am Weg das Gemeindeeigentum verläuft.
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Bauamtsleiter Frank Bielefeld zeigt Anwohnern und Ausschussmitgliedern, wo am Weg das Gemeindeeigentum verläuft.

Thedinghausen – Die Sonne steht tief am Himmel, herrliche Wesermarsch-Landschaft so weit das Auge reicht. In der Luft liegt der süßlich-warme Duft des unweigerlich endenden Sommers. Schön hier am alten Kirchweg zwischen Dibbersen und Eißel! Doch der Ortstermin des Thedinghauser Bauausschusses ist kein Romantikertreff, das wird schnell klar.

Etliche Anwohner sind gekommen, die meisten wünschen sich eine Reaktivierung der alten Trasse, die die Dörfer auf direktem Weg zwischen Kreis- und Landesstraße verbindet, oder besser: mal verbunden hat. Denn so wie sie sich heute präsentiert, ist sie als Wegetrasse nicht mehr nutzbar.

In das eigentlich romantische Ambiente rauschen auch schnell emotional vorgetragene Einwürfe einiger Bürger. Etwa, ob die rosafarbenen Pflöcke, die die Gemeinde hat setzen lassen, um die Eigentumsverhältnisse zu dokumentieren, richtig gesetzt sind. Oder ob Bauamtsleiter Frank Bielefeld überhaupt seinen Zollstock korrekt bedient, um zu zeigen, dass der Weg teilweise so schmal ist, dass das Gemeindeeigentum stellenweise nur 1,2 Meter breit ist – zu schmal, um den Weg vom Bauhof unterhalten zu lassen und haftungsrechtlich abgesichert zu sein. Der Dorfverein Dibbersen will sich aber um die Pflege des Weges kümmern, wird vorgeschlagen, sodass der Bauhof nicht anrücken müsste. Die Ausweisung als Privatweg könnte zudem die Gemeinde von der Haftung befreien, so ein Anwohner.

Auch über einige Hindernisse gibt es unterschiedliche Ansichten, so über die Jahre recht stattlich gewachsene Hecken, durch die der Weg laut Bielefeld zum Teil verläuft – und die auch nicht so einfach weggeschnitten werden dürfen. Ein Bürger mahnt, die Naturidylle mit ihren Tieren nicht zu stören,

Und dann ist da noch ein Graben, an dem entlang der alte Kirchweg mal nördlich und mal südlich verläuft und im Schnittpunkt laut Bielefeld nicht gequert werden kann. „Kann er doch!“, ruft ein Anwohner.

Der springende Punkt sind für die Verwaltung gemäß Mitteilungsvorlage die Eigentumsverhältnisse. Flächenerwerb müsste her, um den Weg südlich des Grabens verlaufen zu lassen. Doch bisher sind entsprechende Gespräche mit den Eigentümern zumeist ablehnend ausgefallen. Eine Anbindung an die Stichstraßen „Zur Holzmarsch“ ist wegen der Eigentumsverhältnisse auch nicht möglich, heißt es im Schreiben des Rathauses.

Dibbersen könnte alternativ und „nahezu fahrradfreundlich“ an Thedinghausen über den Botterdamm angebunden werden, zudem stünden für 2021/2022 die Arbeiten am neuen Deichverteidigungsweg in der Nähe der Kreissstraße mit Radwegebau an, „wodurch aber selbstverständlich nicht allen Bedürfnissen entsprochen wird“, wie die Verwaltung einräumt.

Später in der Ausschusssitzung im Renaissancesaal des Schlosses bringt Frank Bielefeld die „vielen kleine Probleme“ noch einmal auf den Punkt, die verwaltungsseitig und technisch gegen die Reaktivierung sprechen.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Kirchweg“, entgegnet Dieter Mensen von den Grünen. Mit den Eigentümern könne man noch mal sprechen, und es gebe in der Samtgemeinde etliche schmale Wege. Auch sei ja nicht an einen Fahrradweg gedacht. „Wir sollten die Planung weiter verfolgen.“

Heinz von Hollen (fraktionslos) hat grundsätzliche Bedenken angesichts der Voraussetzungen vor Ort: „Ich bin erschrocken, dass es so ist, wie es ist.“ Es fehle das Einvernehmen mit den Eigentümern, die Natur sei lieber zu schützen; selbst ein fußläufiger Weg sei dort angesichts des Grabens nicht zu verwirklichen.

Daniel Strassner (UBL) will seine Zustimmung zu einer Reaktivierung nur geben, wenn die Gemeinde das Land erwerben könne, denn im jetzige Zustand sei der Weg nicht machbar. Grundsätzlich sei das Vorhaben aber „schön“. Schließlich seien Radwege an Landesstraßen teuer. Für den Grunderwerb sprechen sich auch Petra Roselius (SPD) und Wolfgang Kaib (FDP) aus.

Bürgermeister Thomas Metz (CDU) beklagt, dass schon seit geraumer Zeit über das Projekt gesprochen werde. Es müsse endgültig geklärt werden, ob eine Einigung mit den Eigentümern möglich ist. So auch von Hollen: „Wenn es nicht klappt, muss es runter von der Tagesordnung.“

Ausschussvorsitzender Arno Thalmann (CDU) formuliert einen entsprechenden Prüfauftrag für die Verwaltung, dem alle Mitglieder zustimmen.

Von Philipp Köster

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