Strafkammer bewertet Brandstiftung als Mord

Urteil verschärft: Lebenslänglich für Haupttäter

In diesem Haus in Riede starben nach einer Brandstiftung im November 2015 zwei Menschen. Der Haupttäter der als Mord bewerteten Tat wurde gestern zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Die Ruine ist mittlerweile abgerissen worden.

Riede/Verden – Knapp vier Jahre nach der Tat und nach elfmonatiger Verhandlung ist gestern Nachmittag am Landgericht Verden das Urteil in dem Verdener Landgerichtsprozess um einen Brand mit zwei Toten in Riede gefallen. Anders als in einem ersten Prozess gelangte die nun zuständige 8. Große Strafkammer bei der Neuverhandlung nach erfolgreicher Revision der Staatsanwaltschaft zu der Überzeugung, dass es Mord und Betrug war. Der 47 Jahre alte Angeklagte ist zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der Angeklagte hatte das Haus gekauft, umgebaut, war selbst eingezogen und hatte eine Wohnung im Obergeschoss vermietet. Weil er Probleme mit der Finanzierung hatte, konnte er den Kaufpreis nicht zahlen. Um die Gebäudeversicherung abzukassieren, setzte er seinen heute 25 Jahre alten Halbbruder unter Druck und veranlasste ihn zu der Brandstiftung, die in der Nacht zum ersten Advent 2015 ausgeführt wurde. Der 47-Jährige hatte einen Krankenhausaufenthalt als Alibi.

Verteidiger Adam Zurawel versuchte alles, um die Tat als Komplott gegen seinen Mandanten darzustellen. Doch der Angeklagte wurde von dem geständigen Halbbruder stark belastet. „Wir sehen dessen Aussagen als glaubwürdig an“, sagte der Vorsitzende Richter Lars Engelke über den 25-Jährigen.

So hatten es auch die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger gesehen und das erste, im Oktober 2016 verkündete Urteil erfolgreich beim Bundesgerichtshof angefochten. Jedoch nur den 47-Jährigen betreffend. Dieser war zu zwölfeinhalb Jahren Haft unter anderem wegen Brandstiftung mit Todesfolge verurteilt worden. Der 47-Jährige selbst war mit seinem Revisionantrag gescheitert.

Die im neu aufgerollten Prozess zuständige Kammer sah nach elfmonatiger Verhandlung die Mordmerkmale Habgier und das Ermöglichen einer anderen Straftat, den Betrug, als gegeben an. „Der Angeklagte wollte nicht, dass Menschen sterben, aber er hat es billigend in Kauf genommen“, hieß es in der fast 90-minütigen Urteilsbegründung. „Er wusste, dass die 56 Jahre alte Mieterin dort wohnt“, so der Vorsitzende. Mit Besuch, in diesem Fall ihres ebenfalls getöteten 61 Jahre alten Partners, habe er als Vermieter rechnen müssen.

Staatsanwalt Joachim Beneke und die Anwälte der fünf Nebenkläger, vier Kinder der Opfer und die 79 Jahre alte Mutter der getöteten Frau, hatten alle eine lebenslängliche Freiheitsstrafe beantragt. Der Verteidiger hatte gestern Morgen am Ende eines langen Plädoyers einen Freispruch gefordert. Auf Nachfrage sagte er im Anschluss an die Urteilsverkündung: „Wir halten das Urteil für höchst ungerecht und gehen natürlich in die Revision.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

50 Jahre Harpstedt und Loué - ein Freundschaftsspiel

50 Jahre Harpstedt und Loué - ein Freundschaftsspiel

Mit dem Google Pixel 4 mehr Sterne sehen als mit dem Auge

Mit dem Google Pixel 4 mehr Sterne sehen als mit dem Auge

Gaunerzinken: Mit diesen Geheimcodes verständigen sich Einbrecher

Gaunerzinken: Mit diesen Geheimcodes verständigen sich Einbrecher

Kurdenmilizen setzen Abzug aus Nordsyrien fort

Kurdenmilizen setzen Abzug aus Nordsyrien fort

Meistgelesene Artikel

Andreas Pofahl eröffnet einen kleinen Bäckerladen in Achims Bahnhof

Andreas Pofahl eröffnet einen kleinen Bäckerladen in Achims Bahnhof

Unfall bei Kirchlinteln: Autofahrer stirbt nach Kollision mit Baum

Unfall bei Kirchlinteln: Autofahrer stirbt nach Kollision mit Baum

Wurst darf jetzt in die Tupperdose

Wurst darf jetzt in die Tupperdose

Sanierung des Ententeichs

Sanierung des Ententeichs

Kommentare