Seit 1. Juni beangelbar

Angler Ingo Schmidt beklagt gesetzliche Vorgaben zum Töten von Raubfischen

Ein Prachtexemplar von Zander holte der Thedinghauser Petrijünger Ingo Schmidt aus der Weser. Ausgerechnet ein Tierschutzgesetz zwingt den passionierten Angler, seinen Fang zu töten.

Thedinghausen – Die Raubfischsaison in den umliegenden Gewässern der Fischereivereine und der Weser hat begonnen: Hecht, Zander, Barsch und Co. haben ihr Laichgeschäft beendet und dürfen ab dem 1. Juni wieder gezielt beangelt werden. Einen Auftakt nach Maß landete Ingo Schmidt vom Fischereiverein Thedinghausen mit einem Zander von 94 Zentimetern Länge und einem Gewicht von 7 225 Gramm.

Der Bolide war nur einer von vier Stachelrittern, die der Petrijünger oberhalb der Uesener Brücke an der Angel hatte. Die Sache hatte allerdings einen Haken. „Gerne hätte ich dieses großartige Exemplar wieder in die Weser zurückgesetzt“, erklärt der ambitionierte Zanderangler, „aber das deutsche Tierschutzgesetz verlangt, jeden gefangenen Fisch zu töten, der das Größenmindestmaß erfüllt.“ Und weiter: „Diese Regelung ist großer Mist, denn ich verspüre gar keinen Drang, solch große Fische zu töten. Außerdem sind große Schuppenträger effektive Laichfische, die tausende Nachkommen ins Wasser entlassen können und daher für die Reproduktion besonders wichtig sind. Für mich greift das deutsche Tierschutzgesetz hier zu weit und erscheint absurd, weil zu kleine Fische auch schonend zurückgesetzt werden müssen.“

Zum Hintergrund: Zander ab 50 Zentimetern Länge müssen laut Gesetzeslage im Moment nach dem Angelerfolg getötet werden, und zwar durch einen Schlag auf den Kopf und anschließenden gezielten Stich mit einem Messer ins Herz. Vereinfacht ausgedrückt geht das Tierschutzgesetz davon aus, dass man nicht nur zum Spaß angeln solle, sondern, wenn man schon diesem Hobby frönt, den Fang auch einer sinnvollen Verwertung (Essen) zuführt. Ingo Schmidt verweist auf weitere Kuriositäten der vermeintlichen Tierschutzvorschriften: „Wenn mir beim Zanderangeln ein Hecht an den Haken geht, muss ich den töten, wenn er das Mindestmaß von 60 Zentimetern erfüllt, obwohl ich an dem Fisch gar nicht interessiert bin. Ist das Exemplar dagegen nur 59 Zentimeter lang, muss ich ihn zurücksetzen. Das macht doch keinen Sinn.“

Ingo Schmidt: „Ich habe mich notgedrungen dazu entschieden, gesetzestreu zu handeln. Eigentlich sollte man ein solches Tier einfach mal zurück in die Freiheit entlassen, aber es könnte ja einer sehen und dann droht eine Anzeige.“

Der gefangene Zander wird jetzt jedenfalls lecker zubereitet.

Werner Bammann, Vorsitzender des Fischereivereins Thedinghausen, bestätigt den Sachverhalt: „Alle maßigen Fische müssen so behandelt werden. Ich halte die Regelung auch für unglücklich.“

Im Fach-Internetauftritt „Fangplatz“ heißt es dazu: „Wer einen schönen Speisefisch angeln möchte, dabei aber einen kapitalen Brocken an die Angel bekommt, ihn vorsichtig landet, schonend versorgt, wiegt, schnell (!!!) ein Erinnerungsfoto schießt und ihn dann wieder schonend in sein Element zurücksetzt, weil er das dicke Ding nicht verwerten kann, kann einer Anzeige gelassen entgegen sehen. Er holt sich die richtige Rechtsberatung, die die richtigen Argumente zur Verteidigung anbringt und der Fall wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eingestellt.“ sp

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