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Thedinghauserin wäre beinahe unseriösem Energieanbieter auf den Leim gegangen

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Von: Philipp Köster

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Die Verbraucherzentrale warnt vor Telefonaten mit unseriösen Stromanbietern, die den Leuten mit großem Verhandlungsgeschick Verträge aufschwatzen wollen. Symbol
Die Verbraucherzentrale warnt vor Telefonaten mit unseriösen Stromanbietern, die den Leuten mit großem Verhandlungsgeschick Verträge aufschwatzen wollen. © pv

Thedinghausen – „Leg’ auf! Leg’ auf!“ Dramatische Szenen spielen sich im Haus von Sabine Cordes’ Mutter in Thedinghausen ab. Der Lebensgefährte der 81-jährigen Dame fordert sie auf, ein Telefonat zu beenden. Und Sabine Cordes kann über Handy ihre Mutter gerade noch davon abhalten, etwas zu tun, was sie womöglich teuer zu stehen kommt, nämlich per SMS einen Vertragsabschluss mit einem Energieanbieter abzuschließen.

Die Thedinghauserin, die nicht namentlich genannt werden möchte, und ihre in Achim wohnende Tochter haben trotzdem ein mulmiges Gefühl. Schließlich hat das Gegenüber, das im Namen der Firma „Vox Energie“ angerufen hatte, sowohl die Nummer und den Stand des Stromzählers als auch die Handynummer herausbekommen. Die Daten hatte die Dame herausgerückt. Mit diesen Informationen und einer Bestätigung per SMS könnte ihr alter Vertrag gekündigt werden.

„Meine Mutter hat Bluthochdruck“, sagt Sabine Cordes. Die Tochter war bei diesem Vorfall in großer Sorge wegen der Aufregung. Aber sie hat auch gleich mehrere Hebel in Gang gesetzt, um einem möglichen ungewollten Vertragsabschluss einen Riegel vorzuschieben. Zunächst hat sie bei dem jetzigen Versorger angerufen, der Eon. Dort sei ihre Mutter langjährige Kundin. Eine Kündigung war mit Stand Donnerstagnachmittag noch nicht eingegangen. Auch wenn es wegen des Telefonats mit „Vox Energie“ zu einer Kündigung kommen sollte, gebe es Möglichkeiten, das Vertragsverhältnis wieder in Kraft zu setzen, so der Tenor der Auskunft beim Energiedienstleister Eon.

Dann hat Sabine Cordes der Verbraucherzentrale Niedersachsen den Fall geschildert. Die Firma und ihre offensive Taktik an Vertragsabschlüsse zu kommen, seien dort bekannt. Auch andere Firmen gingen so vor, hat Sabine Cordes als Auskunft von der Verbraucherzentrale erfahren. Den Rufnummernmissbrauch (zum Zweck der Telefonwerbung, d. Red.) solle sie direkt der Bundesnetzagentur melden. Diese könne dann gegebenenfalls weitere Schritte gegen die anrufende Firma einleiten.

Die Achimerin ist entsetzt, wie gleichermaßen gut geschult und penetrant der Mitarbeiter von „Vox Energie“ am anderen Ende der Leitung ihrer Mutter die Daten entlocken konnte. „Der hat richtig Druck aufgebaut.“ Und er wollte so lange das Gespräch aufrechterhalten, bis er eine Bestätigungs-SMS bekommen hätte. Doch da konnte Sabine Cordes noch rechtzeitig eingreifen.

Wie gesagt, der Verbraucherzentrale sind diese Fälle bekannt. Ganz frisch ist eine Pressemitteilung, in der es um den Münchner Energieanbieter Mivolta geht. Die Masche ist wie im skizzierten Fall identisch: Ohne vorherige Zustimmung wird eine Verbraucherin zu Werbezwecken angerufen und erhält danach eine Vertragsbestätigung – gegen ihren Willen. Diese Vorgehensweise ist unrechtmäßig. Bereits 2019 hatte die Verbraucherzentrale Mivolta im Zusammenhang mit einem unerlaubten Werbeanruf erfolgreich abgemahnt.

Die Befürchtung von Sabine Cordes, dass im Rahmen des Telefonats ihrer Mutter mit „Vox Energie“ ein rechtssicherer Vertrag zustande gekommen sein könnte, kann die Verbraucherzentrale auf Nachfrage auch ausräumen: Seit Juli 2021 sind Abschlüsse von Energielieferverträgen ausschließlich am Telefon unzulässig. Es bedarf der Textform, und die SMS hat die Mutter ja nicht abgeschickt.

„Obwohl kein Vertrag zustande gekommen ist, sollten Betroffene sofort tätig werden und den Vertragsschluss schriftlich bestreiten“, rät Tiana Schönbohm, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, die auf der Internetseite der Organisation zitiert wird. Es sei ebenfalls sinnvoll, den Vertrag vorsorglich zu widerrufen. Dafür haben Verbraucherinnen und Verbraucher 14 Tage Zeit. Und wer wissen möchte, welche personenbezogenen Daten dem Anbieter vorliegen, könne eine Auskunft von ihm verlangen. Der Anbieter müsse dann nachweisen, woher die Daten stammen und ob eine Einwilligung zur Datennutzung vorlag.

Außerdem hätten Betroffene die Möglichkeit, dem Anbieter die weitere Datennutzung zu untersagen. Hierfür hat die Verbraucherzentrale kostenlose Musterbriefe erstellt, die auf deren Internetseite verfügbar sind.

Kontakt Verbraucherzentrale Niedersachsen

Wer nach solchen Anrufen unberechtigte Rechnungen erhält, kann über das Servicetelefon der Verbraucherzentrale Niedersachsen unter 0511/9119 60 oder der Internetseite www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de einen Termin in einer Beratungsstelle vereinbaren. Es gibt auch eine telefonische Kurzberatung. Die Mitarbeitenden sind montags, dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr und freitags von 10 bis 14 Uhr unter 0511/9119696 zu erreichen.

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