1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Thedinghausen

Thedinghauser Wolfgang Kaib ist Vorsitzender aller Bürgerbusvereine Niedersachsens

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Philipp Köster

Kommentare

Bei Bert dem Bürgerbus der Samtgemeinde fahren rund 300 Gäste monatlich mit.
Bei Bert dem Bürgerbus der Samtgemeinde fahren rund 300 Gäste monatlich mit. © Verein

Thedinghausen – Er gilt in der Samtgemeinde als eine Art Mr. ÖPNV: Wolfgang Kaib ist der Experte, wenn es um den Öffentlichen Personennahverkehr geht, um Verbindungen in die Mitgliedskommunen, Nachtlinien, aber auch die mögliche Reaktivierung der Gleise der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn für die Beförderung von Menschen. Nicht zu vergessen: Kaib ist Vorsitzender des Bürgerbusvereins.

Und damit nicht genug. Vor Himmelfahrt hat der Thedinghauser auch noch den Vorsitz von „Pro Bürgerbus“ übernommen, dem Zusammenschluss fast aller 64 Bürgerbusvereine in Niedersachsen.

Als Dachorganisation bietet Pro Bürgerbus künftigen Bürgerbusvereinen und Kommunen Rat und Expertise in allen Fragen, die sich um die Gründung eines Bürgerbusvereins und dessen Betrieb ranken. Denn auch wenn es in Niedersachsen, im Gebiet des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN) sowie im Landkreis Verden schon etliche Vereine gibt, so doch auch noch viele weiße Flecken, auch und gerade in Gegenden, in denen der normale ÖPNV nicht gut ausgebaut oder so gut wie nicht existent ist, wie es Stefan Bendrien, Vorgänger von Wolfgang Kaib, formuliert.

Bendrien hat den Posten nach 14 Jahren aufgegeben. Zeitgleich war er fünf und sechs Jahre in den Bürgerbusvorständen von Wildeshausen und Ganderkesee aktiv. Hauptamtlich ist er beim Fördermittelgeber Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) beschäftigt und kümmert sich dort vor allem um – erraten – die Bürgerbusvereine.

Den ersten Schritt gehen die Leute vor Ort und fragen die Bürgerbusexpertinnen und -experten: „Wie würde das funktionieren?“ Bendrien, Kaib & Co. schauen dann in den Kommunen, welche ÖPNV-Linie es gibt und ob ein Bürgerbus überhaupt Chancen hätte. Dann gibt es eine Bürgerversammlung.

Wolfgang Kaib (4.v.l.) aus Thedinghausen führt seit Kurzem den Vorstand der niedersächsischen Dachorganisation „Pro Bürgerbus“ an. Er hat den Posten von Stefan Bendrien (l.) übernommen.
Wolfgang Kaib (4.v.l.) aus Thedinghausen führt seit Kurzem den Vorstand der niedersächsischen Dachorganisation „Pro Bürgerbus“ an. Er hat den Posten von Stefan Bendrien (l.) übernommen. © Köster

Das etwa 100 000 Euro teure Fahrzeug werde zu etwa 80 Prozent vom ZVBN gefördert.

Die Antwort, ob der Linienverkehr sinnvoll ist, kann unter Umständen auch negativ ausfallen. „Ein Bürgerbus fährt auch nicht von Ostfriesland bis nach Wilhelmshaven“, erinnert sich Stefan Bendrien an einen besonders exotischen Reisewunsch. „Das hat seine Grenzen“, ergänzt Wolfgang Kaib. Schon kleinere Änderungen im Fahrplan oder Fahrten in das Gebiet anderer Bürgerbusse seien oft nicht zu verwirklichen. Als Beispiel nennt Kaib Haltepunkte von Bert dem Thedinghauser Bürgerbus in Syke-Okel oder Weyhe-Dreye. Zu weit weg und dauert zu lange, zumal wenn man auch nur einen Bus hat.

Ein Verein muss nämlich laut Bendrien auch über genügend ehrenamtliche Männer und Frauen verfügen, die die Haltestellen mindestens im Zwei-Stunden-Rhythmus anfahren: „Nur zwei Mal am Tag geht nicht.“

Außer in der Samtgemeinde Thedinghausen und in Achim gibt es im Landkreis noch Vereine in Oyten, Ottersberg und Kirchlinteln. Die Gründung in Langwedel hat Corona verhindert. Die Bestrebungen müssten dort erst wieder anlaufen.

Wie in den bestehenden Gebieten die Fahrgastzahlen erst wieder steigen müssen. 2019 stiegen im VBN-Land 200 bis 3 000 Menschen monatlich zu. Seit Corona hat sich die Zahl halbiert. In der Samtgemeinde fahren jetzt 300 Leute mit. Während der Pandemie und der Lockdownphasen habe Kaib nahezu wöchentlich Anrufe bekommen: „Wann fahrt ihr wieder?“ Stefan Bendrien gibt zu bedenken: Der Bürgerbus diene vielen Älteren als wichtige Kontaktmöglichkeit zur Umwelt. „Es gibt Leute, die fahren einfach so eine Runde mit uns. Wir sind ein wahres soziales Netzwerk.“

Von Philipp Köster

Auch interessant

Kommentare