Anja Pientka und Ivonne Alwin-Hübsch organisieren über Achimer Tafel hinausgehendes Angebot

Lebensmittel für größere Bedürftigen-Zielgruppe in Thedinghausen

Ivonne Alwin-Hübsch (l.) und Anja Pientka von „Essen für alle - Landkreis Verden“
+
Rund 300 Bedürftige kommen bereits zur Lebensmittelausgabe von Ivonne Alwin-Hübsch (l.) und Anja Pientka.

Samtgemeinde – Dass es in unserer Wohlstandsgesellschaft viele bedürftige Menschen gibt, ist keine neue Erkenntnis. Überall im Land nutzen Bürgerinnen und Bürger die Tafeln, um für einen geringen Beitrag im Handel aussortierte Lebensmittel und andere Waren zu bekommen, weil sie mit ihren finanziellen Möglichkeiten nicht hinkommen. Dazu brauchen sie aber einen Nachweis der Bedürftigkeit.

Wie berichtet, sind bei der Thedinghauser Ausgabestelle der Achimer Tafel – noch in Lunsen, ab dem 7. Oktober im Haus auf der Wurth – etwa 25 solcher Nachweise ausgegeben worden. Auch wenn hinter einem Berechtigungszertifikat nicht selten ganze Familien stehen, ist doch das Spektrum der Bedürftigkeit in Wahrheit größer. Das meinen zumindest Anja Pientka und Ivonne Alwin-Hübsch. Die Emtinghauserin und die Thedinghauserin organisieren seit rund einem Jahr eine Ausgabe für Lebensmittel, aber auch Waschmittel und andere Drogerieartikel für Menschen, die den beiden nicht nachweisen oder erklären müssen, warum sie die Produkte in Anspruch nehmen wollen.

Ihre Zielgruppe sind Bürgerinnen und Bürger, die etwa zwei Jobs haben, und trotzdem Entlastung beim Lebensmittelkauf benötigen. Oder: Im Fall einer plötzlichen Pflegebedürftigkeit des Mannes muss die Gattin ihre Arbeit kündigen, um für den Partner da zu sein – mit negativen Auswirkungen auf die finanziellen Mittel. Oder: Eine Großfamilie mit nur einem Verdiener ist drei Euro über der Berechtigungsgrenze.

„Die Leute müssen nicht mit uns reden, wir hören aber zu, wenn sie es wollen“, so Pientka und Alwin-Hübsch. „Niemand muss sich vor uns nackig machen, die Leute können anonym bleiben“, sagt Alwin-Hübsch und spricht damit die Scham vieler Menschen an, zu einer Tafel zu gehen.

Vereinsgründung

Nach einem Jahr der Arbeit „im Verborgenen“ wollen Anja Pientka und Ivonne Alwin-Hübsch „raus aus der Grauzone“ und nun den Verein „Essen für alle – Landkreis Verden“ (EFA) gründen. Die Unterlagen dafür liegen beim Finanzamt. Aus Mitgliedsbeiträgen und der Gebühr pro Einkauf sollen die Fixkosten gedeckt werden. Heute startet die Aktion „Deutschland rettet Lebensmittel“. Weitere Informationen dazu im Internet unter www.zehn-niedersachsen.de/aktionswoche.

300 Kundinnen und Kunden nähmen das Angebot inzwischen wahr. Und das geht so: Über eine Whatsapp-Gruppe postet das Duo Lebensmittel und andere Produkte mit Foto, die es zuvor bei seinen Kooperationspartnern abgeholt hat. Für drei bis vier Euro pro Einkauf können die Waren abgeholt werden. Neben der Versorgung bedürftiger Menschen in der Samtgemeinde und darüber hinaus geht es den beiden auch grundsätzlich um die Rettung von Lebensmitteln. So verteilen sie ebenso an Menschen, die Produkte abholen, obgleich sie es sich leisten könnten, diese im Handel zu erwerben, die aber ein Zeichen gegen die Überproduktion setzen und gegen die Verschwendung in der Wegwerfgesellschaft protestieren wollen. „Es ist sogar denkbar, dass einer mit seinem Porsche vorfährt und etwas abholt“, sagt Anja Pientka.

„Versorgt“ werden die Frauen, die auf die Hilfe von bis zu 30 ebenfalls ehrenamtlich tätigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern zählen können, von Lebensmittelgeschäften, Discountern, aber auch Landwirten. Manche unterstützen auch, manche ausschließlich die Tafel, manche nur das Duo Pientka/Alwin-Hübsch. Zur Achimer Tafel wollen die beiden übrigens ausdrücklich nicht in Konkurrenz treten.

• Wer das Angebot nutzen möchte, nimmt Kontakt unter 0179/46 47 533 auf. Die beiden Frauen würden sich auch freuen, wenn ihnen jemand einen dauerhaften Lagerraum zur Verfügung stellen könnte.

Die Lebensmittel-Retterinnen von EFA im Podcast

Ivonne Alwin-Hübsch und Anja Pientka vom Verein „Essen für alle – Landkreis Verden“ (EFA) sind auch zu Gast bei „Kreis und Quer“, dem Podcast der Mediengruppe Kreiszeitung. Dabei sprechen die beiden unter anderem darüber, was sie zur Gründung des Vereins bewegt hat: die Momente, in denen sie selbst auf Unterstützung angewiesen waren. Die neue Folge „Kreis und Quer“ gibt es ab sofort überall dort, wo es Podcasts gibt und direkt hier unter diesem Artikel.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Dampftag im Kreismuseum

Dampftag im Kreismuseum

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Meistgelesene Artikel

Corona im Kreis Verden: Ab Donnerstag drohen Verschärfungen

Corona im Kreis Verden: Ab Donnerstag drohen Verschärfungen

Corona im Kreis Verden: Ab Donnerstag drohen Verschärfungen
Stau vor Zebrastreifen

Stau vor Zebrastreifen

Stau vor Zebrastreifen
Mit der kostenlosen Frisur kehrt die Würde zurück: Barber Angels erstmals in Verden

Mit der kostenlosen Frisur kehrt die Würde zurück: Barber Angels erstmals in Verden

Mit der kostenlosen Frisur kehrt die Würde zurück: Barber Angels erstmals in Verden
Professor aus den USA untersucht besonderes  Platt

Professor aus den USA untersucht besonderes Platt

Professor aus den USA untersucht besonderes Platt

Kommentare