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Thedinghauser Rat für Aufforstung östlich des Baumparks

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Von: Philipp Köster

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Diese landwirtschaftliche Fläche in Holtorf soll ab Herbst in einen Wald umgewandelt werden.
Diese landwirtschaftliche Fläche in Holtorf soll ab Herbst in einen Wald umgewandelt werden. © Köster

Thedinghausen – Nicht ganz so lange wie es dauert, bis Bäume groß und kräftig werden, aber fast so lang hat der Thedinghauser Gemeinderat am Dienstagabend in Döhlings Gasthaus in Morsum über das Thema Erstaufforstungsplanung auf einem Areal östlich des Baumparks debattiert – mit einem am Ende, gemessen am Verlauf der vorherigen Diskussion, überraschend abrupten Abstimmungsergebnis.

Darum geht es: Die Gemeinde hat im November 2020 eine rund acht Hektar große landwirtschaftliche Fläche auf Holtorfer Grund gekauft, die in einen Wald umgewandelt werden soll. Die Bezirksförsterei Kirchlinteln hat nun dazu eine Aufforstungsplanung entwickelt. Diese stellte Revierförsterin Christine Brückner dem Gremium und den rund 15 Zuhörenden vor.

Grob zusammengefasst soll es zwei Flächen im Norden und Süden geben. Der nördliche Teil soll mit Stileichen (60 Prozent) sowie Edellaubbäumen (Hainbuche, Winterlinde, Vogelkirsche, Schwarznuss, Esskastanie und Flatterulme) bepflanzt werden. Der südliche, teilweise von Staunässe betroffene Teil, untergliedert sich in zwei Bereiche mit vorwiegend Rotbuchen (50 Prozent, Rest Edellaubbäume) beziehungsweise wieder Stileichen (85 Prozent).

Die Flächen sollen der Försterin zufolge parzellenartig eingezäunt werden, um die jungen Bäume vor Verbiss zu schützen. Am Rand gibt es zudem Kraut- und Strauchzonen, sodass tatsächlich auf 4,2 Hektar des Areals Wald wachsen wird. Die Gesamtkosten der Aufforstung belaufen sich auf rund 138 000 Euro. Laut Beschlussvorschlag der Verwaltung soll das Geld dafür aus Mitteln der Gemeinde kommen, auf eine Förderung durch das Land – immerhin zu 100 Prozent – soll verzichtet werden.

Der Gemeinderat hieß die Aufforstungsplanungen gut. Diskutiert wurde aber über den Charakter dieses Areals. Verwaltungsmitarbeiterin Perdita Fricke hatte berichtet, dass die Verwaltung intern beschlossen hatte, das Aufforstungsland als Ausgleichsflächenpool zu definieren. Und zwar als Ausgleich für Baulandversiegelung. Denn der Baumpark darf dafür nicht mehr verwendet werden. Genauso wie der Samtgemeinde Wald fehlt, mangelt es auch an Ausgleichsflächen.

Solch ein Rechenstück wollte vor allem die Grüne Liste nicht mitmachen. „Als wir die Fläche gekauft haben, war nicht von einer Ausgleichsfläche die Rede“, sagte Dieter Mensen. Er sei dem früheren Gemeindedirektor (Harald Hesse, d. Red.) deswegen noch böse, den er für die Idee der Ausweisung als Ausgleichsfläche verantwortlich machte. Kritik gab es eingangs auch schon von Doris Kaufhold vom Nabu für Hesses Vorgehen, der sich in einem Gespräch vor einem Jahr selbst für seine Leistungen als Samtgemeindebürgermeister beweihräuchert habe. Bei einer Ausgleichsflächenpoollösung komme für die Natur unterm Strich kein Gewinn heraus, kritisierten Kaufhold, später auch Mensen, der von einem „Nullsummenspiel“ sprach. Die Verwaltung dürfe auch nicht einfach diese Ausgleichsflächenregelung intern beschließen, das sei Sache des Rates. „Wir sind der Souverän“, so Mensen. Perdita Fricke widersprach dem Nullsummen-Argument: Es sei schon gut, die Fläche der Bewirtschaftung zu entziehen. Wenn dann dort auch noch Wald entstehe, dann „springt die Naturschutzbehörde vor Freude in die Luft“. Altin Shala (SPD) sagte, auf der durch Neubauten versiegelten Fläche stehe ja kein Wald. Außerdem habe der Investor keine Ausgleichsflächen. Würde das Bauland durch Ausgleich in der Nähe minimiert, wie es die Grünen wollten, würden die Baugrundstücke zu teuer.

Auch die CDU konnte der Ausgleichslösung etwas abgewinnen („Wir haben dann alles in der Hand“), zumal die Aufforstung aus Eigenmitteln finanzierbar sei, so sinngemäß Christdemokrat Ralph Landwehr.

Bauamtsexperte Claus Stechow mahnte, es sei nicht einfach solche, laut Landkreisempfehlung möglichst großen zusammenhängenden Ausgleichsflächen zu bekommen. Für das Baugebiet Illmer VI müssten rund 1,25 Hektar gefunden werden, rechnete er vor.

Daniel Strassner (Unabhängige Bürgerliste) plädierte für eine Förderung des Projekts, nachdem ihm Försterin Brückner versichert hatte, dass die Aufforstung bei Förderung oder Eigenfinanzierung ähnlich aussehen würde. Jedoch: Eine Förderung durch das Land ist nicht möglich, wenn das Areal als Ausgleichsfläche definiert werden soll.

Auf Strassners Frage, wann das Projekt starten könnte, nannte die Forstamtsmitarbeiterin den kommenden Herbst bei der eigenfinanzierten Lösung. Eine Förderung müsse aber noch beantragt und bewilligt sein, ehe begonnen werden dürfe, sodass sie in dem Fall von einem Pflanzstart 2023 oder erst 2024 ausgehe.

Gemeindedirektorin Anke Fahrenholz schlug als selbst ernannte Freundin von Kompromissen eine Doppellösung vor: Der nördliche Teil solle ein Ausgleichsflächenpool werden, den könne man dann schon ab dem Herbst bepflanzen, die Aufforstung des südlichen Teils solle gefördert werden.

Der weitestgehende Antrag kam dann aber nach einer Sitzungsunterbrechung zur Abstimmung: Und der sah vor, das gesamte Areal als Ausgleichsfläche zu definieren. CDU, SPD und die Gruppe von Hollen/FDP votierten dafür, Grüne Liste und die UBL dagegen. Somit kann es ab dem Herbst an die Aufforstung gehen.

Von Philipp Köster

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