Miese Laune in der Apothekerzunft

Thedinghauser Apotheker kritisiert Impfpass-Prozedere

Daniel Strassner Brunsviga-Apotheke
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Vorführsituation mit Vor-Wut-Auf-dieTischplatte-Trommeln: Apotheker Dr. Daniel Strassner versucht mehrmals vergeblich, eine PDF-Datei mit dem QR-Code für den digitalen Impfpass des Verfassers zu generieren. Morgens hatte es noch geklappt. Nachmittags scheint das Apotheker-Onlineportal überlastet zu sein.

Thedinghausen – In diesen Tagen wird nach und nach der digitale Impfpass eingeführt. Seit Montag stellen auch die niedersächsischen Apotheken den elektronischen Nachweis aus, dass sein Inhaber oder seine Inhaberin bereits vollständig gegen das Corona-Virus geimpft ist. Der digitale Pass soll das Reisen und den Zugang zu Veranstaltungen erleichtern.

Zudem galt die Papierversion als nicht fälschungssicher.

So weit die Theorie. Wenn man aber wissen will, an welche Apotheke man sich für die Ausstellung eines digitalen Nachweises wenden kann, verläuft die Suche holprig. Die vom Bundesgesundheitsministerium empfohlene Internetseite www.mein.apothekenmanager.de meldet am Montagmorgen nur verschiedene Fehlermeldungen und den Hinweis, dass zurzeit Wartungsarbeiten stattfinden.

Also zum Telefonhörer gegriffen, um direkt bei den drei Pharmazien in der Samtgemeinde nachzufragen. Susanne Probst, Inhaberin von der Morsumer Apotheke, sagt, sie wüsste noch nichts Genaues. Grundsätzlich ist sie aber von dem Mehraufwand für die Apotheken genervt und nennt beispielhaft die Stichpunkte Maskenausgabe und nun den digitalen Pass.

Wie es in der Rieder Apotheke aussieht, war trotz höflich und freundlich vorgetragener Presseanfrage nicht zu erfahren.

In der Brunsviga-Apotheke in Thedinghausen haben die Kunden mehr Erfolg: Rund zehn Interessenten hätten sich laut Inhaber Dr. Daniel Strassner am Montagvormittag einen QR-Code nach Vorlage des gelben (oder andersfarbigen) analogen Heftchens erzeugen lassen. Diesen Code können die Geimpften dann in ihrem Smartphone mittels der App „CoVPass“ oder der aktualisierten Corona-Warn-App einlesen.

Anders als andere Apotheker, die sich in berufsständischen Foren über die Einführung beklagten und viele Probleme sähen, hat Strassner das Projekt rasch umgesetzt, obwohl er erst seit Freitagnachmittag genaue Informationen bekommen hat.

Gleichwohl spart er nicht mit Kritik: So müsste er eine Bürokraft abstellen, die die Daten kontrolliert und weiterverarbeitet. Das könnten nicht alle Kollegen nebenher stemmen. Zudem sei er haftbar zu machen, wenn er auf Grundlage eines womöglich gefälschten analogen Dokuments einen digitalisierten Impfpass erzeuge. „Theoretisch müssten wir jedes dieser Arztkürzel überprüfen.“

Die Stimmung in der Zunft sei grundsätzlich mies, so Daniel Strassner. „Wir sind die Deppen der Nation, die wieder einmal die Fehler der Politik in einer Hauruck-Aktion ausbügeln müssen.“

Der Apotheker stellt die Frage, warum der digitale Pass nicht gleich in den Impfzentren und Praxen ausgestellt worden sei. In der Tat sollen die Impfzentren und Arztpraxen erst in diesen Tagen die QR-Codes an die vollständig Geimpften verschicken. Zertifikate über Impftermine der Vergangenheit können laut Gesundheitsministerium in den Praxen nachgefragt werden.

Wer den Aufwand scheut, sich einen digitalen Pass ausstellen zu lassen, kann auch darauf verzichten, das gelbe Heftchen bleibt gültig.

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