Stand der Dinge

Frauenanteil in der Kommunalpolitik: Thedinghausen vorbildlich, Riede rückläufig

Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse (re. ) ernannte während der Ratssitzung Thomas Vogel, den stellvertretenden Ortsbrandmeister der Feuerwehr Dibbersen-Donnerstedt, zum Ehrenbeamten. - Foto: ha
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Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse (re. ) ernannte während der Ratssitzung Thomas Vogel, den stellvertretenden Ortsbrandmeister der Feuerwehr Dibbersen-Donnerstedt, zum Ehrenbeamten.

Thedinghausen - Mit einem Frauenanteil von 43 Prozent nimmt der Thedinghauser Gemeinderat innerhalb der Samtgemeinde die klare Spitzenstellung ein. Rapide zurück ging die Frauenquote dagegen in Riede: Um acht auf jetzt noch 15 Prozent. Einen so niedrigen Frauenanteil weist sonst nur noch der Blender Rat auf.

Diese Zahlen präsentierte Gleichstellungsbeauftragte Bianca Lankenau auf der letzten Samtgemeinderatssitzung des Jahres, die traditionell im Beppener Schützenhaus stattfindet.

Im 31-köpfigen Samtgemeinderat selbst sitzen nur acht Frauen, was etwa 25 Prozent entspricht. Bei 27 Prozent liegt die Frauenquote im Emtinghauser Gemeinderat.

Positiv bewertete Binaca Lankenau, dass im neuen Blender Rat überhaupt zwei Frauen sitzen, was einer Steigerung von sieben Prozent entspricht. Gerade Kommunalpolitiker aus Blender hatten sich auch vehement gegen eine Gleichstellungsbeauftragtenstelle in der Samtgemeindeverwaltung ausgesprochen. Inzwischen habe sich die Stimmung schon leicht geändert, wusste Bianca Lankenau zu berichten.

In Riede sank vor allem der Anteil der SPD-Ratsfrauen stark ab. Unter anderem hörte Anja Scharnweber auf. Die CDU stellt jetzt den höchsten Frauenanteil, während die Grüne Liste ziemlich untypisch 0 Prozent Frauen im Rieder Rat hat. In allen anderen Räten ist die Grüne-Liste-Fraktion zu mindestens 50 Prozent, im Gemeindrat Thedinghausen sogar zu 75 Prozent weiblich besetzt. Und andererseits gibt es im Emtinghauser Rat keine einzige CDU-Frau.

„Frauenrechte sind Menschenrechte“

Natürlich sagen manche Statitistikangaben wenig aus: So steigt bei kleineren Fraktionen der Prozent-Anteil von Frauen rasant, wenn nur eine neu mit hinzukommt. Gewitzelt wurde auch über Einzel-Ratsmitglied Heinz von Hollen– was 0 Prozent Frauenanteil entspricht. „Um das zu ändern, müsste mich wohl umoperieren lassen“, scherzte von Hollen selber.

In ihrem Jahresbericht ging Bianca Lankenau auf verschiedene Veranstaltungen ein, die sie organisiert hatte. Besonders gut nachgefragt seien Beratungen zum Elterngeld gewesen. Weiter gab es wieder Filmabende, Aktionen zum Thema „Frauenrechte sind Menschenrechte“ und weitere thematische Angebote speziell für Frauen und auch in Zusammenarbeit mit dem Kreisfrauenrat.

Gescheitert sind vorerst Bemühungen, das Geburtshilfeangebot in Riede zu erhalten und insgesamt die Versorgung mit Hebammen in der Samtgemeinde zu sichern.

Dass es gelang, erstmals auch eine Auszubildenden-Stelle in der Gemeindeverwaltung frauenfreundlich als Teilzeitstelle auszuschreiben, verbucht die Gleichstellungsbeauftragte hingegen als Erfolg. Und auch die hoch qualilifizierte neue Thedinghauser Kindergartenleitern hätte nie für diese Aufgabe gewonnen werden können, wenn es um eine Vollzeitstelle gegangen wäre.

Dieter Tank (FDP) aus Blender wollte wissen, ob sich eine Gleichstellungsbeauftragte auch um benachteiligte Menschen mit Behinderungen oder diskriminierte Ausländer kümmere. Das zähle nicht zu deren Aufgabengebieten, denn für solche Fälle gebe es andere Anlaufstellen, antwortete Samtgemeinde-Bürgermeister Harald Hesse.

Allerdings solle die Gleichstellungsbeauftragte auch aktiv werden, wenn Frauen in bestimmten Bereichen überrepräsentiert seien – etwa als Beschäftigte in Kindergärten.

„Wir schenken euch nicht unsere Angst“

Als Fortschritt sei es da durchaus, dass ein rein männliches Dreigestirn jetzt im Blender Kindergarten leitend tätig sei.

Die Gleichstellungsbeauftragte hat auch schon mit der Vorbereitung des nächsten Zukunftstages begonnen, an dem Jungen Gelegenheit haben, „typische Mädchenberufe“ kennenzuleren und Mädchen sich in „Männerberufen“ umsehen. Drei Tages-Plätze habe hier schon der Bauhof der Gemeinde zugesagt, 14 seien in den Kitas zu erwarten, und weitere acht Kinder dürfen bei der Sozialstation „hinienschnuppern“, berichtete Bianca Lankenau.

Die neue Samtgemeinderatsvorsitzende Anke Fahreholz (SPD) lobte die „vielen tollen Projekte“ und Aktivitäten der Gleichstellungsstelle, wobei die Beteiligung an Veranstaltungen leider manchmal „überschaubar“ gewesen sei.

Auf die geplante heitere Weihnachtsgeschichte zum Abschluss der Sitzung verzichtete die Ratsvorsitzende dann wegen der Ereignisse in Berlin. Sicherlich zwängen die zum „Umschalten“ im bisherigen Denken und Verhalten. Doch gelte auch das durch Angehörige von Terror-Opfern geprägte Motto: „Wir schenken euch nicht unsere Angst“.

Anke Fahrenholz dankte allen ehrenamtlich Aktiven in der Samtgemeinde einschließlich der politisch Engagierten für deren Einsatz im jetzt ablaufenden Jahr. Auch dies alles sei „aktiv gelebte Demokratie“.

Mit dem Wunsch nach einem guten Start ins neue Jahr für alle beschloss die Ratsvorsitzende aus Horstedt den öffentlichen Teil der Tagung in Beppen, in dem anfangs noch Thomas Vogel zum Ehrenbeamten auf sechs Jahre in seiner Funktion als stellvertretender Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Dibbersen-Donnerstedt ernannt worden war.

la

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