Vorhaben in Dibbersen

Betroffene verzweifelt: Kein Wiederaufbau möglich? Marodes Haus macht Familie zu schaffen

Eine Hälfte des Hauses, der marode Teil, fehlt. Eine Genehmigung für den Wiederaufbau gibt es noch nicht.
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Eine Hälfte des Hauses, der marode Teil, fehlt. Eine Genehmigung für den Wiederaufbau gibt es noch nicht.

Ein privates Schicksal beschäftigte am Donnerstagabend den Thedinghauser Gemeinderat während seiner Sitzung in der Gustav-England-Halle.

Thedinghausen – Der Sachverhalt, der aus der Beratungsvorlage hervorgeht – und den die sichtlich verzweifelt Betroffenen auch noch im Rahmen der Ratssitzung erläuterten – in Kurzform:

Auf einem Grundstück im Außenbereich an der Dibberser Landstraße (L 203) stand ein sehr altes Zweifamilienhaus. In die eine Hälfte wollte die Enkeltochter mit ihrer Familie einziehen. In der anderen Hälfte wohnt die Großmutter. Zunächst war eine reine Modernisierung vorgesehen, wofür der Landkreis eine Baugenehmigung erteilt hatte. Im Zuge der Bauarbeiten in Eigenarbeit sind dann an dem Gebäude diverse Missstände und Mängel aufgefunden worden. So hatte das Gebäude kein Betonfundament und die tragenden Dachbalken waren vom Holzwurm zernagt. Dazu kamen unter anderem massive Feuchtigkeitsschäden im Außenmauerwerk, die schließlich sogar in deutlichen Rissen in den Wänden mündeten.

Haus in Thedinghausen: Großer Riss lässt Einsturz befürchten

Da ein großer senkrechter Riss (außen) immer größer wurde, haben die Bauherren dann aus Angst vor dem Einsturz des ganzen Komplexes ein Unternehmen mit dem Abriss des Gebäudes beauftragt – allerdings ohne Rücksprache mit dem Landkreis. Jedenfalls war durch den Abriss die Baugenehmigung hinfällig, denn diese galt nicht für einen Neubau. Darum verfügte der Landkreis Verden einen Baustopp und ordnete an, dass der abgerissene Gebäudeteil nicht wieder aufgebaut werden darf.

Ein zweiter Bauantrag auf Neuerrichtung der Haushälfte wurde, so der Landkreis, aufgrund zwingender Rechtslage (Außenbereich) ablehnt. Ein Vermittlungsgespräch unter Hinzuziehung eines Fachanwalts half nichts.

Hilfe suchten die unglücklichen Häuslebauer beim Bauamt der Gemeinde. Dazu Gemeindedirektor Harald Hesse: „Unser Bauamtsmitarbeiter Claus Stechow hat sich in die Sache reingekniet, um den unzweifelhaft hilfsbedürftigen Bürgern aus der Patsche zu helfen.“

Probleme mit Haus in Dibbersen: Menschliche Komponente nicht außer Acht lassen

Stechow attestierte zwar, dass die Entscheidung des Landkreises juristisch nachvollziehbar sei, wollte aber die menschliche Komponente nicht außer Acht lassen und fand letztlich eine Passage im Baurecht, nach der in diesem Einzellfall ein Wiederaufbau des Gebäudes mit einer geordneten städtebaulichen Entwicklung vereinbar sei (die Aufzählung der einzelnen Paragrafen im Baugesetzbuch sowie Gerichtsurteile in ähnlicher Sache ersparen wir dem Leser). Jedenfalls hätte der Gemeinderat die Aufstellung einer Außenbereichssatzung für dieses Gebiet in Gang setzen müssen.

Die Ratsmitglieder sahen die Not der Familie und standen einer Hilfestellung wohlwollend gegenüber. Nichtsdestotrotz gab es Bedenken von vielen Seiten. Vor allem wurde ins Feld geführt, dass mit einer Außenbereichssatzung, die nicht nur für ein Einzelgrundstück aufgestellt werden kann, auch andere Bauten auf besagtem Grundstück oder in der Nachbarschaft rechtlich zulässig werden würden. Und das ist  nicht gewollt, um Splittersiedlungen in der freien Natur (Außenbereich) zu vermeiden. Auch mögliche Präzedenzfälle mit Blick auf andere Areale in der Gemeinde wurden befürchtet.

Marodes Haus in Thedinghausen: Gemeinde will mit Landkreis Verden reden

Letztlich wurde der Tagesordnungspunkt auf die nächste Ratssitzung in vier Wochen vertagt. Bis dahin soll die Bauverwaltung nach Wegen suchen, die Außenbereichssatzung so festzuklopfen, dass derartige „Auswüchse“ daraus nicht abgeleitet werden können. Zudem will die Gemeinde in dieser Sache noch mal mit dem Landkreis reden.

Die Bauwilligen, die übrigens die Kosten des Verfahrens tragen, machten zum Schluss noch einmal deutlich: „Wir wollen nicht einen Zentimeter größer bauen als vorher und genau an der gleichen Stelle. Aber wir müssen doch irgendwo wohnen.“  sp

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