Storcheninvasion in Horstedt

Täglicher Treffpunkt für über 60 Tiere

Eine Ansammlung von mehr als 40 Störchen ist auf diesem
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Eine Ansammlung von mehr als 40 Störchen ist auf diesem

Horstedt – „Wir kommen mit dem Zählen kaum hinterher“, berichten Heike und Klaus Meyer aus dem kleinen Weserdorf Horstedt. Zwischen 40 bis zu mehr als 60 Störche geben sich fast täglich ein Stelldichein auf den großen Wiesen und Feldern am Ortsausgang – meist hinter dem Deichschart (Richtung altes Kieswerk). Auch Karin Bergmann, die selbst ein eigens aufgestelltes Storchennest auf ihrem Grundstück ganz in der Nähe hat, ist von diesem Naturschauspiel stets auf Neue begeistert.

„Dabei ist dieses Ereignis gar nicht so selten“, erklärt „Storchenvater“ Hans Joachim Winter aus Etelsen, der sich jetzt vor Ort persönlich ein Bild von der Lage machte.

Warum sich eine solch große Schar an Jungstörchen ausgerechnet in Horstedt versammelt, weiß auch Hans Joachim Winter nicht ganz genau. „Wie bei allen Tieren spielt das Fressen eine wichtige Rolle. Nicht von ungefähr sieht man immer wieder große Ansammlungen von Vögeln aller Art, die hinter einem pflügenden Trecker oder hinter einem Mähdrescher auf Nahrungssuche gehen. Aber auch eine Wiese kann für Störche ein gedeckter Tisch sein – gerade nach den Regenschauern der letzten Tage. Viele Insekten, im Moment viele Heuschrecken, und kleine Amphibien fühlen sich dort wohl – und schmecken Meister Adebar.“

Weißstorchbetreuer Winter sieht die Massenansammlung von Horstedt auch als ein Zeichen dafür, dass sich der Bestand in der Wesermarsch und auch anderswo in den letzten Jahren erholt und stabilisiert hat.

Bekannt ist, dass sich ab Ende Juli/Anfang August Unruhe unter den Störchen breitmacht. Die Jungstörche unternehmen immer weitere Ausflüge in die Umgebung des Nestes und sind bald schließlich verschwunden. Ein derzeitiger Treffpunkt der zum Teil weit angereisten Störche ist offenbar Horstedt, von wo die guten Flieger auch immer wieder Ausflüge auf die andere Weserseite in den Bereich Clüverswerder unternehmen.

Die Störche legen auf dem Weg nach Horstedt durchaus große Entfernungen zurück. „Auch aus dem ostfriesischen Raum und aus der Storchenpflegestation in Berne sind einige dabei“, mutmaßt Winter und sieht sich hierin von Beobachtungen befreundeter Ornithologen bestätigt. In Horstedt selbst gibt es derzeit nämlich nur ein einziges bewohntes Nest.

Ein weiterer Aspekt für die Storcheninvasion, so Winter, sei das offensichtlich gesellige Naturell der gefiederten Freunde. Winter: „Vor dem großen Flug nach Süden, der ohne die Eltern unternommen wird, kommen scheinbar viele Störchen, darunter die Jungstörche und Nichtbrüter, zusammen, um Kontakt aufzunehmen. Im Fachjargon nennt man diese Verhaltensweise Jugendzerstreuungsflüge. Die Jungstörche können dabei außerdem die Region erkunden und beispielsweise nach geeigneten Nistplätzen für das nächste Jahr Ausschau halten. Außerdem dienen die langen Flüge nach Horstedt dem Flugtraining und dem Muskelaufbau.“

Längst nicht alle gefiederten Besucher fliegen sofort in ihre norddeutschen heimatlichen Gefilde zurück, sie halten sich mehrere Tage in Horstedt auf. Das ist auch ein Teil der Abnabelung vom Elternpaar.

Nachts sitzen sie dann in Reihe auf den Horstedter Dächern und bieten auch hier ein imposantes Bild im Mondschein.  sp

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