Ex-Werder-Profi: Den Suff nur dank guter Gene knapp überlebt

Uli Borowka bewegt in der Gudewill-Schule mit Lebensgeschichte

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Seitdem er selbst seine Abhängigkeit bezwungen hat, versucht der frühere Werder-Spieler Uli Borowka, möglichst viele Menschen auch auf Veranstaltungen für Suchtgefahren zu sensibilisieren.

Thedinghausen - Ernste Töne, humorvolle Anekdoten und Fußballromantik wechselten sich ab auf dieser etwa zweistündigen Veranstaltung mit dem früheren Werder- Fußballprofi und Nationalspieler Ulrich „Uli“ Borowka.

Im Rahmen der Präventionsarbeit an der Gudewill- Schule Thedinghausen war Borowka dort zu Besuch. Schulleiter Marcus Dell und Schulsozialarbeiterin Sandra Linge begrüßten den prominenten Gast. Schüler, Eltern und andere Interessierte wollten mehr über das Doppelleben als Fußballstar und Alkoholiker erfahren.

Borowka nahm denn auch kein Blatt vor den Mund und sprach das Thema schonungslos an. Dabei kristallisierte sich heraus, wie eng Fußball und Alkohol als Massenphänomen verknüpft sind. Seit dem Erscheinen seiner Biografie 2012 tourt der Ex-Profi quer durch die Republik, spricht wie in Thedinghausen vor Schülern, auf Podiumsveranstaltungen und sogar im Gefängnis.

Familie weg - Alkohol und Halluzinationen blieben

Borowka las aus seinem Buch „Volle Pulle“ und zeigte auf, wie er als abgehalfterter Star, der im Fußballleben alles erreicht hatte und Millionär war, auf einer „vollgekotzten Matratze“ in seiner leeren Villa liegt – Kinder weg, Ehefrau weg, nur Alkohol und Halluzinationen blieben übrig. Borowka über seine damaligen Überlegungen: „Wäre es nicht besser, der ganzen Scheiße ein Ende zu setzen?“

Der Ex-Fußballer schluckte auch einen Tablettencocktail, starb aber nicht. „Es muss wohl ein Gen in mir bewirkt haben, dass ich viele Stunden später wieder aufgewacht bin und ein schlechtes Gewissen hatte“.

Gebannt verfolgte das Pubilkum in der gute gefüllten Gudewill-Schulaula den bewegenden Vortrag von Uli Borowka über sein Doppelleben als Fußballstar und Alkoholiker.

Solche Worte musste man erst mal verdauen. So ging es Vielen im Publikum. Es war mucksmäuschenstill. „Ne Kiste Bier“, dazu flaschenweise Wein oder härtere Getränke habe er am Tag meist gesoffen, las Borowka weiter aus seinem Buch.

Er war aber stets morgens Erster auf dem Trainingsplatz. Deswegen konnte er seine Sucht so lange verbergen. Versagensängste spielten bei der Frage nach dem „Warum?“ ein große Rolle „Alle Freundschaften gehen beim Suff sowieso den Bach runter“, brachte Borowka auch seine Ablehnung einer Kooperation mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) und dessen Abteilung „Suchthilfe und Suchprävention“ ins Spiel.

Therapie und Ehefrau haben geholfen

„Dabei könnte im Jugendbereich so viel gemacht werden. Eltern haben Vorbildfunktion. Aber was sehen wir auf dem Fußballplatz bei einem Jugendspiel? Von zwanzig Erwachsenen haben zehn ne Pulle Bier in der Hand“.

Geholfen haben Borowka eine Therapie im Jahr 2000 und seine zweite Ehefrau. Heute lebt er mit Frau und drittem Kind in Lehrte. Als Aktivist hofft er, so viele Menschen wie möglich für das Thema Sucht zu sensibilisieren. „Auch das Handy ist heute schon eine Sucht“, findet er im Übrigen.

Präventionsangebote sollen jetzt auch in der Gudewill Schule fest verankert und und nachhaltig angeboten werden. Uli Borowka bezeichnete dies als kleinen Schritt auf dem Weg. Für seine ehrlichen Worte bekam der Ex-Profi in der Aula am Ende den gebührenden Applaus.

la

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