Landgericht rollt Prozess nach BGH-Urteil neu auf

Student bestreitet Vorwurf der Vergewaltigung

Verden/Blender - Ein 29 Jahre alter Angeklagter aus Blender hat mit seiner Revision vor dem Bundesgerichtshof erreicht, dass der Vergewaltigungsprozess gegen ihn neu aufgerollt wird. Das Verdener Urteil, mit dem er im Juni 2016 zu einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war, war aufgehoben worden.

Jetzt versucht die 7. Große Strafkammer zu klären, ob der Student im Sommer 2014 seine damalige Lebensgefährtin vergewaltigt hat. Gestern war Prozessauftakt.

Ursprünglich war dem Angeklagten neben der Vergewaltigung auch gefährliche Körperverletzung vorgeworfen worden. „Das Landgericht hat insoweit festgestellt, dass der Angeklagte die Nebenklägerin in mindestens zehn Fällen auf dem Sofa in eine Decke einwickelte, sich auf sie setzte und ihr mehrmals ein Kissen auf das Gesicht drückte“, heißt es in dem BGH-Urteil. Eine damalige Mitbewohnerin des Angeklagten und seiner damaligen Freundin sagte gestern vor Gericht, dass sie einen derartigen Vorfall miterlebt habe, sogar eingeschritten sei. Nach ihrer Beschreibung war es eine sehr merkwürdige, ambivalente Beziehung mit vielen Streitereien.

Angeklagte bestreitet Vorwürfe weiterhin

Dennoch hatte das Landgericht den Mann im Juni 2016 vom Vorwurf der Körperverletzungen freigesprochen, weil „nicht feststellbar gewesen sei, ob die Nebenklägerin Schmerzen erlitten habe“, so die Begründung. Bei diesen Vorwürfen war der Frau also vom Landgericht nicht geglaubt worden, bei der Vergewaltigung dann schon. Dies konnten die Karlsruher Richter nicht nachvollziehen.

In dem gestern gestarteten Prozess geht es nur noch um die Vergewaltigung. Zu den Tatvorwürfen wollte sich der 29-Jährige nicht äußern. „Selbstverständlich“, so der Anwalt, werden diese aber weiterhin bestritten, erklärte sein Verteidiger Matthias Gärtner.

Nervenzusammenbruch „sehr wahrscheinlich“

„Es geht ihr sehr schlecht“, hatte die Anwältin der Frau vor der Aussage ihrer Mandantin noch betont. Weil ein Nervenzusammenbruch der Frau bei einer Aussage in Anwesenheit des Angeklagten vom Gericht als „sehr wahrscheinlich“ angesehen wurde, musste der Angeklagte den Saal während dieser Zeit verlassen. Er konnte aber alles über einen Monitor aus einem anderen Raum verfolgen. 

Die 25-Jährige schilderte unter Tränen eine Vergewaltigung im gemeinsamen Schlafzimmer. Vor der Tat habe sie dem Angeklagten klar zu verstehen gegeben, dass sie nicht mit ihm schlafen wolle. Dies habe er aber mit Gewalt erzwungen. „Danach hat er sich neben das Bett gestellt und gesagt: Guck mal, wie weit du mich gebracht hast. Jetzt habe ich dich vergewaltigt.“

Am Mittwoch wird in dem Prozess ein Urteil erwartet. - wb

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