Thedinghauser Offenheit gelobt

Straflos Meinung äußern – das beeindruckt

Aus vielen unterschiedlichen Nationen, Kulturen und Religionen kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Deutsch-Spracherwerbskurs für Flüchtlinge im Thedinghauser Gemeindehaus. Unser Bild zeigt sie zusammen mit ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierten Bürgern, Volkshochschul(VHS)-Projektleiterin Anje Brockmann (vorn, Zweite von links) und VHS-Dozent Paul Brandt (Zweiter von links, hinten). Über den Kurs wird auch versucht, nähere Kontakte zur einheimischen Bevölkerung zu vermitteln. Foto: Laue

Thedinghausen – Dass man in Deutschland auch mal nachfragen, ungestraft seine Meinung offen sagen und zum Beispiel lange Wartezeiten bei Ämtern kritisieren darf, gefalle vielen im Spracherwerbskurs für Flüchtlinge besonders, berichten die zuständige Volkshochschul(VHS)-Projektleiterin Anje Brockmann und VHS-Dozent Paul Brandt gleichermaßen. In den jeweiligen Heimatländern sehe die Lage oft ganz anders aus, und deshalb möchten die meisten auch nicht mehr dorthin zurück.

Aus Eritrea, Afghanistan, Syrien, der Elfenbeinküste, Armenien und Irak kommen die 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des aus Landesmitteln mit geförderten, aktuellen Sprachkurses. Allesamt sind es Geflüchtete, über deren Status noch nicht entschieden ist und die daher jederzeit mit einem Rückführungsbescheid rechnen müssen. Sie dürfen daher keine Integrationskurse besuchen.

Doch dieser Spracherwerbskurs der Volkshochschule, der seit Februar an jeweils drei Wochentagen vormittags noch bis November läuft und mit einer Prüfung endet, vermittelt auch einiges, was unter politische Bildung fällt und die Teilnehmer mit hiesigen Verhältnissen und Gewohnheiten vertraut macht.

Unterstützt wird das Projekt unter der Rubrik „niedrigschwellige Sprachangebote im ländlichen Raum“ auch vom Landkreis Verden, wie Anje Brockmann betont.

Wichtiges Ziel ist es zudem, Kontakte zur örtlichen Bevölkerung herzustellen und zu vertiefen. Daher waren nun am Dienstagvormittag interessierte Bürger mit zum Termin des Spracherwerbskurses im evangelischen Gemeindehaus an der Braunschweiger Straße eingeladen.

Als besonderer Gast kam die SPD-Kreis- und Landtagsabgeordnete Dr. Dörte Liebetruth dazu, um sich näher über Erfahrungen oder auch Probleme im Kurs zu informieren. Sie dankte der Kirchengemeinde zudem dafür, dass diese ihre Räume zur Verfügung gestellt hatte und wies darauf hin, dass es in Deutschland möglich und erwünscht sei, wenn sich Menschen „einmischen“ in sie betreffende politische oder andere öffentliche Angelegenheiten.

Außerdem machte die Politikerin deutlich, dass laut Grundgesetz niemand aufgrund seiner Rasse, Religion oder seines Geschlechts benachteiligt werden dürfe.

Zu den Erfolgen bei Integrationsbemühungen passte die Geschichte einer Kursteilnehmerin aus Afghanistan. Dort dürfen Frauen meistens nicht selber einkaufen ohne vorherige Erlaubnis des Mannes. Die betreffende Geflüchtete berichtete nun nicht ohne stillen Stolz, dass sie gerade selbst ein Fahrrad erworben habe.

Paul Brandt hob hervor, dass es trotz des Aufeinandertreffens so vieler unterschiedlicher Nationalitäten, Kulturen und Religionen in den Kursen nie zu Konflikten gekommen sei, sondern sich im Gegenteil eine besondere Gemeinschaft entwickelt habe.

Und auch wenn einige demnächst in ihr Heimatland zurück geschickt würden, könnten hier gewonnene Erkenntnisse und Qualifikationen ihre Perspektiven dort deutlich verbessern, hofft der VHS-Dozent aus Achim-Embsen.

Ein besonderes Lob sprach er noch den „freundlichen Menschen“ in Thedinghausen aus, die er stets Flüchtlingen gegenüber als offen und aufgeschlossen erlebt habe.

Die Kontakte könnten aber noch verbessert werden und seien natürlich für Neuankömmlinge in einem für sie zunächst völlig fremden Land immens wichtig.

Sehr erfreut und stolz seien die am Sprachkurs Teilnehmenden im Übrigen häufig schon, wenn sie die schriftliche Teilnahmebestätigung in den Händen halten oder sogar den Bescheid über die abschließende Prüfung, berichtete Anje Brockmann.  la

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