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St. Galler Corona-Bibel zu Gast in Riede

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Von: Philipp Köster

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Pastorin Birgit Bredereke und Kirchenvorsteherin Margitta Böse (l.) mit dem noch verschlossenen Bibel-Paket.
Pastorin Birgit Bredereke und Kirchenvorsteherin Margitta Böse (l.) mit dem noch verschlossenen Bibel-Paket. © Köster

Riede – In manchen Momenten gilt es, zu ahnen, was kommen könnte und dann schon vor dem Eintreten eines großen Ereignisses geistesgegenwärtig und schnell zu handeln. Einer dieser Momente war im März 2020. Wenige Stunden vor dem Lockdown in der Schweiz wendet sich ein Pfarrer in St. Gallen an den Leiter der Stiftsbibliothek der Stadt:

„Ich sehe wie alle anderen auch besorgt auf die gegenwärtige Situation, die Menschen in die Vereinzelung und die Einsamkeit drängt, weil das Zusammenkommen als gefährlich gilt. Deshalb habe ich überlegt, ob es eine Möglichkeit gäbe, das Gefühl von Zusammengehörigkeit trotz und in dieser Krise zu stärken. Vielleicht, so habe ich mir überlegt, könnte es ein Zeichen der Zusammengehörigkeit sein, wenn in den nächsten Wochen in St. Gallen eine handgeschriebene Bibel entstünde (...) Menschen könnten auf diese Weise durch das Schreiben tätig werden, müssen nicht Kontakt zu anderen aufnehmen und beteiligen sich doch an etwas Größerem.“

Und diese St.-Galler-Corona-Bibel entsteht: In nur zehn Wochen in diesem Frühjahr 2020 schreiben mehr als 1000 Menschen das Alte und Neue Testament ab, versehen das Geschriebene mit Illustrationen, aber auch Bemerkungen – so wie es auch in der Frühzeit der Kirche bis ins Mittelalter Brauch war, dass die biblischen Schriften immer und immer wieder abgeschrieben wurden. Ergebnis ist ein siebenbändiges „einzigartiges Zeitzeugnis“, befindet der Schweizer Pfarrer, das er der St. Galler Stiftsbibliothek anvertraut hat.

Uwe Habenicht war von 2002 bis 2007 Pastor in Riede. Heute arbeitet er in der Schweiz.
Uwe Habenicht war von 2002 bis 2007 Pastor in Riede. Heute arbeitet er in der Schweiz. © Behr

Doch damit nicht genug. In der Folgezeit werden 20 Nachdrucke der Corona-Bibel angefertigt, drei davon reisen jetzt durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ein Exemplar ist soeben bei Ulrike Beet in Riede angekommen. Sie hat noch Kontakt zum besagten Pfarrer in St. Gallen. Der ist in Riede kein Unbekannter. Denn bei dem Initiator des besonderen Bibelprojekts handelt sich um den früheren Rieder Pastor Uwe Habenicht, der hier von 2002 bis 2007 wirkte.

Seine Nachnachfolgerin Birgit Bredereke hat das dicke Bibel-Paket im Pfarrbüro liegen. Allzu neugierige Blicke des Zeitungsmenschen lässt sie nicht zu: „Das Paket öffnen wir erst am Pfingstsonntag ab 9.30 Uhr im Gottesdienst. Bei schönem Wetter draußen.“ Was sie darin erwartet, kann sie auch nur vermuten, auf Grundlage dessen, was sie im Internet unter www.coronabibel.ch gesehen hat. „Wir sind selbst ganz gespannt“, sagt auch Kirchenvorsteherin Margitta Böse. Die Einbindung in den besonderen Pfingstgottesdienst ist im Sinne von Uwe Habenicht, der vorschlägt, die Corona-Bibel in der Gemeindearbeit zu nutzen, etwa als liturgischen Gegenstand im Gottesdienst, aus dem vorgelesen wird. Sie soll bei ihren jeweils vierwöchigen Aufenthalten in den Gemeinden – zuvor war sie im Schwarzwald, im Juli reist sie nach Hamburg weiter – aber auch zum Blättern ausliegen. Im Herbst 2023 sollen die drei Exemplare wieder in St. Gallen sein. „Ich bin gespannt, ob und in welchem Zustand sie zurückkehren und an welchen Orten sie gewesen sein werden“, sagt Habenicht.

Von Philipp Köster

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