Keine Aussicht auf Alternativen

Intscheder Wehr: Sperrung zum 1. Dezember bleibt unumgänglich

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Der dreiteilige Brückenzug zwischen Intschede und Daverden, 1958 fertiggestellt, muss aufgrund stark korrodierender Stähle dringend saniert werden.

Landkreis - „Möglichst schnell, möglichst breit.“ Landrat Peter Bohlmann brachte das Ziel des Kreises in Sachen „Neubau des Brückenzuges am Weserwehr Intschede“ auf eine einfache Formel. Wäre das Projekt ebenso leicht umzusetzen, viele Anlieger links und rechts des Flusses wären wesentlich entspannter.

So aber blickten die Experten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsbehörden WSA und WSV, die Mitarbeiter der Kreisverwaltung sowie die Mitglieder des Planungs-, Wirtschafts-, Verkehrs- und Bauausschusses des Landkreises am Mittwoch in die besorgten Mienen vieler Bürger.

Fakt ist: Die Verkehrsverbindung zwischen dem Flecken Langwedel und der Samtgemeinde Thedinghausen ist so marode, dass sie dringend erneuert werden muss. „Zustandsnote 3,5“, sagte Thomas Lippel, Sachbereichsleiter Verkehrswesen beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Verden und verdeutlichte: „4,0 ist kurz vor dem Kollaps.“

An einer Sperrung ab dem 1. Dezember dieses Jahres komme man darum nicht herum, so Lippel weiter. „Mit Hängen und Würgen“ sei dieser Termin gebilligt worden. „Wenn die Brücke einstürzt, steht die federführende Behörde allein im Regen“, machte auch Peter Bohlmann klar, dass der 1. Dezember 2018 Ultimo ist. Ab dann und bis zum Baubeginn ist das Wehr nur noch für Radfahrer und Fußgänger passierbar.

Mit dreijähriger Sperrung ist zu rechnen

Die Krux ist, dass die Abrissarbeiten nicht vor dem dritten Quartal 2019 beginnen können. Dies sei bedingt durch weitere Untersuchungen und Gutachten, die der Ausschreibung vorausgehen müssen, wie Bauingenieur Daniel Stadel von der WSV-Fachstelle Brücken Mitte in Helmstedt erklärte. Bei einer voraussichtlichen Wiederfreigabe der Weserquerung Ende 2021 ist also mit einer dreijährigen Sperrung zu rechnen.

Das bereitet unter anderem den Langwedeler Selbstständigen Sorge, die mit 20-prozentigen Einbußen rechnen, weil die Kunden von „gün Sied“ fehlen. Das frustriert Pendler, die nun den Umweg über Verden-Hutbergen oder Achim-Uesen in Kauf nehmen müssen. Und es stellt auch die Landwirte nicht zufrieden, die Flächen auf beiden Seiten der Weser haben.

So nahm denn das Thema Ersatzlösungen in der Sitzung breiten Raum ein. Zuletzt hatte ein Antrag des Wulmstorfers Achim Stemmann die Diskussion über Ponton-, Ersatzbrücke oder eine Fähre neu entfacht. Werner Stadtlander, Fachdienstleiter Straßen beim Landkreis, setzte auseinander, warum die jeweilige Umsetzung schwierig sei.

Hohe Kosten für Pontons oder Fähre

Eine 150 Meter lange Pontonbrücke, so Stadtlander, sei „vielleicht nicht ganz unmöglich“. Ihre Errichtung wäre aber mit diversen Anforderungen des WSA verbunden, stünde unter anderem wegen Hochwasser und Eisgang maximal die Hälfte des Jahres zur Verfügung und koste bis zu vier Millionen Euro.

Eine ähnlich hohe Summe hatte Stadtlander für eine Ersatzbrücke errechnet. Diese müsste zudem abbaubar sein, weil der Brückenzug auch vom Wasser aus saniert werden solle. Und für die Erschließung der Ersatzbrücke sei ein Straßenausbau über Privatgrundstücke erforderlich, der mit weiteren 500 .000 Euro zu Buche schlage. Dazu sei „ein sofortiger politischer Beschluss erforderlich“, betonte Stadtlander. „Denn die Zeit sitzt uns im Nacken.“

Täglich rund 3. 500 Fahrzeuge über Wehr

Eine Fähre stellt ebenfalls kaum eine Alternative dar. Auch ihr Einsatz würde laut Werner Stadtlander etwa vier Millionen Euro kosten. Zudem brächte sie bei einem 14-stündigen Betrieb zwischen 6 und 20 Uhr gerade mal 840 Autos über die Weser – aktuell überfahren täglich rund 3. 500 Fahrzeuge das Wehr.

Angesichts dieser Informationen zeigte sich die Politik bemüht um Schadensbegrenzung in Gestalt einer schnelleren Bauzeit. Doch selbst der von Christina Hartmann (CDU) vorgeschlagene Mehrschichtbetrieb lässt sich nach Auskunft von Daniel Stadel nicht ohne Weiteres realisieren. Arbeiten rund um die Uhr schloss der Ingenieur schon allein aus Gründen der Sicherheit aus. Bauen in zwei Schichten sei „in Teilbereichen vorstellbar“, fuhr Stadel fort. Die Entscheidung dafür – und für die Übernahme der Mehrkosten – müsse aber aus der Politik kommen, spielte er den Ball zurück.

Lastenerhöhung würde Probleme bereiten

Obwohl bereits vor zwei Jahren verworfen, war der zweispurige Ausbau der Straße am Donnerstag erneut im Gespräch. Dafür sei das Wehr nicht standfest genug, erklärte Landrat Bohlmann, der auch noch einmal die Idee einer neuen, zweispurigen Brücke parallel zum Wehr verwarf. Sie würde circa 14 Millionen Euro kosten. Die hätte allein der Kreis zu tragen, weil die Brücke nicht förderfähig wäre.

So beschränkte sich die Politik darauf, einen möglichst breiten Ausbau der Anlage zu fordern – um damit bei den Bürgern Hoffnungen zu wecken, die sich nicht durch die Aussagen der Ingenieure decken ließen.

„Eine weitere Lastenerhöhung würde technisch große Probleme bereiten“, hatte Mathias Glüsenkamp von der Fachstelle Brücken Mitte gesagt. Damit war im Prinzip auch der von Dr. Hans-Hermann Prüser (SPD) geforderte „zeitgemäße Ausbau“ durch einen Radweg vom Tisch.

Zudem würde eine solche Verbreiterung vermutlich ein Planfeststellungsverfahren erforderlich machen, inklusive einer Verlängerung der Sperrzeit von bis zu drei Jahren, so Thomas Lippel.

Glüsenkamps Kollege Stadel stellte einzig eine Verbreitung von 3,65 auf 3,85 Meter unter anderem durch das Versetzen des Geländers in Aussicht. Doch auch hier gibt es Hürden: Der Denkmalschutz müsste dafür grünes Licht geben und die zuständige Behörde selbst hier auf ein Planfeststellungsverfahren verzichten. kp

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