Sogar Kontakte zum Römischen Reich

Holtorfer Forschungsprojekt direkt vor Ort beendet

Auch die Löwenkinder des Kindergartens Etelsen besuchen die archäologische Ausgrabung in Holtorf.

Holtorf - Die Ausgrabung in der Germanensiedlung von Holtorf-Lunsen ist abgeschlossen. Mehrere Wochen hatte Imke Brandt vom niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung zusammen mit ihren Mitarbeitern auf den Spuren der Germanen geforscht (wir berichten).

„Wir sind mit den Ergebnissen mehr als zufrieden“, verriet die gebürtige Verdenerin, „vor allem freut uns, dass wir eine Schmiede nachweisen konnten.“ Doch nicht nur Eisen wurde hier bearbeitet, in Holtorf wurden auch Glas und Textilien hergestellt. Offensichtlich hat die Ausgrabung einen Teil des Handwerkerviertels ans Licht gebracht. „Bei rund zwei Hektar Siedlungsfläche ein reiner Glücksgriff“, ergänzt Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht.

Doch in Holtorf lebten vor rund 2000 Jahren nicht nur Handwerker, sondern auch Bauern. Ziel des Wilhelmshavener Forschungsprojektes ist es herauszufinden, warum die Bauern sich ausgerechnet hier niederließen und warum sich ein regionales Handwerker-Zentrum entwickeln konnte. Unscheinbare Steine erkennt der Fachmann als Bruchstücke von Handmühlen aus Basaltlava, die aus der Eifel importiert wurden, und Schmuckstücke aus Bronze zeigen, dass man in Holtorf Kontakte zum Römischen Reich pflegte.

Das bringt die Forscher auf die richtige Spur. „Nicht Bahn und Auto prägten damals den Fernverkehr, sondern Boote. Händler befuhren mit Booten Bäche und Flüsse und zogen sie an flachen Uferstellen an Land, um ihre Waren anzubieten“, so Jutta Precht. Vielleicht war auch in Holtorf ein Handelsplatz. Ganz in der Nähe der Ausgrabung sind noch heute zwei ehemalige Flussarme zu erkennen. „Wir untersuchen auch diese alten Flussarme“, fügt Imke Brandt hinzu, „um herauszufinden, ob sie während der römischen Kaiserzeit offen lagen.“

Ergebnisse werden 2019 veröffentlicht

Doch das ist im Moment noch Zukunftsmusik. Zuerst müssen die Fundstücke gereinigt, gezeichnet und wissenschaftlich ausgewertet werden. Erst dann sind weitere Untersuchungen geplant. Das gesamte Projekt soll noch bis Anfang 2019 dauern und die Ergebnisse danach in einem Buch veröffentlicht werden.

Wer nicht so lange warten wollte, konnte sich schon während der Arbeiten Ort ein Bild machen. Kurz vor Schluss der Ausgrabung luden die Archäologen zu einer öffentlichen Führung ein. Über 120 Interessierte ließen sich trotz des zeitweise strömenden Regens nicht von einem Informationsbesuch der Holtorfer Ausgrabungsstätte abhalten. Auch die Löwenkinder des Kindergartens Etelsen verbrachten einen aufregenden Vormittag in Holtorf-Lunsen. Während einer kleinen Führung durch Imke Brandt erfuhren sie einiges vom Leben in der römischen Kaiserzeit, konnten Funde der aktuellen Ausgrabung bestaunen und bekamen einen Einblick in die Arbeit von Archäologen.

Als Höhepunkt konnten die begeisterten Kinder selber ein bisschen helfen und tauschten am Schluss selbst gesuchte Funde aus dem Abraum gegen einen Lolli und einen unvergesslichen Tag.

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