Klassikmusikfestival im Renaissance-Saal

Seltene und exklusive Klassikmomente auf Schloss Erbhof

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Der Berliner Violinist Iskandar Widjaja ist mit indonesischen, arabischen, niederländischen und chinesischen Wurzeln nicht nur ein wahrer Kosmopolit, sondern auch ein äußerst begabter und vielfach gefragter Solist.

Thedinghausen - Von Ingo Schmidt. Musikmomente der Extraklasse lieferte das Programm des Klassikmusikfestivals im Renaissance-Saal im Thedinghauser Erbhof. Unter der künstlerischen Leitung des brasilianischen Cellisten Professor Matias de Oliveira Pinto konnte das Organisationsteam um Gerd Schröder vom Förderkreis des Erbhofschlosses und Dr. Stefanie Mauer bereits zum vierten Mal großartige Künstler mit Weltruhm in den Konzertsaal locken.

„Wir beginnen mit einem orchestralen Auftakt“, beschreibt die musikbegeisterte Zahnärztin Stefanie Mauer das Freitags-Programm, „und wir bieten einige Klassik-Raritäten, die man nicht oft hören kann“. Am Samstag folgte schließlich ein kammermusikalischer Teil und eine Darbietung des Gitarristen Fabio Zanon am Sonntag krönte schließlich das dreitägige Klassik-Ereignis.

Den Kern des Abends bildete das Kammerensemble Konsonanz: Einige junge Streicher aus der gesamten Welt – allesamt Experten auf ihren Instrumenten – trafen sich einst als Stipendiaten an der Bremer Musikhochschule und gründeten ihr eigenes Ensemble. Unregelmäßig proben sie bei allerlei Gelegenheiten auf der gesamten Erdkugel und tragen ihre Spielfreude und musikalische Leidenschaft in unterschiedlicher Besetzung in die Welt.

Am Freitag spielten acht Musiker aus Chile, Costa Rica, der Türkei, Spanien, Portugal und Deutschland zum Auftakt die Suite Espanola op. 47 V Asturias von Isaac Albeniz. Das Stück, welches eigentlich für Gitarre geschrieben wurde, ist inspiriert durch die Region Asturias und überrascht seine Zuhörer durch arabische Klang-Einflüsse. Anschließend präsentierte das Ensemble mit dem Solisten Matias de Oliveira Pinto Wiener Klassik des jungen Joseph Haydn mit einem Konzert für Violoncello und Orchester in C-Dur. Als Zugabe lieferte Musikprofessor Pinto den Marsch von Sergej Prokofjew.

Eine Zeitreise von der Wiener Klassik bis zur Moderne erlebten die Gäste im Renaissance-Saal am Samstagabend. Der Professor Matias de Oliveira Pinto ist regelmäßig musikalischer Leiter des Festivals und Meister seines Instrumentes. Dank seiner umfangreichen Kontakte ist das Klassik-Musikereignis im Schloss Erbhof äußerst vielseitig und qualitativ hochwertig besetzt.

Nach der Pause begrüßten die Initiatoren den 32-jährigen Violinisten Iskandar Widjaja, der am Vorabend noch die Elbphilharmonie gefüllt hatte. Der Kosmopolit und gebürtige Berliner spielte mit dem Bremer Ensemble eine Bach-Interpretation in drei Sätzen: Das Stück BWV 1052R in D-Moll war ursprünglich für Violine geplant, aber von Bach für Cembalo geschrieben worden, weil das Instrument gerade populär wurde. Widjajas vierstimmiges Spiel bot nun eine Rekonstruktion für Violine.

Den gefeierten Abschluss bildeten sechs Sätze der Suite für Streicher op. 8 des Komponisten Leo Janácek erneut dargeboten durch das Konsonanz-Ensemble. Die hochklassigen Musiker führten ihr Publikum an diesem Abend in eine ganz besondere Klangwelt der Klassik – das Spektrum reichte von gewaltig, verspielt bis überraschend, zart und manchmal durchdringend und bewirkte im Saal Begeisterungsstürme.

Der Samstag bot ein sehr gegensätzliches, aber noch imposanteres Programm: „Wir erleben weiteren Hochgenuss der Musikalität“, versprach Gerd Schröder bei seiner Begrüßung. Das Klaviertrio mit der Pianistin Risa Adachi, Cellist Matias de Oliveira Pinto und Geiger Iskandar Widjaja hatte in dieser Formation noch nicht zusammen gespielt.

Sie eröffneten den Abend mit dem Trio in G-Dur KV 564 von Wolfgang Amadeus Mozart in drei verspielten Sätzen. Weiter ging es opulent mit Antonin Dvoraks gewaltigem „Dumky Trio“.

Der zweite Teil nach der Pause bot ganz andere Klänge von Claude Debussy mit einer fast zeitgenössisch tönenden Cello-Sonate und Klavier (Prologue / Serenade et Final). Anschließend spielte Widjaja einen Teil aus „Vier Jahreszeiten“ von Astor Piazzolla. Den Abschluss bildete das gemeinsame „Invierno Porteño“ von Piazzolla.

Das Publikum erlebte eine Zeitreise der klassischen Musik von der Wiener Klassik bis zur Moderne mit einer außergewöhnlichen Auswahl der Stücke und Ausnahmekünstlern an ihren Instrumenten. 

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