Zukunft ungewiss

Gaststätte Scholvin-Ortmann in Riede lässt Betrieb ruhen

Die Gaststätte Scholvin-Ortmann in Riede lässt ihren Betrieb vorläufig bis Ende des Jahres ruhen. Denn es ist nicht absehbar, wann das Haus wieder größere Veranstaltungen ausrichten kann, das Kerngeschäft der Inhaberfamilie Scholvin-Ortmann. Unklar ist, wie es mit dem Haus weitergeht.

Riede – Der Gasthof Niedersachsen in Thedinghausen schließt noch in diesem Jahr seine Pforten. Mit der Geschäftsruhe des Rieder Betriebs ist dann ein zweites Traditionslokal in der Samtgemeinde zu.

Die katastrophalen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gastronomie haben Frank und Heike Scholvin-Ortmann diesen Entschluss fassen lassen. „Das ist eine wohlüberlegte betriebswirtschaftliche Entscheidung der beiden“, sagt Dr. Hartmut Meyer. Der Stader Unternehmensberater arbeitet freiberuflich für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und berät Gastronomen, so auch die Scholvin-Ortmanns.

Es ist Meyers Worten nach unvernünftig, auch nach den bevorstehenden Lockerungen der Corona-bedingten Regelungen für die Branche, „für zehn Tagesgäste“ den Betrieb wiederaufzunehmen und dafür Liquiditätskredite in Anspruch zu nehmen. Denn wann die nächste Hochzeit oder größere Veranstaltung im Haus gefeiert werden kann, ist ungewiss. „Das wird noch lange dauern“, sagt Dr. Meyer.

„In unserem Alter möchten und können wir keine weiteren Kredite aufnehmen“, sagt das Paar. Mit der Rückzahlung wäre das Rentenalter schon erreicht. Frank Scholvin-Ortmann ist 53 Jahre alt, seine Frau Heike 57. Seit der nicht schuldenfreien Übernahme des Betriebs von den Eltern im Jahr 1998 haben die beiden stets in das Lokal investiert und das Unternehmen modernisiert.

Es gibt neben der Corona-Situation den Inhabern zufolge noch einen zweiten Grund, nicht weiterzumachen: „Die geplante Errichtung einer Seniorenresidenz gleich nebenan wird es uns unmöglich machen, große Feiern zu veranstalten“, sagt Frank Scholvin-Ortmann.

Der Inhaber ist enttäuscht von der Gemeinde Riede. Auch eine gemeinsam mit den Anliegern initiierte Unterschriftenaktion führte zu keiner Änderung des Bauvorhabens. „Es ist einfach schade, dass die Behörden die Interessen der Investoren vor die eines Traditionsunternehmens stellen“, sagt Frank Scholvin-Ortmann.

Darüber hinaus sind die beiden auch von der grundsätzlichen Personalsituation in der Gastronomie betroffen. „Die Probleme, geeignetes Personal zu finden, das auch bereit ist, am Wochenende zu arbeiten, belasten uns sehr“, berichten die Scholvin-Ortmanns. Momentan beschäftigt der Betrieb sechs Festangestellte und mehr als 20 Aushilfen.

Heike und Frank Scholvin-Ortmann vor ihrem Traditionslokal in Riede.

Am Donnerstagabend informierten Frank und Heike Scholvin-Ortmann ihre festangestellten Mitarbeiter. „Sie haben emotional, aber auch verständnisvoll reagiert“, berichtet die Chefin von einem guten Gespräch. Am Freitagabend wandte sich das Paar an die Aushilfen. Und mit den Gästen, die für die kommenden Monate eine Veranstaltung gebucht hatten, treten die beiden auch noch persönlich in Kontakt.

Wie geht es weiter? Eine Verpachtung kommt für die Inhaber nicht in Betracht. „Wir wohnen ja gleich nebenan.“

Gastronomieexperte Hartmut Meyer hofft auf einen Nachfolger. „Das ist ein solide geführter, gesunder Betrieb.“ Der Dehoga-Berater kann sich vorstellen, dass ein Käufer womöglich zum neuen Jahr den Betrieb wiederaufnimmt. Er habe bereits Gespräche mit Banken geführt. Die Kreditunternehmen hätten sich offen dafür gezeigt, Existenzgründern unter die Arme zu greifen.

„Ein möglicher Nachfolger könnte sicherlich ohne die Lasten der Corona-Pandemie dieses Unternehmen gastronomisch erfolgreich weiterführen. Hierzu bedarf es aber auch einer klaren Positionierung der örtlichen Verwaltung, die Interessen und den Charakter des Gasthauses gegenüber auswärtigen Investoren in Einklang zu bringen“, sagt Hartmut Meyer.

Denkbar ist Meyer zufolge aber auch, das Areal an einen Investor aus der Baubranche zu verkaufen, damit der dann auf dem Gelände Wohnungen baut.

• Interessenten können sich an den Unternehmensberater Hartmut Meyer per E-Mail an contor21@t-online.de wenden.

Rubriklistenbild: © Köster

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