Gelbes Hornblatt erobert massiv Blender See / Experten sehen auch Vorteile

„So schlimm wie jetzt war es noch nie“

Viel Grün war schon immer ein Problem: Bilder vom Ausbaggern des angrenzenden Varster Sees sowie des Kanals zum Blender See um 1992: Heute ist wieder alles zugewuchert. Fotos: wolters

Blender – „So schlimm und so früh im Jahr habe ich das noch nie hier erlebt“, berichtet Fritz Bohlmann. Der mittlerweile 71-jährige Anwohner des Blender Sees meint die massive Ausbreitung der Hornblattbestände in dem Gewässer. Innerhalb einer Stunde seien problemlos mit Hilfe eines Krans schon mal drei Kubikmeter des Wassergewächses herausgehoben worden. Fast nichts im Vergleich zum Gesamtbestand. Die mehrere Meter breite, bis zum anderen Ufer geschlagene Schneise war nach rund vier Tagen wieder zugewachsen.

Den warmen, fast frostfreien Winter sieht Bohlmann als Hauptursache für die explosionsartige Vermehrung des Hornblatt-Befalls schon im Frühling. Normalerweise breite sich die Wasserpflanze erst gegen Ende Juni oder Anfang Juli aus. Aber mit den Temperaturen sei es ohnehin so eine Sache. In den vergangenen zwölf Jahren hätten die Kinder nur in einem einzigen Winter Schlittschuh auf dem See laufen können, verdeutlicht der Anwohner und erinnert sich an ganz andere Frostperioden in der eigenen Jugendzeit.

Wenn jetzt noch Entenflott über das Hornblatt wachse, sei der See bald völlig dicht, befürchtet Bohlmann. Giftig seien die Pflanzen zwar nicht, aber Baden und Schwimmen sei dann kaum noch möglich. Zudem entwickelten sich würmchenartige Bakterien, die zu pickelartigen Ausschlägen bei Menschen führen, hat er bereits erlebt. Dazu komme stark fauliger Gestank, wenn die Pflanzen vermodern und auf den Grund sinken.

Sehr schnell hat sich der Hornblatt-Bestand weit im Gewässer verbreitet. Nur einmal die lange Stange durchs Wasser gezogen, und schon hat See-Anwohner Fritz Bohlmann eine schwere pflanzliche Last am Haken. FotoS: LAUE

Den See aber frei zu räumen, sei leichter gesagt als getan. „Haben sie mal eben 100 000 Euro, um den Einsatz eines Schwimmbaggers zu bezahlen?“, deutet Bohlmann die aus seiner Sicht erforderlichen finanziellen Dimensionen an. Dass das Hornblatt so wuchert, sei im Übrigen auch durch die zu hohen und viel diskutierten Nährstoffeinträge in den Blender See bedingt, fügt er an. Von den unmittelbaren Anliegern stammen diese Einträge seiner Kenntnis nach aber nicht.

Der Blender Bürgermeister Andreas Meyer hatte auf der jüngsten Gemeinderatssitzung in Intschede auf den massiven algenähnlichen Hornblattbefall hingewiesen. Er habe sich deswegen schon mit Dr. Sandrock vom Rostocker Institut Bioplan in Verbindung gesetzt, das sich seit einiger Zeit mit dem Sanierungskonzept für den Blender See beschäftigt, teilte Meyer weiter mit.

Der Experte habe bestätigt, dass das für die Jahreszeit zu warme Wasser die schnelle Ausbreitung des Hornblatts fördere. Allerdings habe die Entwicklung auch positive Auswirkungen: Dieses Gewächs nehme eine Menge Nährstoffe auf, sorge damit für klares Wasser und verhindere so zugleich, dass sich die gefürchteten Blaualgenteppiche im Sommer ausbreiten.

Im Herbst sollte der Hornblattbestand möglichst wieder entfernt werden. Größere Probleme erwarte das Institut bei einem erneuten heißen und langen Sommer unter anderem für den Fischbestand, berichtete der Bürgermeister den Ratsmitgliedern noch.  la

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