Schlichten braucht eben Zeit

Neuer Schiedsmann in Thedinghausen: Walter Bergmann löst Hartmut Quast ab

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Walter Bergmann (Zweiter von rechts) beeindruckte durch seine ruhig-erfahrene Art im Vorstellungsgespräch bei der Gemeinde. Der 63-Jährige ist nun neuer Schiedsmann in Thedinghausen und wird von der auf diesem Feld seit Langem bewährten Gabriela Falke mit eingearbeitet. Die Achimer Amtsgerichtsdirektorin Sabine Reinicke (rechts) als Vertreterin der Dienstaufsicht und Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse begrüßten jetzt im Thedinghauser Rathaus offiziell den neuen Mann. 

Thedinghausen - Jeder Einzelfall sei zwar anders. Stets müsse ein Schiedsmann oder eine Schiedsfrau aber viel Zeit investieren beim Schlichten und sich wirklich intensiv mit der Sache beschäftigen. Das wissen Gabriela Falke aus Dibbersen und Hartmut Quast aus Wulmstorf beide genau.

Während sich die 57-jährige Gabriela Falke weiterhin und seit dem Jahr 2000 der ehrenamtlichen Aufgabe widmet, „bei der man immer auch für sich selber eine Menge dazulernt“, hört Quast auf – aus Zeitgründen.

Der 55-Jährige arbeitet in höherer Position bei der Bremer Polizei, muss sich in Wulmstorf um seine Familie und verstärkt um die über 80-jährigen Eltern kümmern. Da bleibt kein Raum mehr, sich auch als Schlichter zu 100 Prozent den einzelnen Fällen zu widmen, erläutert er.

Deshalb wurde per öffentlicher Ausschreibung ein Nachfolger gesucht – und in dem 63-jährigen Walter Bergmann aus Thedinghausen gefunden. Der Groß- und Einzelhandelskaufmann geht Ende Mai in Rente und hatte sich seit Längerem vorgenommen, im Ruhestand ehrenamtlich aktiv zu werden. Im Berufsleben engagierte er sich schon als Betriebsrat für andere.

Geruchsbelästigung, Lärm, Grünschnitt

Ende Januar wird er nun in einem Lehrgang auf seine neuen Aufgaben und Anforderungen vorbereitet. Daneben vermittelt ihm natürlich Schiedsfrau Gabriela Falke wichtige Erfahrungen weiter.

Eine Stunde Telefongespräch sei nichts, wenn sich Bürger über andere beschweren, machte sie schon deutlich. Und wenn sie „mal eben“ zu einem Schiedsfall fahre, seien auch zwei Stunden schnell vorüber.

Um Geruchsbelästigung etwa beim Grillen, um nachbarschaftlichen Lärm, ums Beschneiden oder nicht Zurückschneiden von Bäumen und ähnliche Streitereien gehe es oft.

Ihre „Erfolgsquote“ in Zahlen oder Prozenten auszudrücken, lehnt sie ab. Es gebe aber eindeutig mehr Erfolg als Scheitern, macht Gabriela Falke deutlich.

Unbedingte Neutralität

Sie erlebe auch immer wieder positive Überraschungen in Fällen, bei denen sie selbst eine Einigung kaum für möglich gehalten hätte. Doch auch wenn die Schlichtung nicht klappt, sei es wichtig, trotzdem eine erträgliche Nachbarschaft zu erreichen, betont sie.

Der scheidende Schiedsmann Hartmut Quast wies besonders auf die Bedeutung der unbedingten Neutralität beim Schlichten hin. Schon wenn sich eine Schiedsperson auf einen Kaffee bei einer der zerstrittenen Parteien einladen lassen, könne das zu größtem Misstrauen auf der anderen Seite führen.

Wenn aber eine Einigung schriftlich vereinbart und durch Unterschriften besiegelt ist, sei sie auch rechtlich bindend, betonte die Achimer Amtsgerichtsdirektorin Sabine Reinicke.

Sie war als Vertreterin der Dienstaufsicht zur offiziellen Amtseinführung von Walter Bergmann und der mit Dank verbundenen Verabschiedung des Vorgängers ins Thedinghauser Rathaus gekommen. Den Schiedsleuten in den Gemeinden Achim, Oyten, Ottersberg und Thedinghausen steht sie speziell auch bei Sachfragen aus dem juristischen Bereich stets zur Verfügung.

Wurzeln im preußischen Rechtssystem

Die neutralen Ansprechpartner in Konfliktfällen seien erstmals auf Grundlage des preußischen Rechtssystems im Jahre 1827 eingesetzt worden, erläuterte die Amtsgerichtsdirektorin.

Seitdem haben sich Schiedsmänner und -frauen offenbar immer wieder bewährt, und auch auf Walter Bergmann setzt Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse große Hoffnungen.

Im Vorstellungsgespräch bei der Gemeinde habe der 63-Jährige jedenfalls mit seiner ruhigen und sachkundigen Art schon sehr beeindruckt. - la

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