Liebeserklärung an Kinder

Schlafmangel und sonstiger Mütterfrust: Autorin Rike Drust liest im Erbhof

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Rike Drust las im Saal des Thedinghauser Erbhofs. Die gebürtige Achimerin, jetzt in Hamburg lebend, traf auf ein interessiertes Publikum, darunter vorwiegend „Leidensgenossinnen“ der Autorin, die auf meist humorvolle Weise das Mutterdasein beschrieb.

Thedinghasen - Mit strahlendem Lächeln blickte Rike Drust umher, mal vorn am Tisch sitzend, dann aufspringend und eine Bekannte begrüßend. Sie kennt viele der etwa 40 Besucher, überwiegend Frauen, darunter viele junge Mütter, die am Donnerstagabend in den großen Saal des Thedinghauser Erbhofs kamen, und sie begrüßte jede von ihnen mit freundlichen Worten und manche zudem mit einer Umarmung. „Muttergefühle. Zwei“ lautet der Titel ihres Buches, aus dem sie las.

Nicht nur aus der Samtgemeinde, sondern auch von weiterher kamen die Zuhörerinnen, die weiteste Anreise hatte eine Dame aus Hannover, stellte Gleichstellungsbeauftragte Bianca Lankenau fest, die die Veranstaltung organisiert hatte. „Als ich Rike Drusts erstes Buch gelesen hatte, empfand ich es als unglaublichen Trost, dass man mit negativen Gefühlen über das Muttersein nicht allein steht. Das Buch hat mir über eine Durststrecke von sechs Monaten hinweg geholfen, bis mein Kind in die Krabbelgruppe kam“, leitete Lankenau den Abend ein.

‚Ach, das ist fast zuhause“

Klar, dass sie auch den Folgeband las, und ebenso klar, dass sie dessen Inhalt mit anderen Müttern teilen wollte. „Ich fragte die in Hamburg lebende Autorin, ob sie es sich vorstellen könnte, in einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Bremen zu lesen. Sie antwortete fröhlich: ‚Ach, das ist fast zuhause‘“, berichtete Lankenau dem amüsierten Publikum, wie die Lesung zustande kam. Rike Drust stammt aus Achim.

Drust blickt in ihrem Buch humorvoll und ehrlich auf die ersten Jahre mit ihrem zweiten Kind zurück, die ihr ein Wechselbad der Gefühle bescherten. So war sie mal entzückt über das Babylächeln, mal schlecht gelaunt, wenn das Geschrei kein Ende nehmen wollte, mal genervt, wenn sie nächtelang wachblieb. Aufmerksam hörte das Publikum zu, wie Drust die Geburt ihrer Tochter empfand, die sie wie ihren Sohn per Kaiserschnitt zur Welt brachte. Dabei wollte sie eine natürliche Geburt. 

„Ein Bombenstart, ich war begeistert“

Letztlich folgte sie dem Rat der Ärzte, denn das Baby in ihrem Bauch war sehr groß. Die Zeit kurz vor der Geburt beschrieb sie so: „Es fühlte sich an wie ein Kind, das nicht vom Spielplatz nach Hause kommen will, nur von innen.“ Dann war die Tochter da: „Ein Bombenstart, ich war begeistert. Der Arzt auch – aber von seiner Naht“, las die 42-Jährige, und die Zuhörerinnen lachten. In weiteren Kapiteln machte sie sich Gedanken darüber, ob das Baby bei Mama im Bett oder allein schlafen sollte, über Elternzeit, die die junge Familie zu viert intensiv genoss, über den Schlafmangel, den daraus resultierenden Frust und die folgenden Gedanken, eine schlechte und ungerechte Mutter zu sein.

Drusts Hustenanfall unterbrach die Lesung, da halfen auch Wassertrinken und Bonbons nicht, die hilfsbereite Besucherinnen ihr zusteckten. Also Pause. Die nutzten die Gäste, um sich am Tisch der Bücherkiste Riede umzusehen und einen Band zu kaufen, den sie am Schluss signieren ließen. Man plauderte angeregt, auch mit der Autorin, die sich erholt hatte und wieder unbeschwert reden konnte.

„Empathische kleine Menschlein“

Mütter im Publikum fühlten mit Drust, als sie über den Ärger mit dem Essen las. „Ach“, seufzte jemand. Die Kräuterphobie ihres Sohnes habe auch ein Gutes, fand die Autorin: „Was er jetzt nicht isst, wird er später auch nicht rauchen.“ Gelächter. Auch „der Mann“, also ihr Ehemann, bekam sein Fett weg – er war ja nicht dabei. Als es um die Aufgabenverteilung zwischen Mann und Frau ging und darum, ihre Bedürfnisse mitzuteilen. „Ist es eine Wunschwelt, den Kindern nicht so oft alles sagen zu müssen? Oder, wenn die Kinder alles sofort machen, haben sie dann Angst vor mir?“, fragte sie im folgenden Kapitel.

Es folgte eine Liebeserklärung an Kinder im allgemeinen und ihre Sprösslinge im besonderen, „empathische kleine Menschlein“, die darin gipfelte, dass sich Drust als Mutter selbst feiert. „Weil Mütter viel zu selten gelobt werden, es für selbstverständlich gehalten wird, was Mütter leisten, und dass Mütter ihrem Nachwuchs Freundlichkeit, Empathie und Selbstbewusstsein mitgeben.“ Das Publikum stimmte mit kräftigem Applaus voll und ganz zu. 

is

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