Agrarpolitische Sprecherinnen sagen Unterstützung zu

Schlachthof Schwarme: Infobesuch auf Biohof in Thedinghausen

Vorort-Besuch auf dem Biohof Böse-Hartje: (v.l.) Schlachthof-Projektmanager Wolfgang Golasowski, Karin Logemann (SPD), Johanna Böse-Hartje, Dörte Liebetruth (SPD), Elisabeth Böse, Miriam Staudte (Grüne), Claudia Elfers (Verein Besser essen aus Achim) und Ottmar Ilchmann (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft)
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Vorort-Besuch auf dem Biohof Böse-Hartje: (v.l.) Schlachthof-Projektmanager Wolfgang Golasowski, Karin Logemann (SPD), Johanna Böse-Hartje, Dörte Liebetruth (SPD), Elisabeth Böse, Miriam Staudte (Grüne), Claudia Elfers (Verein Besser essen aus Achim) und Ottmar Ilchmann (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft).

Thedinghausen-Eißel – Über die Idee, einen neuen regionalen Schlachthof in Schwarme zu betreiben (wir berichteten), haben sich jetzt die beiden agrarpolitischen Sprecherinnen ihrer Parteien im Landtag, Karin Logemann (SPD) und Miriam Staudte (Grüne), auf dem Biohof Böse-Hartje in Thedinghausen-Eißel informiert. Beide Politikerinnen sagten dem Projekt ihre Unterstützung zu.

Eine Genossenschaft aus Bio-Landwirtinnen und -landwirten aus der Region will in der benachbarten Gemeinde im Landkreis Diepholz fünf Millionen Euro investieren, um dort etwa 50 Rinder und 100 Schafe pro Woche zu schlachten, von Haltern aus der biologischen Landwirtschaft, aber auch von konventionell wirtschaftenden Bauern. Hintergrund ist unter anderem der Wegfall von kleineren Schlachtbetrieben im Land, auch wenn sich das CDU-geführte Landwirtschaftsministerium unter Ministerin Barbara Otte-Kinast auf die Fahnen geschrieben hatte, pro Landkreis einen Schlachthof zu etablieren. Dezentral operierende Schlachthöhe seien über die Fraktionen hinweg gewünscht, sagte Karin Logemann.

Vor allem die Konsumenten würden heute bei der Nachfrage nach Tieren aus artgerechter Haltung auch das Thema Transportwege ansprechen, hieß es. „Die Kunden wollen immer wissen, wo und wie das Tier geschlachtet wird“, berichtete Johanna Böse-Hartje, die mit ihrer Schwester Elisabeth zur Genossenschaft mit dem Namen Regionalbauern & Fleischerhandwerk gehört, der Runde.

Den Schwestern und den Partnern der Genossenschaft geht es neben der Aufwertung des Schlachterberufs weg vom täglichen Dauertöten auch um den ökologischen Aspekt der artgerechten Weidehaltung: Entgegen der landläufigen Meinung sei die Grünlandwirtschaft ein wichtiger CO2-Speicher. „Das ist der Regenwald des Nordens“, sagte Elisabeth Böse.

Zur Vermeidung langer Transportwege zum Schlachthof würde der Genossenschaft in den Überlegungen zur Einrichtung eines Regionalschlachthofs laut Elisabeth Böse auch eine Novelle im EU-Recht in die Karten spielen. Bislang durfte demnach ein Tier nicht tot zum Schlachthof gebracht werden. Die Gesetzesänderung im europäischen Recht sehe nun aber vor, mittels eines sogenannten mobilen Schlachthofs das Tier bereits auf dem landwirtschaftlichen Hof zu töten. Voraussetzung sei, dass das Tier innerhalb einer Minute betäubt und getötet werde; nach dem Ausbluten müsse es dann binnen zwei Stunden zum eigentlichen Schlachthof zur Verarbeitung gebracht werden, so Elisabeth Böse.

Kritik wurde im Rahmen des Informationsbesuchs indes an der neuen Vorgabe des CDU-Agrarministeriums laut, dass ein Antrag auf Förderung erst gestellt werden dürfe, wenn die gesamte Genehmigungsplanung (Baugenehmigung und Gutachten nach dem Emissionsgesetz) in trockenen Tüchern ist. Früher habe eine positiv beschiedene Bauvoranfrage ausgereicht, hieß es.

Laut dem Projektmanager der Genossenschaft, dem ehemaligen Bremer Umweltstaatsrat Wolfgang Golasowski aus Thedinghausen, müssten 240 000 Euro für die gesamte Vorabplanung vorfinanziert werden. Geld, das die Genossenschaft nicht aus der Portokasse nehmen kann. „Nur große Schlachtkonzerne können das aufbringen“, sagte die Grünen-Landtagabgeordnete Miriam Staudte. Kollegin Karin Logemann von der SPD, die ja bekanntlich in der Regierung als Seniorpartnerin sitzt, versprach, mit Ministerin Otte-Kinast wegen des Problems zu sprechen. „Ansonsten müssen wir auf eine neue Landesregierung warten“, sagte Elisabeth Böse.

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