Rollstühle mit Vorsatz kommen kaum durch die Wehrabsperrung

Schikane oder Entgegenkommen?

Mit seinem Rollstuhl mit Vorsatzhandbike hat Berthold Bruns (vorne) allergrößte Mühe, das Absperrgeländer zu umkurven. Radfahrer müssen zumindest absteigen. Foto: sp

Intschede – Dass das Intscheder Wehr seit einigen Monaten und auch noch für längere Zeit aufgrund notwendiger Bauarbeiten für den Fahrzeugverkehr gesperrt wurde, ist für viele Anwohner aus beiden Seiten des Weserüberganges ein großes Ärgernis.

Zum Glück gibt es ja (noch) die Möglichkeit, zu Fuß oder per Fahrrad auf die jeweils andere Flussseite zu gelangen. Doch nicht alle können sich über dieses Angebot freuen. Fahrräder mit Anhänger, Zwillingskinderwagen, größere Rollstühle oder solche mit einem so genannten Rollstuhl-Vorsatzhandbike haben allergrößte Schwierigkeiten, die Absperrgeländer, die versetzt hinter den massiven Beton-Sperrblöcken angebracht worden sind, zu überwinden.

Zu ihnen gehört Berthold Bruns aus Blender, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist und der bereits auf der jüngsten Blender Ratssitzung seinen Unmut über diesen Zustand zum Ausdruck brachte. Bruns meint: „Ich freue mich, dass ich mit Hilfe meines Rollstuhl-Vorsatzes noch einigermaßen mobil sein kann. Ich fahre sogar in der Senioren-Radlergruppe aus Blender mit. Doch am Wehr hapert es stets.“ Dabei zeigt er auf die hinderlichen im Zickzack aufgestellten Absperrgitter. Er misst mit dem Zollstock: „Gerade einmal 1,25 Meter Abstand zwischen den Geländern – und dann muss man auch noch um die enge 180-Grad-Kurve.“

Wie zur Bestätigung seiner Worte kommt in diesem Moment von der anderen Seite „Ratze“ Ratje Bischof mit seinem Rollstuhl auf die Absperrung zugefahren. Auch er schimpft. „Hier kommt man ohne Hilfe kaum durch. Wer hat sich diese Schikane bloß ausgedacht?“

Auch für „normale“ Pedalritter ist das behördlich gewollte Hindernis keine Freude. Schließlich muss man zum Durchschlängeln absteigen. Heinz-Dieter Brand aus Cluvenhagen und Jochen Speer aus Blender, beide häufiger mit ihren jeweiligen Radfahrgruppen unterwegs, meinen übereinstimmend: „Es ist schon richtig, dass durch bauliche Maßnahmen verhindert werden soll, dass verbotenerweise Motorradfahrer über das Wehr fahren. Doch hier wurde über das Ziel hinausgeschossen.“

Dabei, so die versammelten Rollstuhlfahrer und Radfahrer unisono, wäre Abhilfe so einfach. Man müsste nur das mittlere der Absperrgitter herausnehmen. Schon wäre Platz genug.

Beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Verden hat man durchaus Verständnis für die Nöte der überdimensionierten unmotorisierten Fahrzeuge. Aber Olaf Nitsch vom WSA hat eine etwas andere Sichtweise: „Eigentlich hätte die Wehrüberfahrt komplett gesperrt werden müssen. Als Signal des guten Willens und als ein Entgegenkommen für Radler und Co. haben wir jedoch die Möglichkeit geschaffen, dass diese hier weiterhin über die Weser kommen. Vertreter der Kreisstraßenmeisterei und des Landkreises haben die Situation kürzlich vor Ort in Augenschein genommen. Dabei wurde klar festgestellt, dass Standard-Rollstuhlfahrer die Absperrgeländer problemlos passieren können. Die vorgegebenen Normmaße werden eingehalten. Für Fortbewegungsmitteln mit angebrachten Sonderkonstruktionen geht das nicht immer. Aber viel weiter können wir den Durchlass nicht öffnen, weil sonst auch Gefährte durchkommen würden, die absolut nicht erwünscht sind.“ Landkreis, Kreisstraßenmeisterei und WSA wollen die Sache dennoch im Auge behalten.

Alle „Klagenden“ wissen, das Ende des Jahres das Wehr auch für Radfahrer komplett geschlossen wird – und dann für mindestens drei Jahre. Und alle hoffen, dass sich die zuständigen Behörden vielleicht noch etwas einfallen lassen, damit zumindest in Teilen der Bauzeit auch Fahrräder irgendwie über das Wehr kommen – und sei es schiebend.

Dem schiebt Olaf Nitsch schnell einen Riegel vor. „Aus bautechnischen Gründen und aus Sicherheitsaspekten wird das nicht möglich sein.“  sp

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