Samtgemeinderat stellt Weichen für Bau einer Erbhof-Gastronomie / „Frackingfrei“ als symbolisches Bekenntnis

Remise: Erbbaupacht statt selbst zahlen

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An vielen Stellen der Samtgemeinde wird durch „Rote Hände“ oder „Rote Kreuze“ gegen Fracking protestiert. Nun hat sich auch der Samtgemeinderat klar gegen diese Gasfördermethode positioniert.

Samtgemeinde/Felde - Die Samtgemeinde Thedinghausen schließt einen Erbbaupachtvertrag mit den Eheleuten Iwona Szajter-Osieca und Jacek Osiecki für die Erbhof-Remise samt zugehörigem Grundstück von rund 900 Quadratmetern ab. Das beschloss der Samtgemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung am Dienstagabend im Gasthaus Schierloh in Felde.

Wie Bürgermeister Harald Hesse mitteilte, entfalle dadurch für die öffentliche Hand die umstrittene Investition von rund einer halben Millionen Euro in den Umbau der Remise zu einem Gastronomiebetrieb.

Angesichts der Vielfalt an Veranstaltungen und Besuchern wurde und wird die Einrichtung einer Gastronomie auf dem Erbhof allgemein für unverzichtbar gehalten – auch wenn es über Art und Höhe der Finanzierung Differenzen gab (wir berichteten). Das Bauvorhaben wird jetzt von den Eheleuten Osiecki durchgeführt, die zuvor lange Jahre die „Alte Wassermühle“ in Fischerhude betrieben. Ein Finanzplan für das neue Vorhaben steht und wurde von den Banken abgesegnet.

Der Erbbauvertrag läuft über 50 Jahre. Wie Verwaltungschef Hesse mitteilte, werden die künftigen Betreiber eine geringe Erbpacht an die Samtgemeinde zahlen. Hesse: „Dieses Verfahren hilft beiden Seiten.“

Die Baugenehmigung fehlt noch, doch die Rahmenbedingungen sind abgesteckt. Die Remise wird zum Teil abgerissen, zum Teil bleibt sie stehen. Allgemein wird davon ausgegangen, dass ein privater Investor das Bauprojekt günstiger „hochziehen“ kann als die Samtgemeinde, weil er sich nicht an starre Ausschreibungsregeln halten muss. Ob, wie ursprünglich vorgesehen, die neue Gaststätte schon zum Jahresende bezugsfertig sein wird, ist noch offen. Doch spätestens im nächsten Jahr dürfte mit dem Bauvorhaben eine große Lücke im Erbhof-Gesamtkonzept geschlossen werden.

Ferner beschloss der Samtgemeinderat, sich mit 80 Prozent an den anfallenden Kosten für die Schulkinderbetreuung durch den Kindergarten Riede zu beteiligen. Der Beschluss beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Gemeinde Riede (dort steht das Thema aktuell an), sondern gilt auch für Thedinghausen, Blender und Emtinghausen. Die Regelung gilt ab dem neuen Schuljahr). Rolf Thies (Blender) kommentierte: „Es ist richtig, dass sich der Schulträger an den Kosten beteiligt.“

Ebenso einstimmig erklärte das Gremium zudem die ganze Samtgemeinde zur „Frackingfreien Zone“ und entsprach damit einem Antrag der Grünen Liste. Für diese hatte Harald Hemmje (Emtinghausen) zuvor noch einmal erläutert: „Wir müssen mit positivem Beispiel vorangehen und Stellung beziehen – auch wenn es hier vorrangig um einen symbolischen Akt geht.“ Sein Parteifreund Karl-Heinz Rengstorf (Oiste) fügte hinzu: „Wir wollen auch ein deutliches Signal an die Bundes- und Landesregierung sowie die Konzerne senden.“

Ob die „Frackingfreie Samtgemeinde“ ihre Position auch nach außen sichtbar macht – beispielsweise durch ein „Rotes Kreuz“ oder eine „Rote Hand“ am Rathaus, wie vielfach in der Samtgemeinde zu sehen, ist noch nicht entschieden. Bürgermeister Harald Hesse liebäugelte mit diesem Gedanken. Viele Ratsmitglieder wollen diesen Nebenaspekt noch einmal überschlafen und dann darüber auf der nächsten Sitzung entscheiden.

Skeptisch äußerte sich Hesse mit Blick auf die Anregung von Ilse Lange von der Bürgerinitiative „Mehr Schulwegsicherheit an Landesstraße“. Sie schlug während der Einwohnerfragestunde vor, einen Link auf der Homepage der Samtgemeinde einzurichten, der direkt zu den verschiedenen Bürgerinitiativen führt. Lange: „Das wäre ein Service für den Bürger.“ Verwaltungschef Hesse sah hingegen die Gefahr, dass dieses Forum dann allen Initiativen und Bewegungen offen stehen müsse – auch denen, die nicht erwünscht seien. Auch in dieser Sache wird der Samtgemeinderat, nach Konsultationen mit der Verwaltung, später entscheiden.

Ein Vortrag der Gleichstellungsbeauftragten Bianca Lankenau zum Thema „Gender Mainstreaming“ rundete die Ratssitzung ab. Lankenau machte deutlich, dass auf die Samtgemeinde in Punkto Gleichberechtigung noch einige Arbeit zukommen wird – wobei der Teufel mitunter im Detail steckt.

sp

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