Manager mit dem Blick von außen

Samtgemeindebürgermeisterwahl in Thedinghausen: Sebastian Theiling tritt als Einzelbewerber an

Sebastian Theiling auf seiner selbst gebauten Terrasse mit seinem Hund Bruno
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Sebastian Theiling auf seiner selbst gebauten Terrasse mit seinem Hund Bruno.

Thedinghausen – „Ich muss mich den Menschen erstmal bekannt machen“, sagt Sebastian Theiling. Dazu war er bereit, viel Geld in die Hand zu nehmen. Sein Gesicht ziert inzwischen Hunderte Plakate, Aufsteller, Anhänger und andere großformatige Oberflächen zwischen Riede und Blender, Intschede und Emtinghausen. In Thedinghausen sowieso. Denn dort wohnt Sebastian Theiling.

Der Familienvater will im September zum Samtgemeindebürgermeister gewählt werden. Er ist 42 Jahre alt. Auf den Wahlplakaten sieht er ein bisschen älter aus als in natura. Macht vielleicht die Brille. „Soll ich die zum Foto aufsetzen?“ Nein.

Theiling trommelt bisher ein bisschen mehr als die anderen. Denn seine beiden Mitbewerberinnen Anke Fahrenholz und Christiane Siemer sowie sein Konkurrent Thomas Metz sind alle mehr oder minder lange in der (Thedinghauser) Lokalpolitik dabei und mehr oder minder fest verwurzelt oder schon sehr gut angewachsen. Das haben sie ihm voraus. „Sie haben einen deutlichen Vorteil“, gibt Theiling zu.

Darum musste sich der gebürtige Herforder Gedanken machen. Außer mit der üppigen Plakat-Kampagne sucht er den Kontakt über regelmäßige Präsenz. Im Zentrum an der Braunschweiger Straße hat er eine Ladenzeile angemietet und dort seine „Machbar“ eingerichtet. Dorthin sollen die Bürgerinnen und Bürger kommen und Theiling kennenlernen und ihm ihre Ideen und Vorschläge unterbreiten.

Wer von den Kandidatinnen und Kandidaten nicht auf Bürgernähe setzen würde im Wahlkampf, zumindest nicht betonen würde, wie wichtig es sei, zuzuhören, wäre natürlich ein schlechter Kandidat. Das gehört zur Rhetorik des Selbstverständlichen. Doch Sebastian Theiling ist eben auf maximalen Kontakt angewiesen. Darum besucht er zum Beispiel seit Wochen jede Ratssitzung in den Mitgliedsgemeinden. „Ich muss mich ja auf Stand bringen“, sagt er, als er am Montag nach dem Ende des öffentlichen Teils der Emtinghauser Ratssitzung aus der Schützenhalle in Bahlum kommt und in sein Auto steigt, dessen Türen sein Konterfei ziert.

Dabei ist Theiling beileibe kein Neubürger. Seit 2010 wohnt er mit seiner Frau Judith in der Eyter-Metropole. Vor acht Jahren brachte sie Sohn Paul Hugo zur Welt. Das war im März 2013. Im Juni desselben Jahres musste der frisch gebackene Papa nach Etten-Leur in die Niederlande. Eine von vielen verschiedenen Stationen, die Theiling als Manager im Lidl-Konzern betreut hat. Neben Münster, München, Berlin. Schwanewede war da schon – als Dienstsitz für den Geschäftsbereich Nienburg/Sulingen/Bremen und umzu – in der Nähe. Am Ende trug er als Geschäftsführer Verantwortung für alle wesentlichen Konzernbereiche des Discounters, also Personal, Vertrieb, Logistik und Immobilienverwaltung. Er war Chef von 2 000 Mitarbeitern.

Doch als ihn seine Vorgesetzte wieder mit der Leitung eines weit entfernten Geschäftsbereichs betrauen wollte, sagte er Nein. Paul Hugo sollte ihn wenigstens vom Zubettbringen kennen.

Theiling kündigte und wollte sich eigentlich als Immobilienmakler selbstständig machen. Das war im Frühjahr. Alle erforderlichen Zusatzausbildungen von Industrie- und Handelskammer sowie von der Dekra waren in der Tasche, die Kugelschreiber schon fertig. Dann trat Rainer Klukowski von der Unabhängigen Bürgerliste (UBL) auf Empfehlung eines anonymen Hinweisgebers („Da ist einer, eine ausgebildete Führungskraft, der arbeitet ergebnis- und zielorientiert“) an Theiling heran und fragte ihn, ob er es machen würde. Nach zwei Wochen Bedenkzeit mit vielen Gesprächen mit Freunden und Gattin („Meine Frau ist meine größte Kritikerin und ehrlich zu mir“) traf er die Entscheidung zu kandidieren. Theiling tritt als Einzelbewerber an, ohne Mitglied einer Partei oder Gruppe zu sein. Aber mit der Unterstützung der UBL sowie der FDP und Heinz von Hollen.

Mit dem Blick von außen, ohne aber fremd zu sein, hat er auch Ideen, was er auf jeden anders machen will: „Wo will man in Thedinghausen hin?“ Es fehle bei den Projekten und Entscheidungen die strategische Ausrichtung. „Ein einfaches Beispiel: Wie groß möchte ich als Samtgemeinde werden bis 2035? Wenn ich bis dahin, sagen wir, von 15 000 auf 17 500 Einwohner wachsen will, dann muss ich auch an die infrastrukturellen Maßnahmen denken.“ Bei der Ausweisung neuer Wohngebiete seien Kitas, Schulen, Mobilität, Digitalisierung, Nahversorgung und vieles mehr zu berücksichtigen. Alle zusammen müssten sich Gedanken machen, nicht nur für sich in den einzelnen Gemeinden, sondern alle Bürger, die Verwaltung und der Samtgemeinderat. „Es fehlt die Gesamtschau. Das könnte man ganzheitlicher, professioneller angehen.“

Als Samtgemeindebürgermeister würde er auf dieses strategische Prinzip großen Wert legen, sagt Theiling. Als Chef der Verwaltung würde er dann machen, was er auch als Lidl-Manager gemacht hat. „Die Arbeit besteht zu 70 bis 80 Prozent in der Ausübung von Führungsaufgaben. Und das kann ich zu 100 Prozent.“ Die restlichen 20 bis 30 Prozent seien politische Moderation und Einarbeitung in die verschiedenen Themenfelder. „Das habe ich auch immer gemacht. Ich habe gelernt, Milch, Mehl und Zucker zu verkaufen und später – Bebauungspläne zu lesen“, sagt der ausgebildete Einzelhandelskaufmann und studierte Betriebswirt.

Apropos Wirt: Auch Theiling beschäftigt, dass in der Samtgemeinde Schlag auf Schlag die Gaststätten zugemacht haben. Dabei seien Treffpunkte für Jung und Alt so wichtig. Darum würde er sich kümmern, verspricht er, auch wenn Gaststätten mit Kneipenkonzepten von vor 30 Jahren heute nicht mehr funktionieren würden. Es habe ihn gewundert, dass er am Pfingstmontag mit geschätzt 200 Menschen im Baumpark war, aber nicht in das Restaurant konnte, weil es geschlossen hatte,

Zunächst geht es ihm aber darum, sich den Leuten bekannter zu machen. Dass er innerhalb von zwei Wochen als Kandidat ohne Stallgeruch 230 Unterstützerunterschriften für seine Kandidatur im Rathaus abgeben konnte, wertet Sebastian Theiling schon mal als gutes Zeichen.

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