Sozialarbeit läuft auch unter Corona-Bedingungen

Jugendzentrum Thedinghausen: Rund um die Uhr erreichbar

Sozialarbeiterin Lena Krieger, hier mit dem Jugendzentrum-Logo auf Mütze und Sweat-Shirt, betreut „ihre“ Jugendlichen derzeit viel über Social-Media-Kanäle. Das Handy spielt dabei eine große Rolle.
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Sozialarbeiterin Lena Krieger, hier mit dem Jugendzentrum-Logo auf Mütze und Sweat-Shirt, betreut „ihre“ Jugendlichen derzeit viel über Social-Media-Kanäle. Das Handy spielt dabei eine große Rolle.

Thedinghausen – Das Thedinghauser Jugendzentrum (JZ) ist derzeit geschlossen – Corona lässt grüßen. Nun könnten die dort beschäftigen Sozialarbeiter/innen doch eigentlich einen ruhigen Tag auf dem heimischen Sofa verbringen – aber weit gefehlt.

Das ging unter anderem aus dem Tätigkeitsbericht hervor, den Sozialarbeiterin Lena Krieger, die zusammen mit Euke Jörgen Koos im JZ für die Jugendarbeit zuständig ist, jetzt dem Sozialausschuss vorlegte.

Die 39-jährige, die gerade erfolgreich ihren Studienabschluss als Sozialpädagogin (Bachelor) hingelegt hat, erzählt: „Das Jahr 2020 stand nahezu komplett unter dem Einfluss der Covid-19-Epidemie. Wir durften das Jugendzentrum am Burgplatz im vergangenen Jahr die meisten Monate nicht öffnen – gleichwohl wollten und mussten die Jugendlichen weiterhin betreut werden – vielfach in diesen Zeiten noch mehr als zuvor. Darum galt es kreative Lösungen zu finden.“

Die Kommunikation wurde deswegen kurzerhand unter Inanspruchnahme von Diensten wie Facebook, Instagram, WhatsApp und anderen auf digital umgestellt. Natürlich so, dass im Einzelfall die Privatsphäre geschützt war (Verschlüsselung).

Lena Krieger: „Diese Plattform hat sich absolut bewährt. Sie wird oft und gerne genutzt und hat durchaus den Nebeneffekt, dass so etwas wie ein ‘Wir-Gefühl’ geschaffen worden ist.“

Die Sozialpädagogin führt weiter aus. „Die Nutzung dieser Social-Media-Kanäle war dabei nicht vorwiegend freizeitorientiert ausgelegt, sondern orientierte sich an konkreten Projekten und Konzepten, die von den Jugendlichen mit erarbeitet wurden. In diesen Angeboten steckten Herausforderungen, neudeutsch Challenges, für die die Jugendlichen kreative Lösungen erarbeiten mussten.“

Lena Krieger zählt einige Beispiele auf. „Wir haben Profilbilder angelegt, uns an der Nordstein-Aktion beteiligt, Oster- und Weihnachtsgrüße erarbeitet, ein Fitnessprogramm aufgelegt, in alten Kinderfotos gekramt und darüber geredet, Kranich-Origami gebastelt, ein Corona-Logbuch erstellt und einiges mehr. Außerdem haben wir eine JZ-Logo kreiert, dass eigens hergestellte Mützen, T-Shirts und Sweat-Shirts ebenso ziert wie ein großes wetterfestes Plakat, das bei Veranstaltungen einen Wiedererkennungswert hat.“

Bei all diesen Gruppen-Aktivitäten kam aber auch die Einzelbetreuung in der Lockdown-Phase nicht zu kurz. Lena Krieger: „Wie haben einen festen Stamm von rund 25 Jugendlichen – Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 18 Jahren. Insgesamt haben 2020, wenn auch unregelmäßig, rund 100 Kids das JZ besucht. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund lag und liegt im Mittel etwa bei 40 Prozent. Unsere Klientel braucht durchaus auch Hilfestellung bei Problemen. Das geht beim Liebeskummer los, über Ärger in der Schule, Drogenproblemen bis hin zu Schwierigkeiten zu Hause. Hier sind wir beratend und helfend zur Stelle. Wenn nötig, gehen wir auch in die Familien oder sprechen mit der Schule oder dem Arbeitgeber.“

Lena Krieger weiter: „Das Vertrauensverhältnis zu unseren Schützlingen ist inzwischen so gut, dass sie uns auch ansprechen, wenn sie Hilfe brauchen. Einzelgespräche sind dabei im persönlichen Kontakt unter einem speziellen Hygienekonzept auch im Jugendzentrum möglich. Unser Ziel ist letztlich, die jungen Menschen in ihrer Entwicklung zu einem selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Leben zu begleiten.“

Manchmal ist auch einfach nur praktische Unterstützung gefordert – so beim Ausfüllen von Formularen für Wohngeld, Fahrtkostenhilfe, bei gerichtlichen Verfahren oder Verlängerung von Aufenthaltsdokumenten junger Flüchtlinge. Lena Krieger: „Die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung ist dabei sehr gut.“

Die Sozialpädagogin erklärt weiter: „Wir haben eher mehr zu tun als in Vor-Corona-Zeiten. Das liegt auch daran, dass die Telefonnummer des Jugendzentrums direkt auf mein Handy oder das meines Kollegen umgeleitet wird – 24 Stunden am Tag. Wir sind also fast immer erreichbar und ansprechbar.“ Die 39-Jährige weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Thedinghauser Jugendzentrum mittlerweile eine der wenigen Stellen im Umkreis ist, an der Jugendliche ihre Sozialstunden unter fachlicher Begleitung ableisten können.

Lena Krieger, die mittlerweile acht Jahre im Thedinghauser Jugendzentrum beschäftigt ist, blickt nach vorne: „Eine Aufgabe wird sein, uns enger mit anderen Trägern der Jugendarbeit im Ort und in der Region mit Blick auf Kooperationsprojekte zu vernetzen. Natürlich hoffen auch wir, dass wir bald wieder unter normalen Bedingungen arbeiten können. Mit dem neuen Logo wollen die Jugendlichen der Öffentlichkeit endlich präsentieren, wer zum Jugendzentrum gehört und darauf aufmerksam machen. Unser Außenplatz mit Grillhütte bietet sich im Sommer für derartige Events geradezu an. Schließlich ist nach wie vor jeder Jugendliche bei uns willkommen.“ sp

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