Gemeinderat will Temporeduzierung auf Thedinghauser Straße

Rieder Stoßgebete

Verblassendes Schild.

Riede - Von Philipp Köster. Bei der Schilderung dessen, was sich morgens und mittags an der Thedinghauser Straße in Riede abspielt, bemühte Anwohnerin Rita Verhoeven am Donnerstagabend im Rieder Gemeinderat im Gasthaus Schierloh ein Märchen der Brüder Grimm: „Wenn ich die kleinen Kinder sehe, die die Straße queren wollen – die stehen da wie Hänsel und Gretel, sie fassen sich an der Hand. Und dann denke ich: Oh Gott, hoffentlich kommen die heil über die Straße!“

Was die Inhaberin des Friseursalons so beunruhigt und Stoßgebete sprechen lässt, ist die Tatsache, dass viele Autos und Laster zu schnell auf der Thedinghauser Straße unterwegs sind. Und zwar derart rasant, dass sie regelmäßig in die Vorgärten rauschen. Gerade die Tage wieder bei den Nachbarn Behn ein Haus weiter. Dabei gehen Bordsteine, Hecken und Zäune über den Deister. Die Verkehrsteilnehmer unterschätzen die scharfe Kurve bei der Tischlerei und müssen bei überhöhter Geschwindigkeit gegenlenken.

Das Queren der Straße ist bei diesem Tempo entsprechend gefährlich, und zwar nicht nur für Kinder, sondern für alle Bürger, wie Rita Verhoeven und eine weitere Anwohnerin dem Rat schilderten. „Die rasen da derart lang, dass sie einem fast den Kopf oder das Hinterteil abhauen – je nachdem wie man steht“, berichtete die Bürgerin von gefährlichen Situationen bei der Gehweg- und vor allem Straßenreinigung.

Ein Anwohner hatte im Vorfeld der Ratssitzung einen Antrag auf verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit gestellt. Temporeduzierung, Warnschilder, Radarkontrollen und Schwellen waren seine Anregungen. Die Verwaltung hatte aber nur Geschwindigkeitsmessungen als sinnvoll erachtet und einen entsprechenden Beschlussvorschlag formuliert, bei dem der Landkreis gebeten werden sollte, diese umzusetzen. Denn die Thedinghauser Straße ist eine Kreisstraße. Eine Temporeduzierung befürwortete der Fachbereich Ordnung im Rathaus nicht. Denn eine überhöhte Geschwindigkeit mit mehr als 50 km/h sei wegen der engen Kurvenführung „kaum möglich“.

Dieser Aussage widersprach Werner Hasemann (SPD). „Da wird heftig mehr als 50 gefahren.“ Er machte sich für Tempo 30 zwischen der Bücherkiste und der Landesstraße stark. „Ich habe mal nachgemessen. Die Zeitverzögerung würde nur 24 Sekunden betragen.“ Das sei auch den Müttern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, zuzumuten.

Andreas Weber (Grüne) betrieb Ursachenforschung: Der Verkehr habe zugenommen, auch wegen der Bauarbeiten auf der A 27. Es dürfe nicht gewartet werden, bis jemand totgefahren werde. Auch sollten die verblassenden Schilder erneuert werden, die vor den querenden (Schul-)Kindern warnen.

Joachim Otten (CDU) sieht auch einen Handlungsbedarf, erinnerte aber an die Zuständigkeit des Kreises als Träger der Straße. Seine Parteikollegin Anja Clausjohannes-Vöge äußerte sich gegenüber Tempo 30 skeptisch. Sie schlug vor, „zu checken, was wir machen können“, und brachte einen Zebrastreifen ins Spiel.

Harald Lochte (SPD) mahnte zum Handeln, nicht zum Checken. Die Geschwindigkeitsreduzierung habe Priorität. Das Beispiel in Achim vor der Ueser Grundschule zeige, dass so etwas „wunderbar funktioniert“.

Gemeindedirektor Harald Hesse erinnerte daran, dass vor Schulen generell Tempo 30 leichter möglich sei. Er warb dafür, dass sich die beiden Rieder Kreistagsabgeordneten Joachim Otten und Jürgen Winkelmann mit den zuständigen Mitarbeitern beim Landkreis in Verbindung setzen. Doch auch Hesse selbst versprach, mit dem Amtsleiter Werner Stadtlander zu sprechen.

Am Ende beschloss das Gremium einstimmig, dass sich die Verwaltung beim Landkreis für Tempo 30 und Geschwindigkeitsmessungen einsetzen und weitere Maßnahmen prüfen möge, zum Beispiel baulicher Art.

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