Rieder Clemens Irps fährt auf eigene Faust als Helfer ins Katastrophengebiet im Ahrtal

Erfahrungen, die niemand machen will

Die Infrastruktur in den Überschwemmungsgebieten ist völlig zerstört.
+
Die Infrastruktur in den Überschwemmungsgebieten ist völlig zerstört.

Auch wenn Clemens Irps bei seinem Einsatz als Fluthelfer im Katastrophengebiet im Ahrtal an seine körperlichen Grenzen gelangt ist, will der 22-Jährige am nächsten freien Wochenende erneut aufbrechen.

Riede/Rheinbach – Die verheerenden Bilder von der Flutkatastrophe im Ahrtal – sie haben auch Clemens Irps extrem mitgenommen. Als der 22-Jährige dann in den sozialen Medien einen Hilferuf von einem Erdbeerhof entdeckte, musste er nicht lange überlegen. Kurzerhand setzte sich der Rieder am vergangenen Freitag ins Auto, um in seinem Urlaub den betroffenen Personen vor Ort zu helfen.

Hilferuf in den sozialen Medien der Anstoß

„Auf dem Erdbeerhof habe ich allerdings leider niemanden angetroffen und somit die erste Nacht im Auto verbracht“, sagt Irps, der in seinem Heimatort Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr ist. „Am nächsten Tag habe ich mich dann erkundigt, wo die Anlaufstelle für die Helfer zu finden ist. Seitdem bin ich nun in Rheinbach. Von dort werden die jeweiligen Einsätze organisiert“, verdeutlicht der angehende Polizeibeamte. Als Unterkunft dient den vielen Freiwilligen die Lagerhalle einer Eventagentur. Jeden Tag geht es dann gemeinsam nach einer vorherigen Lagebesprechung ab 11 Uhr in die betroffenen Gebiete. „Gearbeitet wird zumeist in Gruppen von sieben Personen bis 19.30 Uhr. Dabei sind die Aufgaben sehr vielfältig“, erklärt Irps. Neben dem Auspumpen von Kellern müssen die noch existierenden Gebäude vom Schlamm befreit werden. Darüber hinaus gilt es, die Straßen, sofern sie unter dem gesamten Schutt und Schlamm noch da sind, freizuräumen. „Wir haben aber auch schon Estrich aus einigen Gebäuden rausgestemmt“, erklärt der 22-Jährige.

Der 22-jährige Clemens Irps verbringt seinen Urlaub als Helfer im Katastrophengebiet im Ahrtal.

Apropos Schlamm: Der ist laut Irps ein großes Problem. Durch die ganzen Öle und anderen Chemikalien ist er extrem belastet. „Gestern hat es hier wieder geregnet. Da war auf dem aufgeweichten Boden der Ölfilm schon sehr deutlich zu sehen. Ich denke, dass es Jahre dauern wird, bis sich die Natur davon erholen wird“, ist der Rieder überzeugt. Die ersten Anzeichen – sie sind für ihn schon deutlich sichtbar: „Aktuell gibt es hier keine Tiere mehr. Weder Vögel, noch irgendwelche Insekten. So etwas habe ich in der Form noch nie in meinem Leben gesehen!“

Aktuell gibt es hier keine Tiere mehr. Weder Vögel, noch irgendwelche Insekten. So etwas habe ich in der Form noch nie in meinem Leben gesehen!

Clemens Irps

Aber das sind nicht die einzigen Bilder, die Clemens Irps vermutlich so schnell nicht wieder loslassen werden. Vor allen Dingen die Begegnungen mit den betroffenen Personen erfordern jede Menge Feingefühl. „Natürlich sind sie alle sehr dankbar für unsere Hilfe. Aber viele von ihnen sind auch schwerst traumatisiert. Schließlich haben sie nicht nur ihr Hab und Gut verloren, sondern mussten teilweise mitansehen, wie geliebte Menschen ihr Leben verloren haben. Das sind Erfahrungen und Geschichten, die man sich nicht vorstellen kann. Und vor allen Dingen will sie niemand erleben“, so der 22-Jährige. „Daher ist an den jeweiligen Baustellen immer auch ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl erforderlich. Die Leute haben einfach Angst, wenn vor ihrem Haus urplötzlich ein Laster mit zehn Personen auftaucht. Zumal hier schon geplündert wurde“, verweist der Rieder explizit auf ein kaum vorstellbares Problem. Und das ist nicht das Einzige. Zwar gibt es aktuell keine Gaffer oder „Katastrophen-Touristen“ mehr, doch dafür wurden laut Irps zuletzt vermehrt Rechtsextremisten in den betroffenen Orten gesichtet. „Das ist ein großes Problem. Denn die Nazis verbreiten hier ganz offen ihre Ideologien. Die Leute werden sogar mit Geld bis zu 1000 Euro beschenkt und sollen glauben, dass die CDU und SPD für die Flutkatastrophe verantwortlich sind. Unfassbar“, schüttelt der 22-Jährige angesichts dieser Unverfrorenheit nur mit dem Kopf. Auch wenn die Polizei mit etlichen Kräften präsent ist, haben die Beamten nicht die Kapazitäten, um alle Ortschaften abzudecken.

Die Häuser in den Flutgebieten gleichen einem Trümmerfeld und sind oftmals nicht mehr bewohnbar.

Rechtsextreme verbreiten ihre Ideologien

Die Anzahl der freiwilligen Helfer ist zwar nach wie vor groß, doch es könnten durchaus noch ein paar mehr werden. Die Anwohner sind laut Irps regelrecht empört darüber, dass die Medien von einem Überangebot an Helfern sprechen. „Hier wird jede Hand gebraucht. Zumal alle an ihre körperlichen Grenzen gehen. Denn mit der Arbeit auf den Baustellen ist es ja nicht getan. Im Anschluss müssen auch noch alle Gerätschaften vom stark belasteten Schlamm befreit werden. Und nach dem Essen falle ich dann meistens einfach um“, verdeutlicht Clemens Irps. Trotz der ganzen Anstrengungen und der katastrophalen Bilder vor Ort soll das Engagement des 22-Jährigen kein einmaliger Einsatz gewesen sein. „Am Sonntag fahre ich nach Hause zurück und muss dann Montag auch gleich wieder arbeiten. Doch an den freien Wochenenden fahre ich auf jeden Fall wieder runter, um zu helfen. Ich hätte sonst ein schlechtes Gewissen, wenn ich nichts tue“, hofft Clemens Irps auf weitere Helfer. Gleichzeitig macht er noch einmal deutlich, dass für Baugeräte, Trennschleifer oder Generatoren nach wie vor dringend Spenden benötigt werden. „Diese sind direkt für die privaten Helfer, da sie keine Mittel aus den öffentlichen Töpfen bekommen“, gibt Clemens Irps unter Tel. 0151/15778786 nähere Informationen.

Von Kai Caspers

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Mögliche Minister unter Rot-Gelb-Grün

Mögliche Minister unter Rot-Gelb-Grün

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Meistgelesene Artikel

Verden: Sabatier-Kunsthalle vor dem Abriss

Verden: Sabatier-Kunsthalle vor dem Abriss

Verden: Sabatier-Kunsthalle vor dem Abriss
Amazon und Stadt fordern Bahn zum Handeln auf: „Mehr Zugkapazitäten für Achim nötig“

Amazon und Stadt fordern Bahn zum Handeln auf: „Mehr Zugkapazitäten für Achim nötig“

Amazon und Stadt fordern Bahn zum Handeln auf: „Mehr Zugkapazitäten für Achim nötig“
Den Einzug amtlich verpasst

Den Einzug amtlich verpasst

Den Einzug amtlich verpasst
Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus

Kommentare