Erschüttert über Schotter und Steinwüsten

Rieder Christian Hasemann prangert Gartengestaltung an

Christian Hasemann aus Riede hat drei Beispiele für die Gestaltung von Vorgärten mit viel Stein in der Gemeinde dokumentiert.
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Christian Hasemann aus Riede hat drei Beispiele für die Gestaltung von Vorgärten mit viel Stein in der Gemeinde dokumentiert.

Riede / Thedinghausen – Bei der Gartengestaltung macht sich seit ein paar Jahren bei Grundstückseigentümern der Trend breit, möglichst viel mit Steinen zu arbeiten. Anders gesagt: Tonnenweise wird Schotter statt Grünzeug auf die Grundflächen aufgebracht.

Das wiederum stößt nicht wenigen Bürgern sauer auf. Christian Hasemann aus Riede zum Beispiel ist durch seine Gemeinde gegangen und hat exemplarisch einige „Vorgärten“ fotografiert. „Laut Niedersächsischer Bauordnung sind unbebaute Flächen als Grünflächen zu gestalten, es sei denn, sie werden für Terrassen oder als Stellplätze genutzt. Das Gesetz ist also eindeutig“, bezieht Hasemann gegenüber dieser Zeitung Stellung.

Und er kritisiert, dass die Gemeinde und die Verwaltung sich als nicht zuständig sehen. Das geht aus einem Mailverkehr mit Bürgermeister Jürgen Winkelmann und Bauamtsleiter Frank Bielefeld hervor. Auch habe die Gemeinde es versäumt, bei der Neuausweisung von Neubaugebieten Artenschutz und Klimaschutz-Aspekte zu berücksichtigen. „Thuja, Kirschlorbeer und kurz geschorener Rasen sind ungefähr so ökologisch sinnvoll wie Beton“, so Hasemann in einer Mail an Winkelmann. Es gelte, wenigstens auf die Einhaltung bestehender Regeln zu achten, also die Anlage von Grünflächen statt Steingärten. Das treffe im Übrigen auch für das Baugebiet Illmer IV in Thedinghausen zu, wo Hasemann ähnliche Tendenzen der Gartengestaltung gesehen hat.

Als „nicht wünschenswert“ bezeichnete auch Bauamtsleiter Frank Bielefeld diese Form der Außengestaltung.

Bielefeld stimmt Hasemann gegenüber zu, dass eine „solche Außengestaltung nicht wünschenswert ist“. Baurechtlich habe die Gemeinde aber kein Prüfungsrecht, sondern der Landkreis. Der Bauamtsleiter hält es aber für fraglich, ob „obrigkeitliche Maßnahmen bei der Außengestaltung von Grundstücken zielführend sind“. Eine regelmäßige Kontrolle der Grundstücke, die meist einer permanenten Veränderung unterlägen, sei nicht leistbar. Zudem müsse eine Abwägung erfolgen, was noch tolerabel sei und was dem Landkreis zur Prüfung vorgelegt werden soll. „So ist ein Grundstück mit einem vorhandenen zehn Quadratmeter großen Schotterbeet und einem einfachen 15-Quadratmeter-Carport von der Flächenversiegelung weniger problematisch, als eine Doppelgarage mit 54 Quadratmeter versiegelter Fläche. Weiterhin kann ein Grundstück mit 20 Quadratmeter Schotterfläche aufgrund von vorhandenen standortheimischen Pflanzen ökologischer sein, als ein Grundstück ohne Schotterbeet aber mit exotischen Anpflanzungen“, führt Frank Bielefeld aus.

Er setzt auf die Praxis der Sensibilisierung. In Schreiben werden die Bürger der Gemeinde Riede, aber auch in den anderen Kommunen der Samtgemeinde bei Neubauten um einen ökologisch verantwortungsvollen Umgang gebeten. Verbunden ist das Schreiben mit einem Gutschein für einen standortheimischen Baum. Es sei an den Bürgern, die ähnlich wie Christian Hasemann dächten, diese Negativbeispiele zu thematisieren, um Nachahmungen zu vermeiden.

Diese Empfehlung stößt Hasemann sauer auf. „Meiner Meinung nach wäre es Aufgabe des Gemeindedirektors, das Gespräch mit den Eigentümern zu suchen und sie dazu zu motivieren, sich an die geltenden Regeln zu halten. Das wäre die sanfte Methode. Immerhin geht es auch um den Erhalt des dörflichen Charakters Riedes.“ Die Verwaltung sei zuständig für die Einhaltung der Regeln, nicht „eine Art ökologische Blockwart-Guerilla“.

Mit der Duldung würden Gemeinde und Verwaltung diejenigen belohnen, die auf jede Regel pfeifen. „Die angeschmierten sind diejenigen Bürger, oft im Rentenalter, die ihre Gärten bunt und artenreich und mit Herzblut gestalten und sich an die Regeln halten. Geduldete Schottergärten animieren meiner Meinung nur dazu, dass es andere nachmachen.“

Das Argument mit dem Sensibilisierungsschreiben greife nicht, weil Schottergärten oft im Bestand angelegt würden. „Über die 40-Euro-Gutscheine für ein Bäumchen lachen sich doch Menschen, die für tausende Euro Schotter in den Garten kippen, schlapp.“

„Wer Schotter will, findet immer einen, der es macht“, sagt Alexander Arendt vom niedersächsischen Gartenbauverband Gala-Bau.

Alexander Arendt, Justiziar beim Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Niedersachsen-Bremen (Gala-Bau), bestätigt, dass nicht so pflegeintensive Schottergärten laut niedersächsischer Bauordnung eigentlich verboten seien. Allerdings werde das nicht kontrolliert. Viele Gala-Bau-Mitgliedsbetriebe würden eine solche Anlage auch verweigern, manche aber nicht, weil sie auch sehr teuer seien und damit gute Umsätze gemacht werden könnten. Wenn der Wunsch nach einem Steingarten an den Gartenbaubetrieb herangetragen werde, werde oft versucht, den Grundstückseigentümer zu mehr Grün zu bewegen. Es sei auch klar: „Wer Schotter will, findet immer einen, der es macht.“

Der stellvertretende Bauamtsleiter Claus Stechow sagt, es gebe aktuell Bestrebungen Eckpunkte der Gartengestaltung in den Bebauungsplänen für Neubaugebiete festzusetzen, ähnlich wie bei Dachfarben und Formen sowie bei der Fassadengestaltung. Er gibt aber auch zu bedenken, dass den Bürgern nicht zu viele Vorgaben und Auflagen gemacht werden sollten.

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