Riede und Syke müssten den Turbo zünden

Radwegebau Felde-Okel: Übernahme der Planung(-skosten) könnte Projekt beschleunigen

Okeler Damm zwischen Felde und Okel
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Ein Radweg soll laut Prioritätenliste des Landes zwischen Felde und Okel gebaut werden. Wann auch immer.

Riede / Okel – „Ich bin nicht euphorisch, aber auch nicht mutlos.“ Ilse Lange gab am Ende eines flotten Gesprächsabends im Gasthaus Holschenböhl in Emtinghausen am Montag Einblick in ihre Gefühlswelt. In den 75 Minuten zuvor hatten rund 25 Teilnehmende über das Projekt Radweg-Lückenschluss zwischen Riede-Felde und Syke-Okel beraten. Ergebnis: Wenn Dampf in die Sache kommen soll, sollten zunächst die Kommunen darüber beraten, ob sie selbst die Planung und die damit verbundenen Kosten übernehmen, um die Sache zu beschleunigen.

Ilse Lange hatte den Abend auf etwas größere Füße stellen wollen. Landtags- und Bundestagsabgeordnete sollten kommen, die Bürgermeisterin aus Syke auch. Doch aus Termingründen hatten einige absagen müssen, andere Eingeladene sehen keine Notwendigkeit. Und so war es eher ein Gesprächskreis in kleiner Runde, wie Lange, die Vorsitzende der Bürgerinitiative für Schulwegsicherheit in Riede und langjährige Streiterin für den Radweg, eingangs feststellte.

Immerhin waren neben etlichen Anwohnerinnen und Anwohnern aus Felde und Okel die neue Thedinghauser Verwaltungschefin Anke Fahrenholz und die beiden Bürgermeister Jürgen Winkelmann (Riede) und Gerold Bremer (Emtinghausen) da. Und von Okeler Seite die Ortsbürgermeisterin Marlene Früchtenicht. Zudem als Vertreter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Tim Lührsen. Er ist in Verden mit der Planung von Radwegen betraut, die auf einer Prioritätenliste mit zehn Projekten stehen. Der 4,1 Kilometer lange Weg von Felde nach Okel steht auf Platz fünf. Da aber noch nicht einmal mit dem ersten angefangen worden ist – Baustart für Radweg Nr. 1 im kommenden Jahr –, sondern nur die ersten drei in Planung sind und die Liste aus dem Jahr 2016 stammt, ist abzusehen, dass es mit der Umsetzung des besagten Radweges, auf Rang fünf gelistet, noch ein bisschen dauern wird: nämlich lange, zumal zwischen einer irgendwann abgeschlossenen Planung und Baubeginn in der Regel drei bis vier Jahr lägen, so Tim Lührsen. In einem solchen Planfeststellungsverfahren durch den Landkreis seien diverse Belange „sauber“ zu berücksichtigen, allein etwaige Beeinträchtigungen für Flora und Fauna nähmen ein Jahr in Anspruch. Auch Grundstücksfragen seien zu klären.

Doch bevor überhaupt angefangen wird zu planen, ziehen ja schon die Jahre ins Land. Grund: Personalmangel in der Behörde, nicht Geldknappheit. „Mehr als arbeiten geht nicht.“ In ein ähnliches Horn hatte vor Kurzem schon der Leiter der Behörde, Rick Graue, im Samtgemeinderat gestoßen.

Doch Lührsen hatte auch den Schlüssel für die Beschleunigung im Gepäck und erinnerte an die Möglichkeit, dass die Kommunen selbst aktiv werden könnten. Zum einen meinte er damit, mit den Grundstückeigentümern zu sprechen, zum anderen vor allem, selbst ein Planungsbüro zu beauftragen. Bei einem Kostenvolumen von rund einer Million Euro für den Bau würde das zehn Prozent ausmachen, also rund 100 000 Euro, die sich Riede und Syke teilen müssten.

Das machte Jürgen Winkelmann hellhörig: „Das wollten wir schon 2018“, doch damals sei eine Summe von 200 000 Euro genannt worden, und man sei sich mit Syke nicht einig geworden. Auch hätten Kostensteigerungen durch fortwährende Aktualisierungen der Planungen gedroht. Wenn die Kosten gedeckelt werden könnten und mit 100 000 Euro zu rechnen sei, könnte aber was gehen.

Die Möglichkeit, die Planung zu übernehmen, fand nicht überall Zustimmung. Ein Zuhörer kritisierte, es sei unseriös, dass sich das Land auf diese Weise dieser Kosten entledige. Stattdessen sollten deutlich mehr Gelder von Bund und Land fließen, um Radwege rasch zu bauen, und zwar vor dem Hintergrund der Klimaproblematik und der damit zunehmenden Bedeutung der Mobilität mit dem Rad. Auch der Tourismus spiele eine Rolle. „Es muss mehr Feuer hinter die Aktion“, so der Bürger.

Jürgen Winkelmann warb dafür, dass die Bürgerinitiative entsprechende Anträge in den Rieder Gemeinde- beziehungsweise Syker Stadtrat einbringe, dass die Planungskosten von den beiden Kommunen hälftig übernommen werden. Das könne jeder Bürger / jede Bürgerin, Fraktionen seien aber auch empfänglich, für die Bürger einen Antrag zu stellen.

Was die Zuständigkeit für das Projekt angeht, versicherte Lührsen, dass seine Verdener Behörde den Hut auch auf Okeler Seite aufhabe. Das gelte aber nicht für einen Gehweg innerorts von Okel, wofür es in Syke Überlegungen gibt. Das sei Sache der Stadt. Hintergrund: Mütter und Väter müssen mit ihren Lütten auf der viel befahrenen Straße gehen, um ihre Kinder in der Krippe abzugeben. Weitere markante Punkte sind der Reiter- und Schützenhof sowie die Kinder- und Jugendhilfe Riede. Vor deren Haustür sei Tempo 100 erlaubt, erinnerte Lange.

Ortsbürgermeisterin Marlene Früchtenicht konnte indes Langes Befürchtungen zerstreuen, Fahrradstreifen würden dem übergeordneten Projekt Radwegebau zuwiderlaufen. Diese Streifen sollten allenfalls einseitig hinter dem westlichen Ortseingang auf die Straße aufgebracht werden, um die dortige für Radfahrer gefährliche Situation zu entschärfen.

Und wie geht es nun weiter? Für den Januar planen die Aktiven aus beiden Kommunen ein weiteres Gespräch, dort soll es auch um Fördermittel gehen.

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