Seit über 100 Jahren regionales Transportmittel

Als der Pingelheini das erste Mal durch Riede fuhr

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Zwei historische Dampflokomotiven samt Lokführer, Zugpersonal und Passagieren im Jahre 1912 vor dem Bahnhof Thedinghausen. Das historische Gebäude wurde vor einigen Jahren abgerissen.

Riede/Thedinghausen - Lange Zeit ist es her, als zum ersten Mal in der Geschichte von Riede und Thedinghausen die Orte mit einem Gleisanschluss ausgestattet wurden und darauf eine normalspurige Nebenbahn im Güterverkehr betrieben wurde.

Denn neben dem Bau von Straßen, die auch abgelegene Dörfer mit der Außenwelt verbanden, schmiedete 1889 der Gemeinderat Riede den Plan, sich an das deutsche Eisenbahnnetz anschließen zu lassen. Die Gemeinde stellte bereits 3000 Goldmark zur Verfügung, falls die königliche Eisenbahnverwaltung in den nächsten Jahren den Bau einer Bahnstrecke von Minden über Hoya nach Kirchweyhe verwirklichen und innerhalb der Gemarkung Riede einen kleinen Bahnhof oder eine Haltestelle einrichten würde.

Dragoner-Kapelle spielte zur Eröffnung

Das zeugte von großer Weitsicht ,und fünf Jahre später folgten intensive Verhandlungen. Die Gemeinde wollte sogar 5000 Goldmark für den Anschluss dazu bezahlen. Allerdings scheiterte der Plan.

Jedoch war das Thema nicht vom Tisch, denn um 1906 begann die Planung einer Kleinbahnlinie über Brinkum, Leeste, Weyhe, Riede und Thedinghausen. Im Jahre 1908 folgte der Planfeststellungsbeschluss.

Der Pingelheini fährt in Höhe Boltenhornstraße in den Thedinghauser Ortskern ein und nähert sich dem Bahnhofsgelände.

Die Bahn wurde von der „Bremisch-Hannoverschen Kleinbahn AG“ gegründet. Es entstand 1908 zunächst die Strecke Bremen-Huchting-Brinkum. Ab 1. Oktober 1910 fuhr die Bahn unter dem Namen Kleinbahn Bremen-Thedinghausen (BTh).

Am 30. September 1910 wurde die Teilstrecke Leeste-Thedinghausen für den Personen- und Güterverkehr feierlich eröffnet. Dieser Tag blieb für die damaligen Bewohner unvergessen. Große Menschenmassen strömten zum mit Girlanden und Fahnen geschmückten Bahnhofsgebäude, Groß und Klein, alle mussten dabei sein. Riede stand Kopf, schrieb Dr. Fritz Garvens in seinem Heimatbuch Riede. Die Schuljugend sang „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“, und Bürgermeister Meyer sprach als Vorsteher den Bauherren und dem anwesenden Regierungspräsidenten von Philippsborn für das Gelingen den Dank der Gemeinde aus.

Um 12 Uhr lief der von Bremen kommende Sonderzug ein. Die Kapelle des Oldenburger Dragoner-Regiments, die den Zug begleitete, spielte dazu auf. Später fuhren die Ehrengäste weiter nach Thedinghausen, während das Ereignis am Abend in Riede mit einem Tanzabend gefeiert wurde.

Florierende Zeiten für Personen und Güterverkehr: Kaufmann Eggers aus Riede-Heiligenbruch betrieb 1912 am Bahnhof Riede einen Landhandel in einer großen Lagerhalle.

Schnell fanden die Bürger einen volkstümlichen Namen für die Bahn: „Pingelheini“. Er ist heute mehr denn je weit über die Grenzen bekannt. Die Streckenlänge beträgt etwa 26 Kilometer. Eingesetzt wurden Lokomotiven der DR-Baureihe V 100. Die Lok BTE 1001 erhielt eine schwarz-weiße „Kuhfleck-Lackierung“. So wurden im Laufe der Jahrzehnte insgesamt

zwölf Dampflokomotiven, sechs Diesellokomotiven und zwei Triebwagen eingesetzt. Täglich kamen ganze Waggonladungen mit Getreide, Düngemitteln, Kohlen und anderen Gütern nach Riede.

Personen, Getreide, Kohlen, Düngemittel

Kaufmann Eggers aus Heiligenbruch hatte extra einen großen Lagerschuppen am Bahnhof gebaut – für Baumaterialien, Futterartikel, Sämereien und mehr. Auf dem Bahnhofsgelände wurde ein Schweineschuppen mit einer Viehwaage errichtet, denn am Wochenende wurden über eine Rampe Mastschweine und Ferkel in Spezialwaggons verladen, die ihren Weg ins Ruhrgebiet nahmen. Der Personenverkehr nach Bremen und Weyhe war sehr rege. Mehrere Personenzüge verkehrten täglich.

Als Folge des ständig wachsenden Straßenverkehrs wurde am 1. Oktober 1955 der Personenverkehr eingestellt. 1978 fuhren erstmals wieder Personenzüge auf der Kleinbahnstrecke, eingesetzt von den Eisenbahnfreunden Bremen, einem inzwischen aufgelösten Verein.

1990 wurde der gemeinnützige Verein „Kleinbahn Leeste“ gegründet mit dem Ziel, historische Eisenbahnfahrzeuge zu erhalten und regelmäßigen Personen-Zugverkehr zu sichern. Der Verein hat heute rund 40 Mitglieder.

Der Rieder Bahnhof verfällt zusehends– schade um das ehrwürdige alte Bauwerk. Nichtsdestotrotz macht der Pingelheini auch hier Station.

Etwa zehn bis 15 davon sind laufend aktiv tätig - in der Werkstatt oder im Fahrdienst. Ende der 90er-Jahre erwarb eine ominöse Investmentgesellschaft zunächst unbemerkt die Aktienmehrheit der Kleinbahn mit dem Ziel, die Strecke abzureißen und lukrative Baugrundstücke zu verkaufen. Aber die bereits davor bestehende „Bremisch-Hannoversche Kleinbahn AG“ stemmte sich mit aller Macht und mit Erfolg gegen die Stilllegung.

Im Jahre 2000 übernahmen die Anliegergemeinden Stuhr, Weyhe und Thedinghausen mit der Weserbahn GmbH die Bahn, die seitdem vor allem im Güterverkehr tätig ist. Seit 1993 fährt der „Pingelheini“ nun auch als Museumsbahn von Bremen über Stuhr, Weyhe, Riede und Dibbersen zum Ziel Bahnhofstraße in Thedinghausen.

Anliegergemeinden retten vor Stillegung

Die Waggons aus den zwanziger Jahren haben offenen Endbühnen und werden von alten Dieselloks aus den fünfziger Jahren gezogen. Der „Pingelheini“ ist sehr beliebt. Er fährt an bestimmten Sonn- und Feiertagen zwischen Mai und September, auch zu besonderen Events wie „Thänhuser Markt“ und „Gartentage Schloss Erbhof“. Im Winter werden Nikolausfahrten, Kohl- und Pinkelfahrten angeboten. Außerdem liegen die Bahnhöfe an zahlreichen Radwanderrouten. Fahrräder werden kostenlos mitgenommen.

Seit 2010 gehört die „Pingelheini Museumsbahn Bremen-Thedinghausen“ zur Route der „Industriekultur im Nordwesten“.

Dass die Kleinbahnstrecke für die Samtgemeinde Thedinghausen durchaus noch Bedeutung hat und weiterhin haben könnte, wird auch an der Tatsache deutlich, dass die Bremen-Thedinghauser-Eisenbahn (BTE) jährlich mit rund 70.000 Euro unterstützt wird.

jb

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